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Donnerstag, 21.03.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

FCA: Ohne Risikobereitschaft wird man die Klasse nicht halten können

In einer aus Augsburger Sicht trostlosen Partie startete der FCA in Freiburg mit einer 0:1 Niederlage beim Tabellenletzten in die Rückrunde der Fußballbundesliga. Mit der bisher schlechtesten Saisonleistung stehen die Augsburger nach dem 18. Spieltag jetzt erneut am Tabellenende. Gelingt dem FCA noch der Kampf gegen den Abstieg?

Von Horst Thieme



Ein 6-Punkte-Spiel, das keines der beiden Mannschaften am Ende der Tabelle verschenken wollte – und für Augsburg eine der wenigen sogenannten sicheren Chancen, sich von den letzten Tabellenplätzen nach oben zu arbeiten. Die Hoffnung auf einen Sieg gegen den SC Freiburg war schon in der Hinrunde beim Auftaktspiel des FCA in die erste Liga groß. Aber damals hatte es ja in im ersten Bundesligaheimspiel zu einem Unentschieden (2:2) gereicht. Nun, nach der Winterpause, war die Hoffnung auf mehr, aufgrund einer erholten Mannschaft und einer sinnvoll genutzten Vorbereitungszeit des FCA, bestimmt nicht ungerechtfertigt. 1.000 angereiste Augsburger Fans peitschten die Heimmannschaft im Freiburger MAGE Solar Stadium an, das insgesamt mit 19.600 Zuschauern besetzt war und eine tolle Stimmung bot.

Freiburg ist nach einer für sie turbulenten Winterpause mit einer jungen Mannschaft ohne große Prominenz, dafür aber mit einem neuen Trainer aufgelaufen: Christian Streich, frisch vom Co- zum Cheftrainer aufgerückt, muss den dramatischen Blutverlust der Mannschaft kompensieren: Sieben Spieler der Hinrunde verließen das Team, darunter Spitzenmann Papiss Demba Cissé, dessen Wechsel nach Newcastle die Breisgauer auch sportlich deutlich spüren.

Ein düsteres Vorzeichen beim Testspiel gegen Fürth

Augsburg dagegen kam ohne große Veränderungen aus der Winterpause. Gegen die Politik der ruhigen Hand des Trainers Jos Luhukay konnte nicht einmal das verlorene Testspiel gegen Zweitligisten Fürth etwas ausrichten; gerade im Nachhinein zu der Begegnung mit Freiburg ein düsteres Vorzeichen. In der Spitze wieder Mölders unterstützt vom fleißigen Werner, den man im Spielverlauf sowohl im Sturm als auch in der Abwehr finden konnte, sowie den tapfer kämpfenden Hosogai mit Sinkala, Baier und Oehrl – auf Davids wurde im defensiven Mittelfeld verzichtet. Die Abwehr wurde behutsam umgestaltet: Statt Stammspieler Sankoh dieses Mal Verhaegh, de Jong, Callsen-Bracker und Langkamp. Große Freunde, dass der hünenhafte Simon Jentzsch wieder zurück im Kasten ist!

Freiburg von Anfang an dominant

In den ersten Minuten der ersten Halbzeit präsentierten sich zwei schnelle Mannschaften, die sich gegenseitig unter Druck setzten. Freiburg mit leichter Überlegenheit, doch auch Augsburg hatte spätestens in der 12. Minute mit Torsten Oehrl und einem Kopfball nach einer Ecke eine echte Torchance. Schöner Fußball? Nein, aber es ist einleuchtend, das dieses Duell im Keller der ersten Liga nun einmal geografisch wie auch ästhetisch näher an der zweiten Bundesliga angesiedelt ist.

Eindeutig hatte der Sportclub die meisten Torchancen, wusste sie jedoch regelmäßig in letzter Sekunde zu verspielen. Tragisch dabei besonders Putsila, der auch in seinem bislang 43. Bundeslia-Spiel wieder keine einzige Torchance verwandeln konnte. Selbst alleine vor dem Augsburger Tor stehend konnte er die Kugel nicht versenken (17. Minute) – Grund war sein schlechtes Timing, dass die Augsburger Abwehr zu ihrem Vorteil nutzen konnte. Solche Szenen sollten im Verlauf des Spieles noch öfters zu sehen sein.

Doch – ob es an der nachlassenden Kraft lag oder an Einfallslosigkeit – ab der zwanzigsten Minute gab es auf beiden Seiten nur noch Geplänkel im Mittelfeld und maximal harmlose Szenen zu sehen. Hinzu kamen krasse Fehlpässe und kraft- und saftlose Torversuche auf beiden Seiten. Da war Augsburg schon einmal weiter – was ist nur in der Weihnachtspause passiert?

Es schien, als ob die beiden Mannschaften sich nun erst abtasten wollten, um dann im Konter nach vorne preschen zu können, sobald die Gelegenheit sich bieten sollte. Dabei eindeutig Freiburg dominanter als die Augsburger – doch letztere mauerten nach hinten und wurschtelten sich ohne bemerkenswerte Szenen in der Offensive in die zweite Halbzeit. Torwart Jentzsch, der nach seiner Verletzungspause endlich wieder auf dem Platz stand, hatte einiges zu tun und sicherte das Nullnull bis zur Pause.

FCA präsentiert sich in der zweiten Halbzeit als Abstiegskandidat

In die zweiten Spielhälfte kamen beide Teams personell unverändert zurück. Das Freiburger Team schien jedoch eine Motivationsansprache gehört zu haben. Sie kämpften verbissen um jeden Meter und setzen Augsburg nun sukzessive unter Druck. Augsburg eigentlich nur noch im Rückwärtsgang. Auch das Auswechseln von Baier und Werner durch Stephan Hain und Marcel Ndjeng konnte in der 58. Minute kein offensiveres Spiel erzwingen. Augsburg blieb ohne Torchance dafür hatte Kastenwart Jentzsch immer mehr zu tun. In wenigen Minuten ballerten Daniel Caligiuri in der 69. Minute nach einem Freistoß neben das Augsburger Tor, dann nur eine Minute später Cedric Makiadi mit einem Kopfball über den Kasten. Jonathan Schmid folgte mit einem scharfen Schuss neben den Kasten in der 73. Minute und auch der frisch eingewechselte Stefan Reisinger forderte den FCA-Keeper noch einmal in der 76. Minute. Eine erdrückende Überlegenheit der Freiburger. Die erste Torchance für Augsburg kam durch Reinhardt in der 82. Minute, die aber haushoch über das Tor ging und an der Anzeigetafel abprallte. Das konnte natürlich nicht gut gehen. Es folgte ein unberechtigter Freistoß in der 88. Minute. Der gerade 18 Jahre alt gewordene Matthias Ginter köpfte unhaltbar für Jentzsch ein. Dabei blieb es. Bitter, aber die Konsequenz aus der schwachen Leistung der Augsburger insbesondere in der zweiten Hälfte.

Augsburg hat die Chance verpasst, sich in Freiburg die ach so notwendigen drei Punkte abzuholen. Luhukay ist zu raten, seine Mannschaft offensiver auszurichten. Doch mit wem? Das Transferfenster der Winterzeit ist noch nicht geschlossen und vielleicht wird die FCA-Spitze hier noch investieren. Schon wieder endete ein Spiel der Augsburger mit dem lauen Gefühl, dass dem Trainer bereits ein Unentschieden gereicht hätte. Ohne Mut und Risikobereitschaft wird man die Klasse nicht halten können.

FCA: S. Jentzsch; – P. Verhaegh; J. Callsen-Bracker; S. Langkamp; M. de Jong; – H. Hosogai; A. Sinkala; D. Baier; T. Werner; T. Oehrl; – S. Mölders.

Eingewechselt: D. Reinhardt (77.); M. Ndjeng (58.); S. Hain (58.).

Ausgewechselt: M. de Jong (77.); D. Baier (58.); T. Werner (58.).

Auswechselbank: I. Gelios (TW); G. Sankoh; L. Davids; D. Brinkmann.

Tore: 0:1 Matthias Ginter (88.).

Der Autor



Horst Thieme moderiert den Poetry Slam (Foto: Simon Schwager)

Horst Thieme moderiert den Poetry Slam (Foto: Simon Schwager)


Sport und Kultur zusammen zu bekommen – daran scheitern viele. In Augsburg ist dieses Scheitern ein programmatischer Bestandteil der Kulturpolitik. Für DAZ-Gastautor Horst Thieme macht ebenfalls „in Kultur und Sport“, ihm gelingt das allerdings seit einer gefühlten Ewigkeit spielerisch. Der Literaturveranstalter organisiert und moderiert seit 14 Jahren „Lauschangriff“, Augsburgs Poetry Slam und sorgt somit für sportlichen Wettkampf im Literaturbetrieb. Geboren und aufgewachsen in München hat Horst Thieme den FC Bayern in seiner DNA. Zum FCA haben ihn dann öfters mal „unter Protest Freunde mitgenommen“. Nicht ohne Wirkung: Seit einem Jahr ist Thieme FCA-Mitglied und im Besitz einer Dauerkarte.


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