24 Stunden Bildungsprotest – Schüler*innen stellen dem System schlechtes Zeugnis aus
München – „Wir halten durch – so wie jeden Schultag“: Unter diesem Motto protestieren seit dem Morgen des 30. Juli Schüler*innen und ehemalige Abiturient*innen 24 Stunden vor dem Bayerischen Kultusministerium am Salvatorplatz (DAZ berichtete).
Von Bruno Stubenrauch
Protest am Salvatorplatz – Schüler*innen an Schulbänken vor dem Ministerium, 30.07.2026Vor Ort stehen zwölf Stühle – teils besetzt, teils leer mit Botschaften wie „Hat wegen Schulangst die Schule verlassen“. An Schulbänken halten Jugendliche Schilder hoch: „BILDUNGS-BUNKER machen KRANK“ und „Wie es ist bleibt es nicht! Wir verändern Unterricht!“

Schlechte Noten für die „Schule der Ignoranz (Bilder: Christine Lindner / PM)
Besonders pointiert: Die Protestierenden stellten dem bayerischen Schulsystem selbst ein Jahreszeugnis aus – als „Schule der Ignoranz – Schule für Bildungsbewährung und Prüfungsstress“. Darin heißt es, das System sei von einem „haben-wir-schon-immer-so-gemacht“-Reflex geprägt, lernresistent und setze die Freude am Lernen systematisch außer Kraft. Benotet wird unter anderem mit 4 in Mitbestimmung und Gesundheit, 5 in Bildungsgerechtigkeit, Inklusion und Demokratisierung der Schule – und 1 in Prüfungsdruck. Fazit: „Das Schulsystem hat nicht die Anerkennung der bayerischen Schülerschaft erhalten.“ Ausgestellt in München, 30. Juli 2026, von der Bayerischen Schüler*innenbewegung und Eine Schule für Alle in Bayern e.V.
System für selbstbestimmtes Lernen gewünscht
Dazu sagen die Organisator*innen, stellvertretend Steven S. (Abiturient) und Mary S. (10. Klasse): Sie hätten genug unter Leistungsdruck und psychischer Belastung gelitten und wünschten sich ein System, das nicht auf Noten reduziere, sondern individuell fördere und selbstbestimmtes Lernen ermögliche.
Hintergrund der 24-Stunden-Aktion ist die Petition gegen unangekündigte Leistungsnachweise mit über 50.000 Unterschriften, die trotz breiter Unterstützung im Bildungsausschuss abgelehnt worden ist. Das Ministerium hat laut PM bisher nicht reagiert.
Die Aktion läuft noch bis Freitag, 31. Juli, 10 Uhr vor dem Ministerium. Eine weitere Aktion ist am bundesweiten Bildungsprotesttag am 19.09.2026 geplant.