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Montag, 02.02.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kommentar

Die Stadt HAT bereits viele Freilichtbühnen

Was für eine Entdeckung im Augsburger Rathaus! Pünkt­lich zum statischen Offen­barungs­eid an der Freilicht­bühne am Roten Tor entdeckt die Stadt­spitze plötzlich die Dezen­tralität. Unter dem wohl­klingenden Motto „Eine Stadt, viele Freilicht­bühnen“ wird der drohende Total­ausfall der traditions­reichsten Spielstätte nun als „frischer Impuls“ verkauft. Das ist nicht nur kreativ – das ist zynisch.

Kommentar von Bruno Stubenrauch

Foto: DAZ

Denn die Wahrheit ist: Augsburg hat bereits viele Frei­licht­bühnen. Es sind die Hinterhöfe, die kargen Plätze im Univiertel, der kopfstein­gepflasterte Annahof oder improvi­sierte Ecken in der Altstadt und den Stadt­teilparks. Dort spielt die lokale Kulturszene schon seit Jahren – allerdings nicht aus Abenteuer­lust, sondern aus purer Not. Die freien Veranstalter und kleinen Vereine bespielen diese Orte seit jeher, weil ihnen die Tür zum Roten Tor konse­quent ver­schlossen blieb: Zu teuer, zu auflagen­reich, zu exklusiv und schlicht zu ausgebucht durch das Staatstheater.

Dass OB Eva Weber nun ein „Miteinander“ beschwört, klingt in den Ohren derer, die jahrelang um jeden Strom­anschluss und jede Dezibel-Erlaubnis feilschen mussten, wie blanker Hohn. Wo war dieses „Miteinander“, als die lokale Szene um eine solide Infra­struktur an genau diesen dezen­tralen Orten bettelte? Die Augsburger Club- und Kultur­kommission (CUKK) fordert als Interessen­vertretung der freien Szene in ihren aktuellen Wahl­prüf­steinen nicht ohne Grund eine radikale Abkehr von der Fixierung auf prestige­trächtige Großprojekte.

Kultureller Ver­drängungs­wettbewerb?

Hinter dem Slogan der „vielen Freilicht­bühnen“ lauert zudem eine neue Gefahr: ein kultureller Ver­drängungs­wettbewerb. Wenn das Staatstheater und die großen kommer­ziellen Player nun zwangs­weise ins Stadtgebiet ausweichen, könnten sie in genau jenen Revieren wildern, die sich die lokale Szene mühsam erschlossen hat. Damit würde das „Miteinander“ vollends zur Luft­nummer: Die Kleinen müssten weichen, damit die Großen ihr Programm retten können.

Wenn die Stadt davon spricht, „Kräfte zu bündeln“, meint sie im Kern: Die freie Szene soll den Karren aus dem Dreck ziehen, in den die Verwaltung ihn durch jahrelange Sanierungs­ver­schleppung hinein­gefahren hat. Die Formel „Sicherheit ist nicht ver­handelbar“ dient dabei lediglich als morali­sches Schutz­schild, um die berechtigte Frage zu ersticken, warum man die Tribüne überhaupt erst lebens­gefährlich marode werden ließ. Dass das Debakel erst kurz vor der Kommunal­wahl eingestanden wird, lässt den „Runden Tisch“ weniger wie ein Forum für Visionen, sondern wie ein taktisches Manöver zur Simulation von Betrieb­sam­keit wirken.

Augsburg braucht keine „neuen Perspektiven“ aus dem Rathaus-Labor. Die Szene weiß längst, wie man auf Asphalt und Gras Bühnen baut. Was sie braucht, ist eine Stadt­verwaltung, die nicht erst dann den Dialog sucht, wenn ihr die eigene Decke auf den Kopf fällt. Die „vielen Freilicht­bühnen“ gibt es längst – sie bräuchten nur endlich ein echtes Budget und verlässliche Standorte statt kreativer Über­gangs­lösungen und warmer Worte.

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