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Freitag, 29.05.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Vermischtes

Augsburger Hafen-Traum: Ein Theaterspaziergang durch die Jakobervorstadt

Ein kühner Plan, der nie verwir­klicht wurde – und doch Spuren hinterließ: Bei einem theatralen Spaziergang entlang der Augsburger Wasserwege erwacht die Hafen-Vision des Stadt­bau­meisters Karl-Albert Gollwitzer zu neuem Leben. Der nächste Termin ist bereits am heutigen 30. Mai.

Von Bruno Stubenrauch

Schauspieler Matthias Klösel als Karl-Albert Gollwitzer (Foto: Kurt Idrizovic, Buchhandlung am Obstmarkt)

Was wäre, wenn Augsburg heute eine Hafenstadt wäre? Nicht Ruder­boote, sondern Handels­schiffe auf dem Stadt­graben – das war einmal kein Hirn­gespinst, sondern ein ernst­hafter Plan. Der Stadt­bau­meister Karl-Albert Gollwitzer entwarf im 19. Jahr­hundert eine regel­rechte „Mobi­li­täts­dreh­scheibe“ für Augsburg: Straßen, Kanäle, eine Localbahn und einen richtigen Hafen sollten die Stadt an die großen Handels­wege der Welt anschließen.

Dieser fast vergessenen Vision widmet sich nun ein beson­deres Format: Die Themen­führung „Vom Lech zu den Welt­meeren“ nimmt das Publikum mit auf einen Theater­spazier­gang durch die Jakober­vorstadt – direkt an den Original-Schau­plätzen, an denen Gollwitzers Träume einst reifen und schließlich scheitern sollten.

Geschichte zum Anfassen

Stadtführer und Autor Kurt Idrizovic übernimmt die kundige Erzählung durch das soge­nannte „Hafen-Viertel“ entlang der histo­ri­schen Wasser­wege. Der Schau­spieler Matthias Klösel schlüpft dabei in die Rolle Gollwitzers selbst – und macht dessen wage­mutigen Pläne und ihr Scheitern auf ein­dring­liche Weise erlebbar. Was in Geschichts­büchern trocken klingt, wird hier sinnlich und spannend: Stadt­geschichte als Theater, mitten in der Stadt.

Die Idee eines Augsburger Hafens mag heute wie eine fan­ta­stische Utopie erscheinen. Damals aber war sie ein durchaus rea­li­stisches Planspiel – ein Zeugnis dafür, welche Bedeutung die Augsburger Wasser­wege für die aufkommende Indu­striali­sierung hatten. Statt Handels­schiffen gleiten heute Ruderboote über den roman­ti­schen Stadtgraben der Kahnfahrt.

Regio plant Gastronomieboot auf der Kahnfahrt

Für Tourismusdirektor Götz Beck ist Gollwitzers Vision mehr als ein histo­ri­sches Kuriosum. Sie liefert ihm einen authen­ti­schen Aufhänger für ein konkretes Gegen­warts­projekt: Nach der Umsetzung der Neuen Kahnfahrt soll dauerhaft ein Gastro­nomie­boot auf dem Wasser etabliert werden. Da an der Kahnfahrt keine feste Gastro­nomie gebaut werden soll, um den idylli­schen Charakter des Orts zu bewahren, könnte laut Regio Augsburg Tourismus GmbH ein schwimmendes Schiff die ideale Lösung sein. Besonders für Gruppen­events wie Geburts­tags­feiern oder Hochzeiten wäre es ein wetter­unab­hängiger Veran­staltungs­ort. Die alt­augsburg­gesell­schaft hat die Pläne der Regio jedoch heftig kritisiert (DAZ berichtete).

Termine und Tickets

Der erste Spaziergang findet bereits am 30. Mai um 15 Uhr statt. Weitere Termine folgen am 6. Juni sowie am 11. und 25. Juli, jeweils um 15 Uhr. Treffpunkt ist am Eingang der Kahnfahrt.

Karten sind in der Buchhandlung am Obstmarkt, Obstmarkt 11, erhältlich – telefonisch unter 0821–518804. Erwachsene zahlen 16 Euro, ermäßigt 14 Euro. Weitere Infor­ma­tionen gibt es unter buchhandlung-am-obstmarkt.de.

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