DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 23.09.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

MUSIK

Fidelio konzertant: Benefiz-Gala für die Theatersanierung

Die Theatersanierung zu unterstützen ist das Anliegen vieler kulturinteressierter Augsburger Bürger. Die Benefiz-Gala im Kongress am Park führte bei „Fidelio“ wieder hochkarätige Künstler auf die Augsburger Kongresshallen-Bühne.

Von Halrun Reinholz

Wilhelm F. Walz – Foto: © Herbert-Gairhos

Wilhelm Walz ist den Augsburgern vor allem wegen der „Konzerte im Fronhof“ bekannt, wo er alljährlich mit Musikern der SUK-Symphony Prag für unvergessliche musikalische Erlebnisse im Freiluftambiente des Fronhofs sorgt. Diese Musiker holte er nun auch in den Kongress am Park zu einer konzertanten Aufführung von Beethovens Oper „Fidelio“, deren Erlös die Theatersanierung unterstützen und in diesem Fall speziell die Anschaffung eines Konzertflügels für den neuen Orchester-Probenraum ermöglichen sollte. Für die Benefizveranstaltung konnte er Gerhard Siegel gewinnen, den in Augsburg lebenden Star-Tenor, der bereits ein Benefizkonzert für die Theatersanierung mit der konzertant aufgeführten „Walküre“ veranstaltet hatte. 

Prominente Kollegen Siegels schlossen sich wieder an und ließen die Aufführung zu einem denkwürdigen Klangerlebnis werden. Siegel selbst gab den Florestan. Als Jaquino war der isländische Tenor Sven Hjörleifsson mit von der Partie. Marie Heeschen sang die Partie der Marzelline. Andreas Macco glänzte in der Rolle des Gefängniswärters Rocco, dem Südkoreaner Young Kwan war die Schurkenrolle des Don Pizarro vorbehalten und dem Bariton Henryk Böhm der Part des Don Fernando. 

Herausragend – und vom Publikum entsprechend gefeiert – zeigte sich jedoch die Titelheldin Leonore, gesungen von der tschechischen Sopranistin Katerina Hebelkova. Die Chorpartien wurden von den Augsburger Domsingknaben übernommen, zuerst in kleiner Formation und mit den ambitionierten Solisten Julian Hohbauer (Tenor) und Michael Stark (Bass). Im zweiten Teil dann als kompletter Chor, auch mit Sopran- und Alt-Stimmen. Reinhard Kammler hatte die Partien in bewährter Manier mit den Buben einstudiert. 

Der in jeder Hinsicht rührige und wie gewohnt sehr bewegungsfreudige Wilhelm Walz hatte als Dirigent alle Beteiligten gut im Griff. Für den dramaturgischen Ablauf sorgte Jacques Malan, ehemals Schauspieler am Augsburger Theater, der das Geschehen eindringlich kommentierte. Ein großer, eindrücklicher Konzertabend, für den der bayerische Ministerpräsident die Schirmherrschaft übernommen hatte und eine ganze Reihe namhafter Firmen als Sponsoren zeichneten. Einziger Wermutstropfen war, dass das Augsburger Publikum das Angebot etwas verhalten nutzte. Ob es an dem Termin lag, der sich mit anderen wichtigen Veranstaltungen in der Stadt überschnitt, oder am Programmangebot – hätte es am Totensonntag vielleicht lieber ein Requiem geben sollen? – ist nicht auszumachen. Das Engagement der Veranstalter und vor allem auch der Künstler hätte mehr Würdigung verdient.

Die Anwesenden hatten das Glück, einen wunderbaren, herausragenden Konzertabend zu genießen und dabei noch zur Unterstützung des Theaters beigetragen zu haben. Bleibt zu hoffen, dass es in den nächsten Jahren dennoch weitere Benefizgalas zugunsten des Theaters geben wird – eine Hoffnung, die auch Intendant André Bücker in seiner Anmoderation äußerte.