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Donnerstag, 18.04.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Sommernächte: Warum eigentlich?

Die Augsburger Sommernächte haben sich entwickelt, sind inhaltlich besser geworden und generieren längst nicht mehr so viel Kritik, als sie ihren Anfang nahmen und  “Maxfeste” genannt wurden. Damals warfen einige Stadträte und die DAZ der Stadt vor, reine “Fress- und Sauffeste” zu veranstalten.

Kommentar von Siegfried Zagler

© Gökhan Bozkurt gobo-pictures.com

Dass die Besucher der Sommernächte nicht mehr nur zur Enthemmung in die Augsburger Innenstadt strömen, sondern auch das kostenfreie Musikprogramm genießen, um sich dabei selbst feiern zu können, ist ein Schritt nach vorne, dass es nach wie vor nur wolkige Erklärungen seitens der Politik für die dreitägige Sause gibt, ist dagegen nicht akzeptabel. Wenn es das Ziel der Stadt Tochter “Augsburg Marketing” ist, drei Nächte lang, so viele Menschen wie möglich in eine bunt beleuchtete Maximilianstraße zu locken, dann darf man die Sommernächte als gelungen bezeichnen.

Doch ist es wirklich zutreffend, dass “dieses Fest Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen und Milieus zusammenbringt und Begegnungen schafft, die das soziale Gefüge der Stadt festigen und stärken”, wie Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber es sieht? “Mit den Augsburger Sommernächten zeigt sich, welche Strahlkraft Augsburg als Metropole in der Region hat und welche Lebensqualität unsere wunderschöne Stadt bietet”, so Weber in einem weiteren Fantasieschub.

Dass das soziale Gefüge der Stadt durch ein dreitägiges Straßenfest gestärkt werden soll, ist eine steile These, die an dieser Stelle bezweifelt wird. Was würde in diesem Sinne erst der Plärrer oder die Sportvereine leisten? Der Soziologe oder Gesellschaftsforscher muss erst noch gefunden werden, der den Augsburger Sommerfesten Nachhaltigkeit im Sinne des gesellschaftlichen Fortschritts bestätigt. Ebenfalls schwer nachvollziehbar ist das Statement von Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle: “Das Sommerfest hat eine herausragende Bedeutung für die Belebung und Stärkung der Innenstadt.”

Donnerwetter! Wenn dem so ist, dann sollte Hübschle erklären, wie ein Sommerfest stärken könnte – und vor allem: Wen?

Den Einzelhandel? Die zahlreichen Cafes der Jakobervorstadt? Es ist nichts als Dampfplauderei, wenn behauptet wird, dass die Sommerfeste die Augsburger Innenstadt beleben würden. Natürlich profitieren drei Tage die beteiligte Gastronomie, das Taxigewerbe und die Künstler und Künstlerinnen durch ihre Tantiemen.

Ein Fest muss nicht unbedingt einen Zweck haben – oder gar einen höheren Sinn. Wenn es überwiegend mit Steuergeldern finanziert wird, dann sollten allerdings mehr als wolkige Erklärungen zur Begründung herhalten. Vermutliche waren in den drei Tagen mehr als 100.000 Menschen unterwegs. Eine einzige Schlägerei, ein einziger tödlicher Herzinfarkt (statistisch nicht unwahrscheinlich) und schon wäre ein Statement wie das von Eva Weber nicht mehr möglich.

735.000 Euro betragen die Gesamtkosten, wovon 315.000 Euro durch Einnahmen aus Standgebühren und Sponsoring abgedeckt wurden. 220.000 Euro kann die Marketing-Gesellschaft, die ohnehin von der Stadt finanziert wird, selbst beisteuern. Die verbleibenden 200.000 Euro bezahlt die Stadt in diesem Jahr direkt aus Haushaltsmitteln.

Das ist die politische Schlagseite! Ein Event, das so viele Besucher anlockt und die meisten der 50+x-jährigen Bürger tagelang aus der Innenstadt verbannt, sollte zumindest mit einer schwarzen Null zu planen sein.