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Dienstag, 11.08.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Walter Käsmair ist tot

Seine Suche nach dem Licht begann meist, wenn Dunkelheit aufzog und die Stadt unbewohnt schien. In Walter Käsmairs Werk war für Menschen kein Platz. Ihm ging es nämlich um nicht viel weniger als um die Erfindung einer anderen Welt. Der fotografische „Sucher“ sucht nicht, sondern inszeniert. Der Künstler unter den Fotografen steuert den Lauf des Lichts in einen unentdeckten Raum. Der Raum hieß bei Käsmair „Augsburg“. Ein Augsburg, das es außerhalb seiner Lichtgemälde nicht gibt. Augsburg ist, das könnte man beim längeren Betrachten der fotografischen Kunstwerke Walter Käsmairs leicht vergessen, nämlich eine bewohnte Stadt. In Käsmairs Fotogemälden ist Augsburg ein sakraler Ort, ein Kunstwerk, in dem gewöhnliche Menschen nichts verloren haben. Die Maximilianstraße, die Kahnfahrt, die Stadtmetzg, der Rathausplatz, die Altstadt, der Stempflesee: Es gibt keinen Ort, der ohne Geheimnis wäre: Augsburg als glanzvolle Dämmerung am Vorabend eines Ausbruchs, als atmender Ort einer versunkenen Geschichte, als Mitte einer Welt, die nur für höhere Wesen bestimmt zu sein scheint.