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Samstag, 25.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Bürgerbegehren gegen Theatersanierung gestartet

Fast ein Jahr haben sie es ausgebrütet, nun ist es in der Welt. Die Bürger sollen nun entscheiden, auf welche Weise das Augsburger Stadttheater saniert werden soll. Das wird von der politischen Kaste als Sturm auf eine der Grundsäulen der bundesrepublikanischen Wirklichkeit empfunden. Das Bürgerbegehren gegen die geplante Theatersanierung in Augsburg fordert eine neue Herangehensweise an ein Phänomen, das sich unter dem Namen „Stadttheater“ in die Neuzeit gerettet hat und die Haushalte der Kommunen über Gebühr strapaziert.



Von Siegfried Zagler


Es könnte leicht sein, dass die Initiatoren des Augsburger Begehrens Geschichte schreiben. Voraussetzung dafür ist allerdings ein Diskurs, der zu ihrem Anliegen gehören sollte, wie die Butter zum Brot. Ein Diskurs darüber, wie mittelgroße Städte mit dem „Vermächtnis Stadttheater“ umgehen sollen. Das Prinzip „Stadttheater“ tritt schon lange auf der Stelle: zu hoch sind die Kosten im Verhältnis dazu, was sie als Kultureinrichtung für eine Stadtgesellschaft leisten. Die Stadt Augsburg hat sich vorgenommen, die Sanierung ihres Stadttheaters ausschließlich mit der Aufnahme neuer Schulden zu finanzieren.

Das klingt für viele trotz der hohen Zuschüsse wie eine Provokation. Haushaltspolitiker wie Kulturschaffende kritisierten oft im Verborgenen, dass die Politik den Ansprüchen des Theaters folgt – wie die Dinge der Schwerkraft. Ein Stadttheater gehört nicht zu den Pflichtaufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge. Die Bürger sollen nun entscheiden, auf welche Weise das Augsburger Stadttheater saniert werden soll. Für die Stadtregierung bedeutet das eine Zumutung: Lange und erfolgreich hat aus ihrer Sicht Oberbürgermeister Kurt Gribl mit dem Freistaat verhandelt. Zu einem Staatstheater hat der diskrete Verhandlungsmarathon im Sommer 2015 zwar nicht geführt, aber zu einer Förderung der Sanierungsmaßnahme in der Höhe von 107 Millionen Euro, was nichts daran ändert, so die Initiatoren, dass sich die Stadt aufgrund ihrer finanziellen Situation die Restsumme von zirka 90 Millionen Euro nicht leisten könne. Der Protest kommt aus der Mitte der Bürgerschaft und ist gut organisiert. Kurt Idrizovic, Angelika Lippert, Peter Bommas, Dr. Helmut Gier, Franz Fischer und Rudolf Reisch sind angesehene Bürger der Stadt mit den unterschiedlichsten Biografien, alle sind bekannt und in ihren Szenen hervorragend vernetzt. Und alle sind in einem Alter, in dem man sich nicht der bloßen Rauferei willen mit einer Stadtregierung anlegt. Sie mögen für die Mehrheit des Augsburger Stadtrates frei nach Quentin Tarantino „The Hateful 6“ sein, für die Mehrheit der Augsburger Bürgerschaft könnten sie in wenigen Monaten einen Heldenstatus annehmen. Da sie aktuell nicht viel mehr fordern, als dass über den Fortgang dieses wegweisenden Projekts die Bürger entscheiden sollen, soll an dieser Stelle nicht viel mehr über den Start eines Bürgerbegehrens gesagt sein: Morgen sind die „Hateful 6“ mit ihren Unterschriftenlisten hinter einem Informationsstand  in der Annastraße anzutreffen.