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Montag, 20.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Vermischtes

Augsburger Grabreliefs reisen nach Rom

Einzigartige Zeugnisse antiken Handels in inter­nationaler Ausstellung

Drei herausragende Grabreliefs aus dem Bestand des Römischen Museums Augsburg werden im Herbst 2026 Teil einer inter­natio­nalen Sonder­aus­stellung in Rom. Die rund 1800 Jahre alten Stein­denkmäler aus dem antiken Augusta Vindelicum zählen zu den be­deutend­sten Exponaten der Augs­burger Sammlung und geben seltene Einblicke in den Handels­alltag des Römischen Reiches.

Von Bruno Stubenrauch

Ausstellungsort Castel Sant’Angelo, Rom

Die Ausstellung mit dem Titel „NEGOTIVM. Il Business dell’Impero Romano“, organi­siert vom staat­lichen Museo delle Civiltà, wird von Oktober 2026 bis Januar 2027 sowohl im Museo delle Civiltà im römischen Stadtteil EUR als auch in der Engelsburg (Castel Sant’Angelo) gezeigt. Rund 500 Ex­ponate aus itali­enischen und inter­natio­nalen Museen sollen die wirt­schaft­lichen Strukturen des Imperiums beleuchten – von regio­nalen Handels­be­ziehungen bis hin zu Fern­ver­bindungen nach Nordeuropa und in den Fernen Osten.

Anerkennung für Augsburgs Sammlung

Für Augsburg bedeutet die Leih­anfrage eine beson­dere Aner­kennung. Kultur­referent Jürgen K. Enninger spricht von einem „Ritter­schlag“ für die Stadt und das geplante Römische Museum. Die stetig wachsende Sammlung stoße auch bei großen euro­päischen Insti­tu­tionen auf zu­nehmendes Interesse.

Auch Stadtarchäologe Dr. Sebastian Gairhos hebt die außer­ge­wöhn­liche Dimension der Leihgabe hervor. Es sei zwar unwahr­schein­lich, dass die einstigen Auftrag­geber der Grabmäler selbst jemals nach Rom gereist seien – umso bemer­kens­werter sei es, dass ihre Reliefs nun diesen Weg nähmen.

Blick in die Ausstellung Römerlager mit Ochsenkarren-Relief (Foto: M. Augsburger / Kunstsammlungen und Museen Augsburg)

Alltagsszenen aus Handel und Handwerk

Die drei ausgewählten Stücke stammen aus dem frühen 3. Jahr­hundert nach Christus und zeigen detail­reiche Szenen aus dem Wein- und Textil­handel. Ursprüng­lich schmückten sie die Grab­monumente wohl­habender Händler­familien aus Augusta Vindelicum, die ihren wirt­schaft­lichen Erfolg sichtbar machen wollten. Solche Dar­stel­lungen des Alltags sind im Römischen Reich selten und finden sich sonst vor allem im Osten Galliens. Die Augs­burger Reliefs zeichnen sich dabei besonders durch ihren Erhaltungs­zustand und ihre anschau­liche Gestaltung aus.

Ein besonders bekanntes Motiv zeigt einen von Ochsen gezogenen Last­karren, beladen mit großen Wein­fässern. Der Kutscher, in einen Kapuzen­mantel gehüllt, wird von einem Hund begleitet, der auf der Fracht sitzt – eine Szene von bemerkens­werter Lebendig­keit. Das Original wurde 1990 bei Aus­gra­bungen entdeckt und ist derzeit im Römer­lager im Zeughaus zu sehen.

Relief eines Pfeiler­grabmals mit Szenen aus dem Wein­verkauf: Wein­aus­schank (Foto: A. Brückl­mair / Kunst­sammlungen und Museen Augsburg)

Ein weiteres Relief illu­striert ein­drucks­voll die Ver­schnü­rung eines Textil­ballens für den Trans­port. Meh­rere Arbeiter ziehen mit Stangen die Seile fest, wäh­rend ein Schrei­ber die Vor­gänge doku­men­tiert – ein selte­nes Zeugnis antiker Arbeits- und Organi­sations­prozesse.

Das dritte Exponat zeigt Szenen aus einer Wein­hand­lung. Neben einem Ver­kaufs­raum mit Ampho­ren und Fässern ist auch eine Büro­szene dar­ge­stellt, in der Münzen gezählt und Be­rech­nungen durch­ge­führt werden. Die Dar­stel­lung ver­mit­telt einen un­mittel­baren Ein­druck wirt­schaft­licher Abläufe im römi­schen Alltag.

Augusta Vindelicum als Handelszentrum

Die Reliefs verweisen zugleich auf die wirt­schaft­liche Bedeutung Augusta Vindelicums. Als Haupt­stadt der Provinz Rätien profi­tierte die Stadt von ihrer stra­tegisch günstigen Lage zwischen wichtigen Handels­routen. Der Aus­tausch von Waren er­streckte sich über weite Teile des Imperiums – von der Iberi­schen Halbinsel bis in den Vorderen Orient. Ein­heit­liche Wäh­rungen, ein aus­ge­bautes Straßen­netz und gemein­same Verkehrs­sprachen wie Latein und Grie­chisch bildeten die Grundlage für diesen flo­rie­renden Handel.

Mit der Präsentation in Rom rücken die Augs­burger Exponate nun in einen inter­natio­nalen Kontext – und machen deutlich, welche Rolle die Region bereits in der Antike im euro­päischen Wirt­schafts­gefüge spielte.

Gleichzeitig zeigt die Reise der Reliefs auch etwas sehr Gegen­wärtiges: Geschichte ist kein abge­schlos­senes Kapitel im Museum, sondern ein fort­laufender Austausch zwischen Orten, Per­spek­tiven und Deutungen. Dass aus­gerechnet Handels­bilder aus Augusta Vindelicum heute in einer der bedeutend­sten histo­ri­schen Aus­stellungs­häuser Europas gezeigt werden, wirkt dabei wie eine späte Bestäti­gung ihrer eigenen Botschaft: Wirt­schaft verbindet – damals wie heute, quer durch Kontinente und Zeiten.

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