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Montag, 27.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

UNESCO-Welterbe: Kultur ist die Basis, die Wirtschaft der Gewinner

Die unterschwellig in der Augsburger Stadtverwaltung stattfindende Debatte bezüglich der Folgekosten eines UNESCO-Welterbe-Titels lockte Martin Kluger aus der Deckung. Er gilt als impulsfähiger Ideengeber des Projektes „Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst in Augsburg“. Kluger sieht derzeit einen kafkaesken Dämon in Augsburg herumspazieren und vermisst eine pragmatische Haltung der Stadt. Schließlich gehe es um ein Projekt, das man, so Kluger, nicht als Konsumption einzustufen habe, sondern als eine Investiton.

Den einen geht die Lust aus, den anderen das Wasser

Von Martin Kluger

Welterbe-Kandidat zu werden ist nicht leicht. 2013/2014 evaluierte der von der Kultusministerkonferenz der Bundesrepublik Deutschland eingesetzte Fachbeirat 31 Welterbevorschläge aus 13 Bundesländern für die Aufnahme in die deutsche Tentativliste. Schon diese 31 waren das Ergebnis einer harten Vorauswahl: Allein aus Bayern hatten 13 Kandidaten ihr Interesse bekundet. Nummer eins und Favorit war bei allen Experten (hinter vorgehaltener Hand) die historische Augsburger Wasserwirtschaft. Genau so kam es. „Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst in Augsburg“ dürfen sich schon 2018 als deutscher Beitrag für die Welterbeliste bewerben – mit weitaus besseren Chancen als zum Beispiel Jahre später die bayerischen Königsschlösser, glaubt man den Fachleuten.

… dann könnte man auch über einen Hubschrauberlandeplatz auf dem Rathausplatz nachdenken

Was in anderen Städten Jubelchöre verursachen würde, führt in Augsburg zu Diskussionen. Nicht mehr darüber, ob die hiesigen Wasserwerke und Kanäle, Wasserkraftwerke, Monumentalbrunnen und die Modellkammer welterbewürdig sein könnten. Das interessiert nur noch am Rande. Denn daran ist ja nun mal – nach diversem Hohn und teils bösartigem Spott von verschiedenen Medien und Kritikern im Vorfeld – seit dem amtlichen Testat nicht mehr zu rütteln. Wenn dies nicht der Haken an der Sache ist, muss eben ein anderer her. Aus dem Nichts hervor geholt und umgehend in die kommunalpolitische Diskussion eingespeist wurde deshalb ein entsetzlicher Gedanke: Welterbe zu werden kostet etwas und macht Arbeit. Widerstand aus der Stadtverwaltung gegen das Projekt Welterbe führte zuletzt dazu, dass die „Augsburger Allgemeine“ titelte: „Wird die Welterbe-Bewerbung gekippt?“. Kritik am UNESCO-Projekt gäbe es, so wurde Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl zitiert, durchaus auch bei einem „Teil der Stadträte“. Die versenden schon mal eine Pressemitteilung mit der Erkenntnis: „Augsburg geht hier kaum abschätzbare Verpflichtungen in Millionenhöhe ein, ohne dass ein relevanter Nutzen erkennbar wäre“. Angesichts solcher Polit-Lyrik weiß man nicht, ob weinen oder lachen. Dass nach Meinung der Kritiker ein kostenträchtiger Großparkplatz beim Wasserwerk am Roten Tor entstehen müsste, grenzt an Parodie. Mit dem gleichen Recht könnte man über einen Hubschrauberlandeplatz auf dem Rathausplatz nachdenken. Genau das ist ja Sinn und Zweck des Schutzprädikats UNESCO-Weltkulturerbe, dass nämlich städtebauliche Zerstörung unterbleibt. Doch um Kosten „jenseits der Zehn-Millionen-Grenze“ aufzurechnen, kommt manchem Kritiker jede Fama recht. Auch der Popanz eines kostenintensiven Welterbezentrums wird ins kalkulatorische Spiel gebracht, um den Finanzbedarf des UNESCO-Welterbes zu dämonisieren. Wenn interessiert es da, dass Würzburg seit 1981 UNESCO-Welterbestadt ist und bis heute kein Welterbezentrum gebaut hat? Genauso wie die Welterbestädte Trier (seit 1986) und Bamberg (seit 1993)! Bauen muss man nämlich ebenso wenig wie man kostenintensive Vermittlungs-, Beschilderungs- oder gar Marketingprojekte finanzieren muss.

Dass ein UNESCO-Welterbe mehr bringt als es kostet, ist keine Vermutung …