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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Leihamt schließt für immer

Die Stadt Augsburg schließt nach 415 Jahren ihr Leihamt. Es handelt sich um das älteste Leihamt Deutschlands und das letzte Leihamt innerhalb einer Stadtverwaltung.

Ein Relikt aus dem Mittelalter: Nach 415 Jahren schließt das Augsburger Leihamt (c) DAZ

Ein Relikt aus dem Mittelalter: Nach 415 Jahren schließt das Augsburger Leihamt (c) DAZ


Der Betrieb des städtischen Augsburger Leihamtes läuft zum Jahresende 2018 aus. Grund für die Entscheidung des zuständigen Ausschusses für Organisation, Personal, Migration und Interkultur (OPMI) im Stadtrat war die deutlich gesunkene Nachfrage nach Kleinkrediten, die von der Stadt gegen die Einreichung eines Pfandes angeboten und vergeben wurden. „Diese freiwillige Leistung der öffentlichen Hand wird auch von privater Seite angeboten. Zudem gibt es über das Internet eine Vielzahl von Möglichkeiten, Gegenstände zu veräußern oder Kleinkredite zu erhalten. Die Organisationsentscheidung bedeutet, dass noch bis Ende diesen Jahres neue Beleihungen im städtischen Leihamt möglich sind. Auf Wunsch werden Verlängerungen bestehender Beleihungen noch bis Ende März 2018 vorgenommen. Bis zum Jahresende 2018 sollen dann alle Beleihungsvorgänge abgewickelt und beendet sein.“ So wird im O-Ton der Stadt die Schließung begründet und abgewickelt. Alle Kunden mit aktiven Pfändern würden zeitnah angeschrieben und über die Situation und die weitere Vorgehensweise informiert.

Die Fundstelle ist von der Auflösung des Leihamtes nicht betroffen und bleibt bestehen. Organisatorisch geht der Betrieb ab Jahresbeginn 2018 von der Kämmerei in die Zuständigkeit des Bürgeramtes über.

Die Stadt hat sich lange mit dem aus dem Mittelalter stammenden Kleinkredit-Geschäft abgemüht. In den vergangenen Jahrzehnten hatten zahlreiche Städte ihre Leihämter aufgegeben. Aktuell gibt es neben dem Augsburger Leihamt, das 1603 gegründet wurde, nur noch kommunal betriebene Leihämter in Mannheim, Stuttgart und Nürnberg. Doch diese Städte haben ihre Leihämter aus der klassischen Verwaltung ausgegliedert. Die Stadt Mannheim führt ihr Leihamt längst als Anstalt des öffentlichen Rechts, die Stuttgarter Pfandleihe ist in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft überführt worden und das Nürnberger Leihhaus wurde bereits nach dem Zweiten Weltkrieg von einem Verein übernommen.

Neben diesen kommualen Leihämtern existieren über 200 private Pfandkreditunternehmen in Deutschland. Das Konzept der städtischen Leiheinrichtungen wurde im späten Mittelalter in Italien entwickelt. Sie waren als Speerspitze gegen privaten Wucher gedacht.



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