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Samstag, 24.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA am Abgrund

Am heutigen Freitagabend ist in der siebten Runde der Fußballbundesliga der SV Werder Bremen in Augsburg zu Gast (20.30). Die Bremer können in Bestbesetzung antreten, während der FCA noch nicht einmal eine Vorstellung davon entwickelt hat, wie seine Bestbesetzung aussehen könnte.

Nach sechs Auftritten in seiner zweiten Saison im Oberhaus sind die Probleme des FC Augsburg schnell skizziert: vorne ohne Durchschlagskraft, in der Mitte zu statisch und hinten sehr fehleranfällig. Eine trostlose Diagnose, die sich vermutlich nach dem heutigen Flutlichtspiel fortschreiben lässt. Mit Andreas Ottl wurde ein Spieler verpflichtet, der den Augsburgern in der Ersten Liga nicht weiterhelfen kann. Mit Aristide Bance, Giovanni Sio, Knowledge Musona wurden Spieler verpflichtet, die in ihren Klubs nicht erste Wahl waren und ohne Wettkampfpraxis alle ein wenig ungelenk in der Spielentfaltung wirken. Für Jan Moravek gilt das Gleiche – nur schlimmer. Moravek war lange verletzt. Die Neuen sollen Integrationsprobleme haben und unter den Alten sollen einige vor sich hin muffeln, weil sie nicht wechseln durften (Langkamp und Verhaegh). Einer der begabtesten Innenverteidiger Deutschlands, Gibril Sankoh hat mit seinen spektakulären Fehlpässen vor dem eigenen Strafraum eine landläufige These unterstrichen: Fußball ist Kopfsache. Womit wir beim Trainer Markus Weinzierl angekommen sind. Das Klima in der Mannschaft stimmt nicht, die Mannschaft funktioniert nicht: Jeder Spieler scheint eine Insel zu sein. Es ist kein Teamspirit erkennbar und es ist nicht zu erkennen, was Weinzierl will.

Über den Kampf zum Spiel finden

Markus Weinzierls Aufgabe beim aktuellen FCA ist zwar weitaus komplexer als zu jener Zeit, als der FCA von Jos Luhukay trainiert wurde, doch von einem Trainer der Ersten Bundesliga sollte man erwarten dürfen, dass er in der Lage ist, eine Mannschaft zu kreieren. Unter Luhukay galt bei jedem Spiel derselbe Spruch: Volle Pulle über den Kampf zum Spiel finden. Wenn es nicht funktionierte, dann lag es an der Qualität der Gegner. In der Nachbetrachtung könnte man meinen, dass die sportliche Aufgabenstellung dem Sprachvermögen des damaligen Cheftrainers angepasst wurde. Dem FCA stehen in diesem Jahr bessere Spieler zur Verfügung als in der Vorsaison und trotzdem muss man festhalten, dass mit Torsten Oehrl und Tobias Werner zwei Spieler aktuell zur ersten Garde gehören, die bereits in der Vorsaison – na ja – nicht unbedingt zu den Glanznummern der Mannschaft zählten. Festzuhalten ist darüber hinaus – es mag paradox klingen – dass der FCA im Schnitt bisher besser spielte als in den ersten sechs Spielen der Vorsaison. Damals fand sich die Mannschaft in der Rolle des Outlaws, heute zeichnet sich nichts anderes als Ratlosigkeit ab. Der FCA steht am Abgrund – und damit ist nicht nur der Tabellenstand gemeint. Den Bremern kann das egal sein: Werder-Trainer Thomas Schaaf will Anschluss an die Spitze halten. Alles andere als ein Sieg wäre dafür untauglich.