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Mittwoch, 26.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Vernissage „Sternenzauber“

Vor zahlreichen Ehrengästen aus Wissenschaft, Politik und Kultur eröffneten gestern abend Kulturreferent Peter Grab und Dr. Michael Rummel, Leiter des Naturmuseums, die Sonderausstellung „Sternenzauber – Meteorite: Besucher aus dem All“.

Scheibe eines Eisenmeteorits mit Widmannstätten'schen Figuren

Scheibe eines Eisenmeteorits mit Widmannstätten'schen Figuren


Eine fachliche Einführung gab es von Dr. Udo Neumann vom Mineralogischen Institut der Universität Tübingen. Von dort stammen auch die meisten der faszinierenden Exponate der Sonderausstellung im 3. Stock des Augsburger Naturmuseums. Im Gegensatz zu Sternschnuppen, die in der Atmosphäre verglühen, sind Meteorite Festkörper, die die Erdoberfläche erreichen. Undifferenzierte Meteorite bestehen aus zusammengebackenem, ca. 4,5 Milliarden Jahre altem Steinmaterial aus der Zeit der Planetenentstehung. Differenzierte Meteorite sind Bruchstücke von Asteroiden, die einen Schmelzprozess ähnlich wie die Erde hinter sich haben. Stücke aus dem Mantel bestehen aus Silikatmineral. Stücke aus dem Asteroidenkern bestehen aus einer Eisen-Nickel-Legierung und heißen Eisenmeteorite. Angeschliffene und geätzte Eisenmeteorite zeigen sogenannte Widmannstätten’sche Figuren: Strukturen, die durch eine extrem langsame Abkühlung von nur 1 bis 100 Grad in einer Million Jahren entstanden sind.

Moldavite, benannt nach dem Fundort in der Nähe der Moldau

Moldavite, in der Nähe der Moldau gefundene Impact-Gesteinsgläser


Meteoriten werden nach ihrem Fundort benannt. Der letzte in Bayern beobachtete Fall fand 2002 mit dem Neuschwansteinmeteoriten statt, der in der Nähe von Füssen gefunden wurde. Es gibt aber auch einen Meteoriten, der nach der Person benannt ist, die er getroffen hat: der Hodges-Meteorit traf 1954 die Hausfrau Elizabeth Hodges auf ihrer Couch. Durch das Hausdach abgebremst hinterließ er zum Glück nur blaue Flecken. Die meisten Meteoriten stammen aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Einige wenige wurden jedoch aus anderen Himmelskörpern wie dem Mond herausgeschlagen und erreichten irgendwann die Erde. Für solche extrem seltenen Stücke werden 5.000 bis 40.000 Euro pro Gramm bezahlt, während Eisenmeteorite für 50 Cent bis 5 Euro pro Gramm und Steinmeteorite mit 2 bis 50 Euro pro Gramm gehandelt werden. Jedes Jahr erreichen ca. 20.000 Meteorite die Erde.

Schmuck aus der Kollektion "Himmelserscheinungen"

Schmuck aus der Kollektion "Himmelserscheinungen"


Den Bogen von der Naturwissenschaft zum Kunsthandwerk spannt die in die Ausstellung integrierte Kollektion „Himmelserscheinungen“ der Augsburger Goldschmiede Werner. Uta Werner-Dick zeigt darin Schmuckstücke, in denen kosmisches Material kunstvoll eingearbeitet ist. Die Ausstellung „Sternenzauber“ ist ab sofort bis 27. Februar 2009 zu den üblichen Öffnungszeiten Di-So 10-17 Uhr im Naturmuseum Augsburg in der Ludwigstraße 2 (Augusta Arcaden) zu sehen.

Im Internet: Naturmuseum Augsburg