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Donnerstag, 15.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Die Lustige Witwe: Spaß mit zu viel Schattenseiten

Es spricht gar nichts dagegen, bei einer Operette einfach Spaß zu haben und diesen auch an das Publikum zu vermitteln. Doch auch Spaß braucht einen doppelten Boden, den man bei der Inszenierung im Martinipark vergebens sucht.

Von Halrun Reinholz

Lustige Witwe: Vielfältigkeit durch Kostümwechseln © Jan-Pieter Fuhr

Dem heutigen Publikum Operetten zu vermitteln ist nicht leicht – zu klischeehaft kommen die Charaktere oft daher, zu rührselig die Musik aus einer vergangenen Zeit. Das Musical scheint den Nerv des Heutigen besser zu treffen. Und doch haben die Klassiker der Operette ihre Berechtigung, trägt die anspruchsvolle Musik die zeitlosen Gefühle von Liebesschmerz und Liebesglück. Operetten-Festspiele sind ein Beweis dafür. So manche Inszenierung versuchte die Übertragung in die Gegenwart, sorgen für überfrachtete Operetten mit zweifelhaften politischen Aussagen. 

Im Martinipark sieht das Publikum zu Beginn der Inszenierung Leute, die mit Koffern auf die Bühne streben, die in ein mit Brettern vernageltes Haus einzudringen versuchen. Flüchtlinge? Reisende? Nein, stellt sich heraus, sie wollen nur Party machen, die Baracke entpuppt sich als die Botschaft des Phantasielandes Pontevedrinien, in deren elegantem Salon-Ambiente vor allem gefeiert wird. Jede anständige verheiratete Frau hat ein Verhältnis und eine reiche Witwe lockt mit ihren 20 Millionen unverhohlen um sie buhlende Heiratskandidaten an. 

Franz Léhars Operette aus dem Jahr 1905 zeigt keine heile Welt des romantischen 19. Jahrhunderts, sondern die Endzeitstimmung des Fin de Siécle. Wie man heute weiß, drehte sich da schon die Spirale, die zu den politischen Verheerungen des 20. Jahrhunderts führen sollte. Ein Stoff, wie gemacht für eine Polit-Satire. Andrea Schwalbach greift die Steilvorlage jedoch nicht auf. Dem Tanz auf dem Vulkan fehlt das Feuer: Die lustige Witwe Hanna Glawari (in der besuchten Vorstellung Susann Vent-Wunderlich als Gast) hätte das Potenzial, ihre Macht auszunutzen, um die Dummheit der Männer Lügen zu strafen, stattdessen drückt sich ihre Vielfältigkeit vor allem in unzähligen Kostümwechseln aus. Nora-Johanna Gromer hat sich diese für die Inszenierung ausgedacht und dabei leider einen ausgesprochen schlechten Geschmack bewiesen – wenig kleidsam die Streifenmuster im 1970er-Jahre-Look, auch die Blümchenkleider der Hausherrin, Baronin Valencienne (Olena Sloia) lassen deren ohnehin sehr kindlich wirkende Erscheinung nicht wirklich souverän auftreten und betonen stattdessen ihr Image als dummes Weibchen.

Einzig bei deren Ehebruch-Szene mit Camille de Rosillon (Roman Poboinyi) im Pavillon blitzt ein satirisches Moment durch die Inszenierung, das aber schnell in flachen Slapstick abgleitet. Die dankbarste Rolle fällt Gerhard Werlitz als Njegus zu, der sein komödiantisches Talent als pausenlos die Situation rettender guter Geist entfalten kann. Graf Danilo (Alejandro Marco-Buhrmester), der Berufsdiplomat im Dilemma seiner echten Gefühle für die ehemalige Geliebte Hanna, kann den Spagat zu seiner Dauerpräsenz bei den Grisetten des „Maxim“ auch nicht überzeugend vermitteln. Die Zuschauer werden immer mit neuen optischen Eindrücken und Ideen konfrontiert („Männerballett“ mit BH-Deko, Grisetten mit Unterröcken in der französischen Trikolore, die Damen mit Lockenwicklern als „Klatschbasen“), die für sich ganz nett sind, aber keine stringente  Linie zeigen.

Selbst das Bühnenbild kann sich nicht entscheiden zwischen großzügigem Glamour und verschachtelten Guckkasten-Elementen, die die ohnehin kleine Bühne im Martinipark noch zusätzlich verstellen. Ein Genuss ist der Operettenabend im Martinipark trotz dieser Dämpfer dennoch, denn Lehars Operettenmelodien hat Domonkos Héja mit den Augsburger Philharmonikern genauso im Griff wie die Sängerinnen und Sänger ihre Gesangspartien. Klassiker wie „Heut geh ich ins Maxim“ oder der Liebeswalzer „Lippen schweigen“ verfehlten ihre Wirkung auf das Publikum nicht. Man hätte sich dem Schmelz gerne ein bisschen mehr hingegeben, denn es spricht gar nichts gegen Operette, wenn sie klug und hintersinnig, witzig und frech gemacht ist. Diese Inszenierung hat das Ziel nicht überzeugend erreicht.

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