Wanderfalken hautnah: Brut am Afraturm im Livestream
Hoch über den Dächern Augsburgs, an der Spitze des Afraturms der Basilika St. Ulrich und Afra, brütet seit rund einer Woche ein Wanderfalkenpaar. Eine Live-Kamera ermöglicht es, dieses seltene Naturschauspiel unmittelbar zu verfolgen – von der Bebrütung der Eier über das Schlüpfen der Küken bis hin zu deren ersten Flugversuchen. Der Nachwuchs wird für Mitte Mai erwartet.
Von Bruno Stubenrauch
Seit mehreren Jahrzehnten sind Wanderfalken am Ulrichsturm heimisch. Der heutige Horst geht vermutlich auf eine Turmsanierung in den 1980er Jahren zurück – eine Zeit, in der die Greifvögel in Deutschland als stark gefährdet galten. Ihre Ansiedlung war damals ein gezielter Beitrag zum Artenschutz.
Kamera ermöglicht Einblicke ins Brutgeschehen
Die Live-Übertragung zeigt eindrücklich, wie sich die beiden Elterntiere die Brutarbeit teilen. Das Weibchen, größer und kräftiger als das Männchen, übernimmt den Großteil und bebrütet die Eier etwa 60 bis 80 Prozent der Zeit. Das Männchen, der sogenannte Terzel, löst es regelmäßig ab, sodass auch das Weibchen jagen und Nahrung aufnehmen kann. Während der Nachtstunden bleibt das Weibchen nahezu durchgehend im Horst.
Die Brutdauer beträgt rund 32 bis 35 Tage. Das Schlüpfen der zunächst weiß gefiederten Jungvögel ist daher für Mitte Mai zu erwarten.
Nach dem Schlupf verbleibt das Weibchen zunächst fast ununterbrochen am Nest, um die Küken zu wärmen und zu schützen. Das Männchen übernimmt in dieser Phase die Versorgung der Familie. Im Juli werden die Jungvögel voraussichtlich ihre ersten Flugversuche unternehmen – ein weiterer Höhepunkt, der über die Kamera beobachtet werden kann.
Ein positiver Nebeneffekt: die Tauben
Wanderfalken ernähren sich vor allem von kleinen und mittelgroßen Vögeln. Dass dabei gelegentlich auch Tauben geschlagen werden, ist kein gezieltes Vergrämungsprogramm. Gleichwohl verändert die Anwesenheit der Greifvögel das Verhalten der Tauben deutlich: Sie meiden die unmittelbare Umgebung des Horstes und zeigen ein vorsichtigeres Flugverhalten.
Ein Falkenpaar erbeutet durchschnittlich ein bis zwei Vögel pro Tag. Eine größere Taubenpopulation lässt sich dadurch zwar nicht nachhaltig reduzieren, wohl aber zur Abwanderung bewegen.
Unterstützung für das Projekt
Die Betreuung des Horstes sowie der Betrieb der Kamera verursachen laufende Kosten. Wer die Live-Übertragung schätzt und den Schutz der seltenen Greifvögel unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun:
Katholische Kirchenstiftung St. Ulrich und Afra Augsburg
IBAN: DE89750903000000114049
Live dabei sein
Die Kamera ist rund um die Uhr erreichbar unter:
https://ulrich-afra-anton.de/wanderfalken





