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Dienstag, 11.08.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Theater

Ar­chäo­lo­gi­sche Gra­bun­gen auf Thea­ter­bau­stel­le ab­ge­schlos­sen

Nach acht Jah­ren bau­be­glei­ten­der Aus­gra­bun­gen ist das Bau­feld für die Ge­ne­ral­sa­nie­rung und den Neu­bau des Staats­thea­ters ar­chäo­lo­gisch un­ter­sucht. Da­bei ka­men Spu­ren aus mehr als 2.000 Jah­ren Augs­bur­ger Ge­schich­te ans Licht – von einer rö­mi­schen Sied­lung über mit­tel­al­ter­li­che Stadt­be­fes­ti­gun­gen bis zu Re­lik­ten des frü­he­ren Thea­ter­baus.

Von Bruno Stubenrauch

Baufeld nördlich der Kasernstraße: Hier fanden schichtweise Ausgrabungen bis 5 Meter Tiefe statt

Die Gra­bun­gen ge­hö­ren nach An­ga­ben der Stadt­ar­chäo­lo­gie zu den um­fang­reichs­ten und schwie­rigs­ten der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te. Die Fun­de wur­den kar­tiert, do­ku­men­tiert und im Zen­tral­de­pot ein­ge­la­gert. Nun be­ginnt die wis­sen­schaft­li­che Aus­wer­tung, wäh­rend auf der Bau­stel­le die nächs­ten Schrit­te für den Neu­bau des Be­triebs­ge­bäu­des vor­be­rei­tet wer­den.

Rö­mi­sche Sied­lung und mit­tel­al­ter­li­che Stadt­mau­er

Zu den äl­tes­ten Be­fun­den ge­hö­ren Über­res­te einer rö­mi­schen Sied­lung ent­lang der da­ma­li­gen Fern­han­dels­stra­ße nach Gal­li­en und His­pa­ni­en. Frei­ge­legt wur­den un­ter an­de­rem die Stra­ße, eine Was­ser­lei­tung so­wie Wohn- und Wirt­schafts­ge­bäu­de, Stal­lun­gen, Kel­ler, Zis­ter­nen und Brun­nen. Auch meh­re­re Be­stat­tun­gen wur­den ent­deckt.

Spu­ren wei­sen auf ein ge­walt­sa­mes Ende der Sied­lung im 3. Jahr­hun­dert hin. Sie wur­de of­fen­bar nie­der­ge­brannt und an­schlie­ßend ge­schleift. Zahl­rei­che Tote wur­den nicht re­gu­lär be­stat­tet, son­dern ge­mein­sam mit Bau­schutt in auf­ge­ge­be­nen Gru­ben und Kel­lern ab­ge­legt. Wei­te­re Un­ter­su­chun­gen sol­len hel­fen, die Hin­ter­grün­de zu klä­ren.

Be­son­ders gut er­hal­ten wa­ren die mit­tel­al­ter­li­chen Be­fes­ti­gungs­an­la­gen. Eine etwa acht Me­ter hohe Mau­er des Wehr­gra­bens aus dem 12. Jahr­hun­dert mit Mau­er­kro­ne und Pi­las­tern ge­hört zu den über­ra­schen­ds­ten Be­fun­den. Auch die ver­schie­de­nen Bau­pha­sen der Be­fes­ti­gung bis zu ihrer Schlei­fung konn­ten nach­voll­zo­gen wer­den.

Spu­ren von Thea­ter und Krieg

Aus dem Korn­sta­del, der bis Mitte des 19. Jahr­hun­derts an der Stel­le des spä­te­ren Gro­ßen Hau­ses stand, wur­den Kel­ler­ge­schos­se frei­ge­legt. Vom ers­ten Thea­ter­bau von 1877 fan­den die Ar­chäo­lo­gen Tei­le des Fas­sa­den­schmucks und Skulp­tu­ren, dar­un­ter die Köp­fe eines Sa­tyrs und einer Muse. Hin­zu kom­men Über­res­te des Be­ckens des frü­he­ren Nep­tun­brun­nens.

Auch die Zer­stö­rung im Zwei­ten Welt­krieg hat Spu­ren hin­ter­las­sen. In einem Kel­ler blieb unter dem Brand­schutt In­ven­tar er­hal­ten, dar­un­ter um­ge­stürz­te Re­ga­le, Ge­trän­ke­käs­ten und ein Koh­le­la­ger. Die Be­fun­de ste­hen im Zu­sam­men­hang mit der Bom­bar­die­rung der Klos­ter­ge­bäu­de im Fe­bru­ar 1944.

Zu den be­son­de­ren rö­mi­schen Fun­den zäh­len ein sel­te­nes bron­ze­nes Öl­lämp­chen mit er­hal­te­ner Auf­hän­ge­schnur, zwei Gem­men so­wie das Frag­ment einer hoch­wer­ti­gen Mar­mor-Frau­en­sta­tu­et­te.

Aus­wer­tung be­ginnt

Ein solches Öllämpchen konnte gut erhalten geborgen werden

Die Di­men­si­on der Gra­bung zeigt sich auch in ihrer Do­ku­men­ta­ti­on: Rund 3.000 Zeich­nun­gen wur­den an­ge­fer­tigt, hin­zu kom­men mehr als 15.000 Be­schrei­bungs­blät­ter in 77 Ord­nern. Für den wis­sen­schaft­li­chen Ab­schluss­be­richt müs­sen die Be­fun­de und Fun­de nun da­tiert, ein­ge­ord­net und aus­ge­wer­tet wer­den. Die Er­geb­nis­se sol­len künf­tig wei­te­re For­schun­gen zur Augs­bur­ger Stadt­ge­schich­te er­mög­li­chen.

Ein Teil der mit­tel­al­ter­li­chen Be­fes­ti­gungs­an­la­gen bleibt als Bo­den­denk­mal im Un­ter­grund er­hal­ten. Das ur­sprüng­lich ge­plan­te ar­chäo­lo­gi­sche Fens­ter zur öf­fent­li­chen Prä­sen­ta­ti­on konn­te je­doch nicht um­ge­setzt wer­den. Die Skulp­tu­ren und Bau­plas­ti­ken des ers­ten Thea­ter­baus sol­len da­ge­gen spä­ter im Foy­er des neu­en Thea­ters ge­zeigt wer­den.

Kel­ler wird vor Ort ge­schützt

Auf dem Are­al des ehe­ma­li­gen Au­gus­ti­ner­klos­ters Hei­lig Kreuz wird im Au­gust noch ein tief­rei­chen­der mit­tel­al­ter­li­cher Kel­ler ge­si­chert. In einer etwa 8,5 mal 5 Me­ter gro­ßen Fund­schicht haben sich unter feuch­ten und luft­dich­ten Be­din­gun­gen or­ga­ni­sche Ma­te­ri­a­li­en wie Le­der und Holz er­hal­ten. Eine Ber­gung wür­de diese emp­find­li­chen Fun­de dem Ri­si­ko des Zer­falls durch Luft­kon­takt aus­set­zen.

Des­halb bleibt die Fund­schicht im Bo­den. Die Flä­che wird mit zehn Me­ter tie­fen Bohr­pfäh­len um­ringt und an­schlie­ßend mit einer etwa einen Me­ter star­ken Stahl­be­ton­plat­te ab­ge­deckt.

Für die Ar­bei­ten wird das Ott­mars­gäss­chen vom 17. bis 25. Au­gust zwi­schen der Ein­mün­dung in die Volk­hart­stra­ße und Haus­num­mer 7 für den Auto­ver­kehr ge­sperrt. Fuß­gän­ger kön­nen den Be­reich wei­ter­hin auf der Nord­sei­te pas­sie­ren.

Hoch­bau be­ginnt im Herbst

Ende Ok­to­ber oder An­fang No­vem­ber soll in rund 16 Me­tern Tie­fe die etwa 4.400 Quad­rat­me­ter gro­ße Bo­den­plat­te für das neue Be­triebs­ge­bäu­de ent­ste­hen. Dort sind un­ter an­de­rem Werk­stät­ten, Probe­büh­nen, La­ger- und Ver­wal­tungs­flä­chen vor­ge­se­hen.

Die zwei­te Spiel­stät­te an der Volk­hart­stra­ße soll ab Früh­jahr 2027 auf dem be­reits fer­tig­ge­stell­ten Kel­ler er­rich­tet wer­den. Ziel ist, beide Neu­bau­ten bis 2030 bau­lich fer­tig­zu­stel­len; die Sa­nie­rung des Gro­ßen Hau­ses soll be­reits 2029 ab­ge­schlos­sen sein.

Das Baufeld für die zweite Spielstätte mit dem fertigen Keller (Bilder: DAZ)

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