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Mittwoch, 08.06.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Nachruf

Helmut Meyer ist tot

Helmut „Jean Paul“ Meyer ist tot

Helmut Meyer © DAZ

Mitte der achtziger Jahre erhielt er den Literaturpreis der Stadt Gersthofen für seinen Gedichtband „Lichtflossen“. Danach folgte wenig. Wenn man von dem handgeschriebenen Theaterstück „Trumpelstilzchen“ absieht, in dem Helmut Meyer den damals amtierenden US-Präsidenten Donald Trump auf die Hörner nahm, eigentlich nichts. Trumpelstilzchen wurde im Februar 2020 von Arno Löb und Heinz Schulan in der Lechhauser Projektschmiede in Szene gesetzt.

Helmut Meyer kam zur Premiere viel zu spät im zweiten Akt, sagte etwas Unverständliches und schlief wenig später ein. Es ging ihm bereits länger nicht gut. Nach der gefeierten Aufführung diktierte er der Kritikerin der Augsburger Allgemeinen in den Block, dass er sein eigenes Stück nicht mehr erkannt hatte. Helmut Meyer kam zu Beginn der Achtziger aus der fränkischen Provinz nach Augsburg – und blieb. Er war einer der letzten Stadt-Flaneure, lebte vierzig Jahre in Oberhausen-Nord und war ein hochbegabter Schriftsteller, der zwar schrieb, aber nicht veröffentlichte. Ein Romanträumer, dessen großer Wurf „Die Bademeister“ mehr als 1000 Seiten umfasste – handgeschrieben und kaum leserlich. Wenn man ihn gutgelaunt antraf, war er gern bereit davon zu erzählen. Helmut Mayer (Jahrgang 44), den alle nur „Jean Paul“ nannten, war ein großer Geschichtenerzähler. Helmut Meyer starb heute Abend in der Augsburger Universitätsklinik an den Folgen eines Schlaganfalls.