Archäologische Grabungen auf Theaterbaustelle abgeschlossen
Nach acht Jahren baubegleitender Ausgrabungen ist das Baufeld für die Generalsanierung und den Neubau des Staatstheaters archäologisch untersucht. Dabei kamen Spuren aus mehr als 2.000 Jahren Augsburger Geschichte ans Licht – von einer römischen Siedlung über mittelalterliche Stadtbefestigungen bis zu Relikten des früheren Theaterbaus.
Von Bruno Stubenrauch
Baufeld nördlich der Kasernstraße: Hier fanden schichtweise Ausgrabungen bis 5 Meter Tiefe stattDie Grabungen gehören nach Angaben der Stadtarchäologie zu den umfangreichsten und schwierigsten der vergangenen Jahrzehnte. Die Funde wurden kartiert, dokumentiert und im Zentraldepot eingelagert. Nun beginnt die wissenschaftliche Auswertung, während auf der Baustelle die nächsten Schritte für den Neubau des Betriebsgebäudes vorbereitet werden.
Römische Siedlung und mittelalterliche Stadtmauer
Zu den ältesten Befunden gehören Überreste einer römischen Siedlung entlang der damaligen Fernhandelsstraße nach Gallien und Hispanien. Freigelegt wurden unter anderem Straßen und Wasserleitungen sowie Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Stallungen, Keller, Zisternen und Brunnen. Auch mehrere Bestattungen wurden entdeckt.
Spuren weisen auf ein gewaltsames Ende der Siedlung im 3. Jahrhundert hin. Sie wurde offenbar niedergebrannt und anschließend geschleift. Zahlreiche Tote wurden nicht regulär bestattet, sondern gemeinsam mit Bauschutt in aufgegebenen Gruben und Kellern abgelegt. Weitere Untersuchungen sollen helfen, die Hintergründe zu klären.
Besonders gut erhalten waren die mittelalterlichen Befestigungsanlagen. Eine etwa acht Meter hohe Mauer des Wehrgrabens aus dem 12. Jahrhundert mit Mauerkrone und Pilastern gehört zu den überraschendsten Befunden. Auch die verschiedenen Bauphasen der Befestigung bis zu ihrer Schleifung konnten nachvollzogen werden.
Spuren von Theater und Krieg
Aus dem Kornstadel, der bis Mitte des 19. Jahrhunderts an der Stelle des späteren Großen Hauses stand, wurden Kellergeschosse freigelegt. Vom ersten Theaterbau von 1877 fanden die Archäologen Teile des Fassadenschmucks und Skulpturen, darunter die Köpfe eines Satyrs und einer Muse. Hinzu kommen Überreste des Beckens des früheren Neptunbrunnens.
Auch die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hat Spuren hinterlassen. In einem Keller blieb unter dem Brandschutt Inventar erhalten, darunter umgestürzte Regale, Getränkekästen und ein Kohlelager. Die Befunde stehen im Zusammenhang mit der Bombardierung der Klostergebäude im Februar 1944.
Zu den besonderen römischen Funden zählen ein seltenes bronzenes Öllämpchen mit erhaltener Aufhängeschnur, zwei Gemmen sowie das Fragment einer hochwertigen Marmor-Frauenstatuette.
Auswertung beginnt

Ein solches Öllämpchen konnte gut erhalten geborgen werden
Die Dimension der Grabung zeigt sich auch in ihrer Dokumentation: Rund 3.000 Zeichnungen wurden angefertigt, hinzu kommen mehr als 15.000 Beschreibungsblätter in 77 Ordnern. Für den wissenschaftlichen Abschlussbericht müssen die Befunde und Funde nun datiert, eingeordnet und ausgewertet werden. Die Ergebnisse sollen künftig weitere Forschungen zur Augsburger Stadtgeschichte ermöglichen.
Ein Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlagen bleibt als Bodendenkmal im Untergrund erhalten. Das ursprünglich geplante archäologische Fenster zur öffentlichen Präsentation konnte jedoch nicht umgesetzt werden. Die Skulpturen und Bauplastiken des ersten Theaterbaus sollen dagegen später im Foyer des neuen Theaters gezeigt werden.
Keller wird vor Ort geschützt
Auf dem Areal des ehemaligen Augustinerklosters Heilig Kreuz wird im August noch ein tiefreichender mittelalterlicher Keller gesichert. In einer etwa 8,5 mal 5 Meter großen Fundschicht haben sich unter feuchten und luftdichten Bedingungen organische Materialien wie Leder und Holz erhalten. Eine Bergung würde diese empfindlichen Funde dem Risiko des Zerfalls durch Luftkontakt aussetzen.
Deshalb bleibt die Fundschicht im Boden. Die Fläche wird mit zehn Meter tiefen Bohrpfählen umringt und anschließend mit einer etwa einen Meter starken Stahlbetonplatte abgedeckt.
Für die Arbeiten wird das Ottmarsgässchen vom 17. bis 25. August zwischen der Einmündung in die Volkhartstraße und Hausnummer 7 für den Autoverkehr gesperrt. Fußgänger können den Bereich weiterhin auf der Nordseite passieren.
Hochbau beginnt im Herbst
Ende Oktober oder Anfang November soll in rund 16 Metern Tiefe die etwa 4.400 Quadratmeter große Bodenplatte für das neue Betriebsgebäude entstehen. Dort sind unter anderem Werkstätten, Probebühnen, Lager- und Verwaltungsflächen vorgesehen.
Die zweite Spielstätte an der Volkhartstraße soll ab Frühjahr 2027 auf dem bereits fertiggestellten Keller errichtet werden. Ziel ist, beide Neubauten bis 2030 baulich fertigzustellen; die Sanierung des Großen Hauses soll bereits 2029 abgeschlossen sein.

Das Baufeld für die zweite Spielstätte mit dem fertigen Keller (Bilder: DAZ)