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Montag, 01.08.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Politischer Frühschoppen in Lechhausen: nichts Neues von der SPD

300 Gäste folgten gestern der Einladung der SPD zum politischen Frühschoppen ins Festzelt auf der Lechhauser Kirchweih. Als Hauptredner angekündigt war Deutschlands jüngster Bürgermeister, der SPD-Politiker Michael Adam aus Bodenmais.

In wenigen Minuten werde der Gast aus dem Bayerischen Wald eintreffen, so der Dirigent der Blaskapelle Lechhausen nach dem musikalischen Auftakt, bevor Hans Blöchl ans Mikrophon trat und den Zeltgästen die schlechte Nachricht überbrachte: Michael Adam sei erkrankt. Ins enttäuschte „Oh“ des Publikums verkündete Blöchl die gute Nachricht: „Sie werden trotzdem einiges Neues erfahren und wir werden Redner haben, die Ihnen auch ein bissel Vergnügen bereiten.“

In einer typischen Bierzeltrede rechnete Blöchl, der seit 35 Jahren SPD-Mitglied ist, anschließend mit der kompletten Referentenriege der Stadtregierung ab. Walter Böhm sei „ein guter Polizist, aber die Maxstraße war sein Schicksal“. Für den Umweltrefenten hatte er einen Tipp zum Umgang mit dem Energieriesen E.ON parat: „Herr Schaal, da müssen Sie Ihren Janker aber festhalten, wenn Sie demnächst über das neue Kraftwerk mitten im Siebentischwald verhandeln“. Kultur- und Sportreferent Grab geriet wegen des Projekts ku.spo ins Visier: „Viele Veranstaltungen mussten wegen Überfüllung abgesagt werden“, so Hans Blöchl.

Wenig Redelust

v.l.: Hans Blöchl, Stadtrat Dr. Stefan Kiefer, Heinz Paula (MdB), Gastgeberin Petra Held, Stadträtin Sieglinde Wisniewski, Harald Güller (MdL)

v.l.: Hans Blöchl, Stadtrat Dr. Stefan Kiefer, Heinz Paula (MdB), Gastgeberin Petra Held, Stadträtin Sieglinde Wisniewski, Harald Güller (MdL)


Trotz Blöchls Ankündigung weiterer Reden und der Anwesenheit zahlreicher Politprominenz trat nur noch Harald Güller ans Pult. Auch in Güllers Rede gab es kaum etwas zur SPD, sondern hauptsächlich zum politischen Gegner zu hören. Der SPD-Landtagsabgeordnete setzte sich mit der Landes- und Bundespolitik auseinander und widmete sich insbesondere dem druckfrischen Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP. Besonders enttäuscht zeigte sich Güller bezüglich nicht umgesetzter Versprechen zum Nahverkehr. Horst Seehofer habe noch vor wenigen Wochen versichert, eine parteiübergreifend verabschiedete Resolution zum Regio-Schienen-Takt zur „zentralen bayerischen Forderung“ bei den Koalitionsverhandlungen zu machen. Nun werde mit Peter Ramsauer „ein CSU-ler Bundesverkehrsminister“ und die CSU habe „mit Horst Seehofer ‚den Koalitionsvertrag ganz hervorragend verhandelt‘, aber ich habe im Vertrag nichts von dritten Gleisen, nichts vom Nahverkehr in Augsburg gelesen“, so Güller.

Harald Güller ging auch kurz auf den verhinderten Gastredner Michael Adam ein. Der 23jährige Adam hatte, obwohl „jung und bekennend schwul“, im Mai 2008 der CSU im tiefsten Bayerischen Wald das Bürgermeisteramt abgenommen. Eines könne die SPD daraus lernen, so Güller: „Dass man gewählt wird, wenn einem die Leute etwas zutrauen.“ Gestern vermittelten die Augsburger Genossen freilich den Eindruck, als ob sie sich selbst nichts zutrauen.

» Regio-Schienen-Takt: „Eine zentrale bayerische Forderung bei den Koalitionsverhandlungen“