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Mittwoch, 22.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Augsburger Wahrzeichen als Dauer­baustelle

Warum die Sanierung des Perlachturms teurer und länger wird

Die Sanierung des Augsburger Perlachturms entwickelt sich zu einer Gedulds­probe für Stadt­politik und Bürger. Laut Beschluss­vorlage für den Bau­ausschuss am Donners­tag klettern die Gesamt­kosten für das Großprojekt auf knapp 11 Milli­onen Euro. Auch der Zeitplan gerät weiter ins Wanken: Mit einer Fertig­stellung ist erst im Frühjahr 2028 zu rechnen.

Von Bruno Stubenrauch

Bild: DAZ

Wer am Rathausplatz vorbeiläuft, sieht das Augs­burger Wahr­zeichen seit geraumer Zeit in Baugerüste gehüllt. Ursprüng­lich war geplant, die Arbeiten im Herbst 2027 abzu­schließen. Doch unvor­her­gesehene Mängel an der Bau­substanz und ein gravie­render Zwischen­fall im Bauablauf werfen den Zeitplan nun um ein gutes halbes Jahr zurück.

Der Domino-Effekt im Nadelöhr

Hauptursache für die aktuelle Verzögerung ist die Insolvenz der beauf­tragten Bau­meister­firma. Was auf einer gewöhn­lichen Groß­baustelle oft kompen­siert werden kann, führt beim Perlach­turm zu einem Ketten­effekt: Wegen der extremen räumlichen Enge im Inneren des Turms können die einzelnen Gewerke nicht parallel, sondern nur strikt nach­einander arbeiten.

Fällt ein zentraler Baustein aus, steht die gesamte Kette still. Die Folge waren ein monate­langer Bau­still­stand, eine aufwändige EU-weite Neu­aus­schrei­bung sowie eine unge­plante Winterpause. Allein durch Stand­zeiten für Kräne, Gerüste und rechtliche Begleitung entstanden direkte Folgekosten von rund 330.000 Euro.

Verdeckte Mängel aus der Nachkriegszeit

Neben dem logistischen Stillstand offenbart der Turm selbst über­raschende Schwach­stellen. Beim Rückbau des Natur­stein­geschosses und der Turmkuppel zeigten sich tiefe Risse im Gestein – viele Steine müssen nun kosten­intensiv saniert oder komplett ausgetauscht werden.

Zudem traten verdeckte Baumängel sowie unzu­reichend behobene Kriegs­schäden zutage. Um die Statik des Turms dauerhaft zu sichern, verlangte die Prüfstatik zusätz­liche Ver­anke­rungen und Ver­nade­lungen im alten Mauerwerk. Zusammen mit notwendigen An­passungen an der neuen Stahltreppe schlägt dieser Bereich mit rund 700.000 Euro an Mehrkosten zu Buche.

Wie das Millionenloch gestopft werden soll

Insgesamt beläuft sich der finanzielle Mehrbedarf auf 2,0 Milli­onen Euro – davon 1,4 Milli­onen Euro für bereits bekannte Kosten­steige­rungen und 600.000 Euro als Risiko­puffer bis zum Bauende im Jahr 2028. Zur Deckung greift die Stadt­verwaltung auf ein Sammel­surium ver­schiedener Töpfe zurück:

  • 800.000 Euro kommen als Zuschuss aus der Stiftungs­rücklage des Friedrich-Prinz-Fonds;
  • 428.700 Euro sollen aus städti­schen Grund­stücks­verkäufen bereit­gestellt werden;
  • 133.500 Euro werden frei, weil sich der Bezug einer anderen städti­schen Immobilie verzögert und Mietkosten eingespart werden;
  • 139.800 Euro steuern Spenden von Unter­nehmen und Privaten bei.

Ob und in welcher Höhe sich über­geordnete Förder­geber an den Mehrkosten beteiligen, wird derzeit noch verhandelt. Fest steht jedoch: Die Ent­scheidung liegt nun beim Stadtrat, der in seiner letzten Sitzung vor der Sommer­pause am 30. Juli über die Nach­finan­zierung abstimmen muss, damit die Bau­arbeiten ohne weiteren Stillstand weitergehen können.