Verzögerungen: BUND Naturschutz fordert Kurswechsel bei Uniklinik
Die Bayerische Staatsregierung rechnet bei der Fertigstellung des Uniklinik-Neubaus mit erheblichen Verzögerungen. Der BUND Naturschutz fordert angesichts des neuen Zeitplans eine ergebnisoffene Prüfung der bisher verworfenen Ost-Alternative.
Von Bruno Stubenrauch
Wird bald 50 Jahre alt: Park südwestlich des alten Klinikums
Die Planungen für den milliardenschweren Neubau der Uniklinik Augsburg (UKA) stehen vor einer deutlichen zeitlichen Verschiebung. Wie die Bayerische Staatsregierung mitteilte, wird eine Fertigstellung des medizinischen Großprojekts mittlerweile erst für die Jahre 2040 bis 2043 prognostiziert. Bei vorangegangenen Informationsveranstaltungen im vergangenen Jahr war den Bürgerinnen und Bürgern noch das Jahr 2038 als Zielmarke in Aussicht gestellt worden.
Hauptargument für West-Bebauung entfällt
Nach Auffassung der Augsburger Kreisgruppe des BUND Naturschutz verliert das bisherige Hauptargument für die umstrittene Bebauung des Klinikparks im Westen damit seine planerische Grundlage. Bislang hatten die Projektverantwortlichen stets betont, dass ausschließlich die sogenannte Westlösung einen zügigen Ersatz des sanierungsbedürftigen Hauptgebäudes gewährleisten könne. Der Vorsitzende Peter Roth warnt vor einer vorzeitigen Festlegung der politischen Entscheider im laufenden Bebauungsplanverfahren.
Die Umweltschützer verweisen in diesem Zusammenhang auf historische Parallelen bei städtischen Bauvorhaben. So sollte der Anbau West der Uniklinik statt der geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2018 erst im Frühjahr 2026 eingeweiht werden. Die Kosten stiegen dabei von rund 106 auf knapp 190 Millionen Euro.
Ökologische Vorteile einer Ostlösung
Durch das deutlich erweiterte Zeitfenster rückt die politisch diskutierte Alternative im Baufeld Ost wieder in den Fokus. Diese Standortvariante wird neben dem Naturschutzverband auch vom Landkreis Augsburg und der Nachbarstadt Neusäß favorisiert. Ein Neubau auf den östlichen Flächen würde zwar eine aufwändigere Verlagerung bestehender Infrastrukturen erfordern, dafür jedoch den ökologisch wertvollen Parkcharakter des Gesamtareals unangetastet lassen.
Besonders vor dem Hintergrund aktueller Extremwetterereignisse mit Temperaturen von lokal über 40 Grad sei der Erhalt des alten Baumbestands von eminenter Bedeutung für das lokale Stadtklima. Für das geplante Baufeld West müssten hingegen mehr als 1.300 Bäume gerodet werden.
Kritik an voreiligem Architektenwettbewerb
Auf Unverständnis stößt beim BUND Naturschutz der Umstand, dass bereits gegenwärtig ein Architektenwettbewerb vorbereitet wird, der sich exklusiv auf das westliche Baufeld beschränkt. Ein solches Vorgehen ignoriere die Ergebnisse der gesetzlich vorgeschriebenen Bürgerbeteiligung und berge das Risiko massiver Fehlplanungen und rechtlichen Unsicherheiten.
Die Naturschutzorganisation appelliert deshalb an die Abgeordneten des Bayerischen Landtags und die Planungsbehörden der Stadt Augsburg, die veränderte Gesamtlage für einen geordneten Ausstieg aus der Westplanung zu nutzen. Im kommenden Jahr feiert der Klinikpark sein 50-jähriges Bestehen.
