MAN-Brücke: Untersuchungsergebnis erst im November
Wegen vermuteter Mängel am Spannstahl müssen Autofahrer auf der MAN-Brücke seit August mit Verkehrsbeschränkungen leben. Im Bauausschuss stellte das Mobilitäts- und Tiefbauamt am Donnerstag den aktuellen Stand vor: Die vertiefenden Untersuchungen werden erst im November vorliegen. Zugleich sieht die Stadt nach derzeitiger Einschätzung keine Gefahr eines plötzlichen Versagens.
Von Bruno Stubenrauch
Soll aufgehoben werden: Breitenbeschränkung auf 2,1 Meter. Die Beschränkung auf Tempo 30 und 3,5 to Gewicht bleibt (Bild: DAZ)Die MAN-Brücke über den Lech wurde 1968 als Spannbetonbauwerk errichtet und ist rund 150 Meter lang. Sie besteht aus zwei getrennten Überbauten. Bei den routinemäßigen Kontrollen im Sommer erhielt der nördliche Überbau die Zustandsnote 2,7 auf einer Skala von 1 bis 4, der südliche die Note 3,4. Nach Angaben von Dr. Gunther Höhnberg, Leiter des Mobilitäts- und Tiefbauamtes, wird es ab der Note 3 kritisch und es sind genauere Untersuchungen erforderlich.
Spannstahl wird genauer untersucht
Diese Untersuchungen sollen nun von externen Fachleuten vorgenommen werden. Dafür werden an der Brücke sogenannte Fenster angelegt, um die betroffenen Bereiche direkt in Augenschein nehmen zu können. Soweit möglich, sollen zusätzlich Proben entnommen werden.
Anders als zunächst angekündigt werden die Ergebnisse nicht bereits im Oktober vorliegen. Nach der Information im Bauausschuss ist mit den Gutachten erst im November 2026 zu rechnen.
Hintergrund der Untersuchungen sind vermutete Schäden am Spannstahl des stadtauswärts führenden Überbaus. Bei der MAN-Brücke liegen die Spannstähle in Hüllrohren. Nach Angaben des Mobilitäts- und Tiefbauamtes beträgt der Innendurchmesser dieser Rohre lediglich sechs Millimeter mehr als der Durchmesser des Spannstahls.
Damit verbleibt zwischen Stahl und Hüllrohr nur ein Zwischenraum von rund drei Millimetern, der beim Bau mit flüssigem Mörtel als Korrosionsschutz verpresst wurde. Nach Einschätzung der Stadt besteht dadurch die Möglichkeit, dass beim Verpressen Hohlräume entstanden sind. Dies kann wiederum die Korrosion des Spannstahls begünstigen.
Entwässerung als weitere Schwachstelle
Eine weitere mögliche Ursache für Korrosion liegt bei der Entwässerung der Brücke. Die Entwässerungsleitungen verlaufen teilweise unmittelbar neben den Spanngliedern. Werden diese Leitungen undicht, kann Tausalz in die Konstruktion eindringen.
Zunächst können dadurch die Hüllrohre angegriffen werden. Wo Hohlräume vorhanden sind, kann die Korrosion schließlich auch den Spannstahl erreichen. Wie stark dieser tatsächlich geschädigt ist, sollen die jetzt vorgesehenen Untersuchungen klären.
Trotz der festgestellten Schäden sieht die Stadt die Konstruktion nach derzeitiger Einschätzung nicht als akut einsturzgefährdet an. Höhnberg bezeichnete die MAN-Brücke im Bauausschuss als „gutmütige Konstruktion“.
Keine Gefahr eines plötzlichen Versagens
Ein wesentlicher Grund dafür sei, dass der Spannstahl bei der ursprünglichen Bemessung nicht bis an seine Belastungsgrenze ausgereizt worden sei. Zudem sei bei der MAN-Brücke eine einfachere Stahlsorte verwendet worden, bei der keine Gefahr einer Spannungsrisskorrosion bestehe.
Nach der derzeitigen Einschätzung des Mobilitäts- und Tiefbauamtes besteht deshalb keine Gefahr eines plötzlichen Versagens der Brücke. Die vertiefenden Untersuchungen sollen dennoch klären, wie weit die Schäden tatsächlich reichen und welcher Zustand der Spannstähle vorliegt.
Unabhängig vom aktuellen Schadensbild stellt sich für die Stadt allerdings eine grundsätzliche Frage: Wie lange kann die MAN-Brücke noch betrieben werden? Bei Brücken dieser Bauart wird allgemein von einer Lebensdauer von etwa 60 bis 80 Jahren ausgegangen. Die 60 Jahre hat die MAN-Brücke mit ihrem Baujahr 1968 nahezu erreicht.
Damit dürfte sich die Stadt unabhängig vom Ergebnis der aktuellen Untersuchungen früher oder später mit einer Erneuerung des Bauwerks beschäftigen müssen.
Breitenbeschränkung soll wieder entfallen
Eine unmittelbare Änderung gibt es demnächst bei den derzeitigen Verkehrsbeschränkungen. Die seit dem 25. August geltende Begrenzung der Fahrzeugbreite auf 2,10 Meter stadtauswärts (DAZ berichtete) soll wieder aufgehoben werden. Damit können künftig auch breitere Pkw wieder über den betroffenen Überbau fahren. Höhnberg nannte im Bauausschuss beispielhaft einen 5er-BMW und einen VW Passat. Bestehen bleibt dagegen die Beschränkung des zulässigen Gesamtgewichts auf 3,5 Tonnen.




