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Montag, 07.09.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

„Was ich anhatte…“: Zwölf Geschichten gegen die Schuldzuweisung an Betroffene

Zwölf Kleidungsstücke, zwölf persönliche Geschichten und eine gemeinsame Erfahrung: Sexualisierte Gewalt lässt sich nicht mit dem erklären, was eine Frau trägt. Die Wanderausstellung „Was ich anhatte…“ ist vom 13. bis 27. Sep­tem­ber in der Neuen Galerie im Höhmannhaus zu sehen.

Von Bruno Stubenrauch

Bild: Monica Smekal / Gemini

Die Frage, was eine Frau zum Zeitpunkt eines sexuellen Übergriffs getragen hat, gehört zu den Vorstellungen, mit denen Betroffene noch immer konfrontiert werden. Die Ausstellung „Was ich anhatte…“ stellt dieser Perspektive zwölf Kleidungsstücke und die persönlichen Geschichten ihrer Trägerinnen gegenüber. Sie zeigt, wie unterschiedlich die Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt sind, und setzt sich mit dem sogenannten Victim Blaming auseinander.

Kleidung als Ausgangspunkt

Ein Kleid, eine Hose, ein Oberteil – Kleidungsstücke, wie sie in vielen Kleiderschränken zu finden sein könnten. In der Ausstellung werden sie zu Zeugnissen persönlicher Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Zu jedem Exponat gehört die Geschichte einer Frau.

Entstanden ist die Ausstellung nach einem Aufruf in den sozialen Medien. Frauen, die einen sexuellen Übergriff erlebt hatten, wurden gebeten, die Kleidung einzusenden, die sie dabei getragen hatten, und ihre Geschichte zu erzählen. Aus den zahlreichen Rückmeldungen wurden zwölf Geschichten und Outfits ausgewählt.

Die Kleidungsstücke sind größtenteils Originale. Wo die ursprüngliche Kleidung nicht mehr vorhanden war, wurden sie nach den Angaben der jeweiligen Frau in Second-Hand-Läden nachgekauft. Die Berichte wurden nach Angaben der Ausstellung unverändert übernommen.

Wenn Kleidung zur Schuldfrage wird

Damit richtet sich die Ausstellung gegen einen verbreiteten Mechanismus: die Schuldzuweisung an Betroffene, das sogenannte Victim Blaming. Nach einem sexuellen Übergriff wird nicht selten danach gefragt, was die Betroffene getragen, wie sie sich verhalten oder ob sie eine Situation möglicherweise provoziert habe.

Die zwölf Exponate stellen diesen Zusammenhang infrage. Sie zeigen unterschiedliche Frauen, Situationen und Kleidungsstücke. Eine bestimmte Kleidung lässt sich daraus ebenso wenig als Ursache ableiten wie ein bestimmtes Auftreten oder Verhalten.

Initiatorin und Kuratorin Beatrix Wilmes beschreibt sexualisierte Gewalt auf der Ausstellungswebsite deshalb nicht als individuelles Problem einzelner Frauen, sondern als strukturelles Phänomen. Der Titel „Was ich anhatte…“ greift bewusst eine Frage auf, die nach einem Übergriff häufig gestellt wird.

Von der persönlichen Erfahrung zum gesellschaftlichen Thema

Die zwölf Geschichten dokumentieren nicht nur die Übergriffe selbst. Die Teilnehmerinnen erzählen auch, was ihnen geholfen hat, mit ihren Erfahrungen umzugehen. Die Ausstellung will damit Scham und Selbstzweifel von Betroffenen thematisieren und zugleich dazu beitragen, sexualisierte Gewalt aus der Tabuzone zu holen.

Die Erfahrungen der Frauen unterscheiden sich deutlich voneinander. Gemeinsam ist ihnen, dass sie zeigen sollen, dass sexualisierte Gewalt Frauen unterschiedlichen Alters und in unterschiedlichen Lebenssituationen treffen kann.

Augsburg ist die 70. Station

Augsburg ist bereits die 70. Station der Wanderausstellung, die seit 2020 an zahlreichen Orten gezeigt wurde. Vom 13. bis 27. September ist sie in der Neuen Galerie im Höhmannhaus an der Maximilianstraße 48 zu sehen. Die offizielle Eröffnung findet am Dienstag, 15. September, um 17 Uhr mit Oberbürgermeister Dr. Florian Freund und Beatrix Wilmes statt.

Veranstalter ist das Büro für Kommunale Prävention der Stadt Augsburg. Zum Begleitprogramm gehören Vorträge und Workshops zu Themen wie Täterarbeit, K.-o.-Tropfen, Vergewaltigungsmythen sowie Präventions- und Opferschutzarbeit. Außerdem kann die Ausstellung in Begleitung von Fachkräften besichtigt werden.

Die Ausstellung ist für Besucherinnen und Besucher ab 16 Jahren zugänglich. Der Eintritt und sämtliche Angebote des Begleitprogramms sind kostenfrei.