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Donnerstag, 25.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Tiefere Brunnen gegen Starkregen: So sichern die swa Augsburgs Trinkwasser

Augs­burg gilt seit Jahr­zehnten als Stadt mit be­sonders hoch­wer­ti­gem Trink­wasser. Wasser­knapp­heit ist hier trotz zu­neh­men­der Trocken­pe­ri­den bis­lang kein Thema. Doch die Heraus­for­derungen für die Wasser­ver­sor­gung ver­ändern sich. Nach An­gaben der Stadt­werke Augs­burg (swa) macht vor allem der Klima­wandel neue Schutz­maß­nahmen er­for­derlich.

Von Bruno Stubenrauch

In der Ebene versickert auch Starkregen (Symbolbild)

Anders als in vielen Re­gio­nen Deutsch­lands ver­fügen die swa im Lech­schotter über einen er­gie­bi­gen Grund­wasser­strom. Auch längere Hitze- und Trocken­phasen führen des­halb bis­lang nicht zu Ver­sor­gungs­eng­pässen. Pro­bleme bereiten viel­mehr die zu­neh­men­den Stark­regen­er­eig­nisse. „Da­durch ver­sickert das Wasser schneller und die Filter­wir­kung des Bodens ver­ringert sich“, er­läu­tert swa-Wasser­ver­sor­gungs­leiter Florian Killer.

Im Raum Augs­burg ver­sickert auch der Stark­regen

Auf den ersten Blick scheint dies im Wider­spruch zur land­läu­fi­gen Meinung zu stehen, Stark­regen fließe auf aus­ge­trock­ne­ten Böden oft ober­fläch­lich ab und ver­sickere gerade nicht. Auf Nach­frage der DAZ er­klärt swa-Presse­sprecher Jürgen Fergg jedoch, dass die Si­tua­tion im Augs­burger Raum dif­fe­ren­zierter zu be­trach­ten ist.

Süd­lich von Augs­burg er­streckt sich das weit­ge­hend ebene Lech­feld. Anders als in Hang­lagen fließt Regen­wasser dort nicht ober­fläch­lich ab, son­dern kann groß­flächig auf Feldern und in Wald­gebieten ver­sickern. Zu­dem treten Stark­regen­er­eig­nisse nicht nur nach länge­ren Trocken­pe­ri­oden auf, son­dern auch bei auf­nah­me­fä­hi­gen Böden. So können große Wasser­men­gen in­ner­halb kurzer Zeit in tiefere Boden­schichten ge­langen. Da­durch ver­kürzt sich die natür­liche Filter­wir­kung des Unter­grunds, was das Risiko er­höht, dass Keime oder Ver­un­rei­ni­gun­gen ins Grund­wasser ge­langen.

Neue Brunnen reichen bis in 22 Meter Tiefe

Um die Trink­wasser­qua­li­tät lang­fris­tig zu sichern, setzen die Stadt­werke deshalb seit Jahren auf sogenannte Hori­zontalfilter­brunnen. Während ältere Brunnen Grund­wasser meist aus sechs bis sieben Metern Tiefe fördern, reichen neuere An­la­gen bis in etwa 22 Meter Tiefe.

Dort durch­läuft das Wasser zu­sätz­liche Boden­schichten aus ter­tiä­ren Sanden, die als natür­liche Filter wirken. Auf diese Weise werden mög­liche Keime oder Ver­un­rei­ni­gun­gen wirk­samer zu­rück­ge­hal­ten.

Auch PFAS be­schäftigen die Wasser­ver­sor­ger

Neben den Folgen des Klima­wandels sehen sich die swa auch mit neuen Schad­stoff­be­las­tun­gen kon­fron­tiert. Bundes­weit sorgen der­zeit ins­be­sondere sogenannte PFAS-Ver­bin­dun­gen für Dis­kus­sio­nen. Dabei handelt es sich um lang­le­bi­ge In­dustrie­che­mi­ka­lien, die in der Umwelt nur schwer ab­ge­baut werden.

Am west­lichen Rand des Augs­burger Trink­wasser­schutz­gebiets wurden nach An­gaben der Stadt­werke lang­ket­ti­ge PFAS im Grund­wasser nach­ge­wie­sen. Als Vor­sichts­maß­nah­me nahmen die swa sechs ihrer in­sge­samt mehr als 60 Trink­wasser­brunnen außer Betrieb.

Nach An­gaben der Stadt­werke ist PFAS im Augs­burger Trink­wasser da­durch wei­ter­hin nicht nach­weis­bar. Auch Medi­ka­men­ten­rück­stän­de oder Mikro­plastik spielen nach den regel­mäßigen Unter­suchungen der­zeit keine Rolle.

Augs­burger Modell als Vorbild

Be­reits seit mehr als drei Jahr­zehnten ver­folgen die Stadt­werke ge­mein­sam mit Land­wirten im Trink­wasser­schutz­gebiet einen vor­beu­gen­den An­satz. Im Rahmen des sogenannten Augs­burger Modells erhalten Land­wirte Aus­gleichs­zah­lungen, wenn sie auf be­stimmte Pflanzen­schutz­mit­tel und Dünge­maß­nah­men ver­zichten.

Die Stadt­werke sehen darin einen wich­ti­gen Grund dafür, dass die Nitrat­werte des Augs­burger Trink­wassers seit Jahren auf niedri­gem Niveau liegen. Er­gänzt wird der Ge­wäs­ser­schutz durch Projekte wie Blüh­flächen, Streu­obst­wie­sen und weitere Maß­nah­men zur ökolo­gi­schen Auf­wer­tung des Trink­wasser­schutz­gebiets.

Für die swa zeigt sich damit: Die größte Heraus­for­derung für die Trink­wasser­ver­sor­gung der Zukunft ist nicht die Menge des ver­füg­ba­ren Wassers. Ent­schei­dend wird viel­mehr sein, seine Qualität auch unter ver­änder­ten klimati­schen Be­din­gun­gen dauer­haft zu sichern.