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Dienstag, 29.09.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Städtebau

Zwischen Baufeld und „Narrativ“: Wie Augsburg über die Zukunft des Klinikums diskutiert

Mit dem neuen Format „Transformation ZUKUNFT“ will der Ende 2025 gegründete Verein „Augsburg Klimaresilient“ große Zukunfts­fragen der Stadt fachlich begleiten – und Politiker, Experten und Öffent­lichkeit an einen Tisch bringen. Zum Auftakt der Reihe kamen am Montag­abend im Kongress am Park Vertreter aus Politik, Architektur und Stadt­gesell­schaft zusammen, um über die Zukunft des Universi­täts­klinikums Augsburg zu diskutieren.

Von Bruno Stubenrauch

v.l.: Stadtrat Christian Pettinger (ÖDP), OB Dr. Florian Freund, Sebastian Berz (Foto: DAZ)

Vorsitzender Sebastian Berz versteht seinen Verein als politi­sche Vorfeld­organi­sation, die Ent­wick­lungen in Augsburg durch Experten­wissen begleiten und öffent­liche Debatten anstoßen will. Das erste Experten­gespräch behandelte die Frage, wie sich die groß­räumigen Ziel­kon­flikte rund um den Klinikums­standort lösen lassen.

Das Angebot nutzten Oberbürger­meister Dr. Florian Freund sowie der Ordnungs- und nun auch Umwelt­referent Frank Pintsch. Den Stadtrat vertraten Regina Stuber-Schneider (Freie Wähler) und Christian Pettinger (ÖDP).

Großprojekte brauchen eine Geschichte

Den inhaltlichen Auftakt machte Projekt­steuerer Stefan Gödeke mit einem Impuls­vortrag über die Dynamik von Groß­projekten. Anhand prominenter Beispiele wie der Elb­philhar­monie, des Flughafens Berlin Branden­burg und von Stuttgart 21 zeigte er, dass Groß­vorhaben oft zunächst Widerstände und Kritik hervorrufen – ihre gesell­schaft­liche Wirkung aber erst nach der Fertig­stellung entfalten.

„Die Wirkung von Großprojekten entsteht NACH Fertig­stellung – und sie entsteht von selbst“, sagte Gödeke provokant und verwies auf die Elbphil­harmonie, die sich vom Skandal­projekt wegen exorbi­tanter Kosten­steige­rungen zum neuen Wahrzeichen Hamburgs entwickelt habe. Ent­scheidend sei, dass Menschen sich mit einem Projekt identi­fizieren könnten. Deshalb müsse man Vorhaben „gut erzählen“. Politik und Projekt­ver­ant­wortliche müssten die Bürger „mitnehmen und begeistern“, um emotionale Bindung und Zustimmung zu erzeugen.

Mit Blick auf das Universitätsklinikum formulierte Gödeke eine klare Botschaft an die Politik: „Das Klinikum ist kein Bauprojekt, sondern ein gesell­schaft­liches Projekt.“ Die öffent­liche Debatte müsse aktiv gestaltet werden, damit daraus ein tragfähiges Zukunfts­konzept entstehen könne.

Architekten sehen kommunikative Defizite

„Wir Experten müssen den Politikern dabei helfen“: Eberhard Wunderle, Architekt

Im Anschluss sprach Architekt Eberhard Wunderle stell­ver­tre­tend für die sechs Augs­burger Archi­tekten­verbände. Er benannte mehrere Defi­zite im bis­herigen Ver­fahren rund um die geplante Klini­kums­ent­wicklung:

Eine überzeugende Vermitt­lung der Ent­schei­dung zwischen Baufeld Ost und West fehle bislang. Auch sei ungeklärt, wie der Wegfall des Patienten­gartens kom­pen­siert werden solle. Zudem brauche es ein Grün­konzept, von dem auch die Rand­ge­meinden profi­tieren könnten. Bei der Ver­kehrs­an­bin­dung müsse Augsburg „zur Linie 5 Gesicht zeigen“.

Die Architektenschaft sei sich einig, so Wunderle, dass eine Be­bauung im Westen sinn­voller sei: „Im Osten würden wir eine Stadt bauen, im Westen bauen wir einen in die Natur einge­bun­denen Campus.“

Zugleich warb er dafür, die Trans­formation gesell­schaft­lich besser zu erklären. „Wir sprechen nicht von einem neuen Gebäude, sondern von einer neuen Welt mit unvor­stell­baren 300.000 Quadrat­metern Nutzfläche.“ Aufgabe der Experten sei es nun, die erkannten Defizite sichtbar zu machen und den politi­schen Ent­scheidern Hilfe­stellung zu geben. „Wenn dies gelingt, wird die Zustimmung auch kommen.“

Der Wunsch nach Identifikation

In der anschließenden Diskussion griffen mehrere Teilnehmer den Gedanken des noch fehlenden „Narrativs“ auf. Ober­bürger­meister Dr. Florian Freund sprach davon, gemeinsam eine „Medical City“ entwickeln zu wollen. Ent­scheidend sei dabei auch ein attrak­tives Umfeld: „Menschen sollen dort nicht nur gerne arbeiten, sondern auch gerne wohnen wollen.“

Umweltreferent Frank Pintsch verwies auf die besondere Sensi­bilität der Augsburger beim Thema öffent­liches Grün. Deshalb müsse man auch „die Geschichte vom beste­henden Grün im Baufeld Ost erzählen“, wo sich ein dem Park vergleich­barer großer Baum­bestand befinde. „Nur dann wird man die Diskussion bestehen.“

Deutliche Worte fand auch Susanne Altmann, Vorsitzende der Baum-Allianz Augsburg, die seit Jahren den Schutz des städtischen Grüns begleitet. Ihr fehle bislang ein über­zeugendes Zukunfts­bild: „Ich möchte etwas haben, worauf ich als Augsburgerin stolz sein kann.“ Die Kommu­nikation rund um die Planungen sei ungut gestartet, weshalb sich auch eine Bürger­initia­tive zum Erhalt des Patienten­gartens gegründet habe.

Applaus des gesamten Saals erhielt schließlich Jörg Roehring. Er leitet die Stabs­stelle Inter­professio­nelle Klinikums-Entwicklung am Universi­täts­klinikum Augsburg, die medizin­strate­gische und organi­sa­torische Projekte des Hauses koordiniert. Er lobte den fachlichen Charakter der Ver­an­staltung: „Es ist die erste Ver­an­staltung, bei der nicht politisch, sondern fachlich diskutiert wird. Danke dafür!“

Für den neuen OB, der die Veranstaltung sichtlich konzen­triert von der ersten bis zur letzten Minute verfolgte, dürfte der Abend jedenfalls wertvolle Impulse geliefert haben. Die zentrale Erkenntnis zog sich wie ein roter Faden durch die Dis­kussion: Groß­projekte benötigen nicht nur Planung und Finan­zierung – sondern auch eine gut erzählte Geschichte, mit der sich die Bürger identi­fi­zieren können.

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