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Sonntag, 19.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Sozialpolitik

„Energiewende-Lüge“: AfD-Politiker kritisiert versteckte Strom­sub­ventionen

Der offizielle Strompreis für private Haus­halte in Deutsch­land pendelt sich 2026 bei durch­schnitt­lich 37,2 Cent pro Kilo­watt­stunde ein. Doch eine aktuelle Antwort der Bundes­regierung auf eine Anfrage des Augsburger Bundes­tags­ab­ge­ordneten Raimond Scheirich (AfD) wirft ein neues Licht auf diese Zahlen. Die Kern­botschaft: Ohne massive Milli­arden­sub­ventionen aus Steuer­mitteln läge der Preis in Wahrheit bei fast 50 Cent.

Von Bruno Stubenrauch

In der politischen Debatte um die Energie­kosten meldet sich Raimond Scheirich mit deut­licher Kritik zu Wort. Er spricht von einer „Energie­wende-Lüge“ und wirft der Bundes­regierung vor, die tat­säch­lichen Kosten der Energie­politik vor den Bürgern zu ver­schleiern. Eine detail­lierte Betrachtung der Zahlen gibt der Stoß­richtung seiner Argu­mentation recht: Der Strompreis, wie er auf der Rechnung erscheint, bildet die tat­säch­lichen System­kosten bei weitem nicht mehr ab.

Die 10-Cent-Lücke

Wie aus der Antwort der Bundes­regierung hervor­geht, die der DAZ vorliegt, werden zwei massive Kosten­blöcke künstlich vom Strom­zähler fern­gehalten und statt­dessen über den Bundes­haus­halt finanziert:

1. Die EEG-Umlage: Mit rund 5,95 Cent (inkl. Umsatzsteuer) pro Kilowatt­stunde schlägt die Herausnahme der Erneuer­bare-Energien-Umlage zu Buche. Mit der Umlage wird der Anlagenbau subventioniert.

2. Der Netzentgelt-Zuschuss: Um den massiven Netz­ausbau für dezen­trale Energien abzufedern, bezu­schusst der Bund die Über­tragungs­netz­entgelte im Jahr 2026 mit rund 4,52 Cent (brutto).

Rechnet man diese Posten zusammen, ergibt sich eine Diffe­renz von etwa 10,5 Cent pro Kilo­watt­stunde. „Die Kosten ver­schwinden nicht. Sie werden nur versteckt“, kritisiert Scheirich. In der Tat: Für einen Durch­schnitts­haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 kWh bedeutet dies eine „unsicht­bare“ Sub­vention von rund 367 Euro pro Jahr.

Milliarden aus dem Haushalt statt vom Stromzähler

Gesamtgesellschaftlich ist die Dimension gewaltig. Bei einem jähr­lichen Strom­verbrauch von ca. 500 Tera­watt­stunden in Deutsch­land ent­spricht die Quer­finan­zierung einer Summe von über 52 Milli­arden Euro. Das ist fast so viel wie der gesamte offizielle Verteidigungshaushalt Deutschlands.

Dieses Geld fließt primär aus dem durch die CO2-Abgabe gespeisten und durch eine Grund­gesetz­änderung um 100 Milli­arden Euro „Sonder­vermögen“ aufge­stockten Klima- und Trans­forma­tions­fonds (KTF) sowie allge­meinen Steuer­mitteln.

Kritiker wie Scheirich sehen darin eine wett­bewerbs­ver­zerrende Intrans­parenz. Während der Strompreis auf dem Papier sinkt, zahlt der Bürger die Differenz indirekt – etwa über die CO2-Abgabe auf Kraft­stoffe und Heizöl oder über seine Ein­kommensteuer.

Deutschland im Hochpreis-Abseits

Besonders brisant wird die Analyse im inter­natio­nalen Vergleich. Während Deutsch­land trotz der Milli­arden­zuschüsse bei etwa 37 Cent pro kWh verharrt, zahlen Haushalte in Frankreich lediglich zwischen 24 und 28 Cent, in Europa im Schnitt 28,7 Cent. Noch schlimmer sieht es im welt­weiten Vergleich aus: In den USA zahlen Haushalte im Schnitt nur etwa 16 bis 18 Cent/kWh, in Kanada und Australien 12 bis 22 Cent/kWh und in China stabil unter 10 Cent/kWh.

Scheirich führt dies auf eine „ideo­logische Sackgasse“ zurück, fordert mehr „Ehrlich­keit in der Energie­politik“ und eine Rückkehr zur Kern­energie, um die Grundlast sicher und bezahlbar zu decken.

Fazit für die Verbraucher

Für die Augsburger Haushalte bedeutet die aktuelle Politik zwar eine kurz­fristige Entlastung auf der monatlichen Abrechnung. Doch die Analyse der Regie­rungs­antwort zeigt deutlich: Der Preis für die Energie­wende ist weitaus höher, als es der Blick auf die Stromrechnung vermuten lässt.

Deutschland leistet sich eine massive Subven­tio­nierung des Strom­preises, um die Wett­bewerbs­fähigkeit der Industrie zu stützen und die Bürger bei den Lebens­haltungs­kosten zu entlasten. Ohne diese über 50 Milli­arden Euro pro Jahr wäre Strom in Deutsch­land kein „teures Gut“ mehr, sondern für viele Haushalte und Unter­nehmen kaum noch bezahlbar. Bei einer Voll­kosten­rechnung könnte die Energie­wende vor einer harten Bewährungs­probe in Sachen Zustimmung stehen.


Kommentar „Das ‚Gratis‘-Märchen“


© Raimond Scheirich

 
Raimond Scheirich, Jahrgang 1990, sitzt seit 2025 für die AfD im Deutschen Bundestag.

Er ist dort Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Das Gremium ist für alle Aspekte der Energiewende und die damit verbundenen Fragen des Klimaschutzes sowie für das Thema Energieeinsparung zuständig.

Scheirich ist Diplom-Umweltingenieur und hat zwei Studienabschlüsse: den der Geowissenschaften und der Ingenieurökologie, jeweils an der TU München.

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