Wählervereinigung WSA löst sich auf
Die Wählervereinigung „Wir sind Augsburg“ (WSA) hat auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 21. April 2026 einstimmig die Auflösung des kommunalpolitischen Vereins beschlossen. Grund seien die ständigen Diffamierungen, zuletzt durch die höchsten Repräsentantinnen der Stadt Augsburg, gegen die sich der Verein nach eigenem Bekunden nicht mehr habe wehren können.
Von Bruno Stubenrauch
Foto: WSA
Die WSA war bereits seit ihrer Gründung Ende 2014/2015 Anfeindungen ausgesetzt. In den zurückliegenden zwei Wahlkämpfen musste sich der Verein nach eigenen Angaben immer wieder gegen den Vorwurf wehren, antisemitisch oder rechtsextrem zu sein. Vorrangig Peter Hummel, der 2020 Stadtrat für die Freien Wähler wurde, habe sich darauf konzentriert, WSA und seinen Mitgliedern eine rechte Gesinnung anzudichten. Dabei seien Begriffe wie „Sammelbecken für rechtsextremes Gedankengut“ oder „eng mit der AfD verbunden“ gefallen.
Vorwürfe von den beiden höchsten Repräsentantinnen der Stadt
Besonders heftig wurde der Streit im Vorfeld der OB-Stichwahl im März 2026. Dort sorgten Aussagen von Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) und Bürgermeisterin Martina Wild (Grüne) für Empörung bei der WSA.
In einem TV-Duell warf Oberbürgermeisterin Eva Weber der WSA vor, ihre Mitglieder würden „ganz offen AfD-Posts teilen“ und „antisemitische, russlandfreundliche Parolen zum Besten geben“. Die WSA wies die Vorwürfe entschieden zurück und sprach von einer „Oberbürgermeisterin unwürdigen Diffamierung“ (DAZ berichtete). Auch der Buchhändler und WSA-Politiker Benjamin Wintergerst, der jüdischen Glaubens ist, widersprach den Vorwürfen und warf Weber vor, Antisemitismus als politische Waffe einzusetzen.
Nur wenige Tage später äußerte sich Bürgermeisterin Martina Wild in einem a.tv-Interview ähnlich (DAZ berichtete). Sie sagte: „Die SPD unter Florian Freund hat ein Bündnis mit WSA geschmiedet, wo wir klar und deutlich formuliert haben, wir sind gegen Antisemiten und Antisemitinnen, gegen Verfassungsfeindinnen und Verfassungsfeinde.“ Der WSA-Vorsitzende Peter Grab kritisierte die Aussagen scharf und bezeichnete sie als unbegründete Pauschalvorwürfe. Der Verein forderte daraufhin den Rücktritt Wilds und leitete rechtliche Schritte ein.
Auflösung des Vereins
Die jüngsten Vorfälle waren für die Mitglieder der WSA nun der Anlass, die Reißleine zu ziehen. „Wir sind es leid, uns jahrelang gegen Versuche, WSA ins rechtsextreme Lager zu stellen, erwehren zu müssen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. „Lieber hätten wir uns einer sachlichen Kommunalpolitik gewidmet.“
Die Mitglieder der WSA befürchten zudem, dass die öffentlichen Vorwürfe nicht nur das Ansehen des Vereins schädigen, sondern sich auch negativ auf die berufliche Situation der einzelnen Mitglieder auswirken könnten. „Diese nehmen zwar die Oberbürgermeisterin und Bürgermeisterin offensichtlich in Kauf, die Beschuldigten wollen dies jedoch nicht weiter hinnehmen müssen“, so die WSA.
Die WSA hatte bei der Kommunalwahl im März 2026 mit 0,82 Prozent der Stimmen den Einzug in den Stadtrat denkbar knapp verfehlt. Die Liquidation des Vereins soll nun ab dem 1. Mai 2026 durchgeführt werden. Die Homepage des Vereins wird voraussichtlich im Dezember 2026 abgeschaltet.





