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Freitag, 24.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Theatersanierung: Schafitel skandalisiert „Konzeptlosigkeit“

Stadtrat Volker Schafitel wirft der Stadtregierung in Sachen Theaterplanung Geldverschwendung und Konzeptlosigkeit vor, indem er in seiner „Pressemitteilung“, die eher einer Schmähschrift gleicht, die Planungs- und Baukulisse in Sachen Theater der zurückliegenden Jahre auflistet und bewertet. Schafitel beschreibt die vergangenen wie die aktuellen Vorgänge mit Zynismus.

Von Siegfried Zagler

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Zunächst geht Schafitel auf seine Kollegen aus Hamburg los: „Diese Bürogemeinschaft unter Leitung des Architekten Prof. Friedrich aus Hamburg (PFP) lieferte 3 Monate nach Auftragsvergabe am 11.12.2009 eine sogenannte „Studie“, die gespickt ist mit technischen Details wie der Festlegung des Bewegungsmelders für die Theater-WC´s. Trotz dieser erstaunlichen Detailliebe errechnete das Team in seiner Kostenschätzung einen Wert, der weniger als ein Viertel der heute bekannten, realistischeren Baukosten beträgt. In seiner „Studie“ ging das Planerteam von nicht verfügbaren Gebäuden und Grundstücken an der Volkhartstraße 2 und 4 aus, welches es in ihre Planvariante A einbezog. Zur Umsetzung ihres „Konzeptes“ verfügten sie darüber hinaus noch den Bau einer sogenannten „Containerbox“ dessen Kosten es „nach Angabe des Theaters Augsburg“ mit 3,7 Mio Euro angab unter der Voraussetzung einer „Restablöse“ von 1,0 Mio. Euro und einem Eigenleistungsanteil des Theaters Augsburg von 1,2 Mio. Euro für die Bühnentechnik, Gesamtkosten also 5,9 Mio. Euro. In der terminplanerischen Konzeptumsetzung sollte diese „ContBox“ ab Oktober 2011 nicht einmal 12 Monate stehen, um dann auf einem „anderen städtischen Grundstück“ eine zweite Interimsnutzung von knapp 3 Jahren bis 2015 zu absolvieren. Im Mai 2016 sollte dann alles (Großes Haus, neues Schauspielhaus, Probebühnen, Werkstätten, Verwaltung) fertig sein und die „ContBox“ an den Meistbietenden verkauft werden.

Schließlich wurde auf der Grundlage dieser Studie 2012 die Brechtbühne errichtet zu Kosten von 5,3 Mio. Euro (1,7 Mio. Euro Zuschuss) und mit einer Verweildauer bis 2026 – also statt geplanten 11 Monaten ganze 14 Jahre. War man sich damals schon im Klaren, dass die PFP-Studie das Papier nicht wert war, auf der sie geschrieben wurde?“

Weiter heißt es im Text: „Am 17.10.2013 beauftragte die Stadtregierung das Münchner Architekturbüro Achatz mit der „Objektplanung (Grundlagenermittlung, Vorentwurfsplanung, Entwurfsplanung) für die Generalsanierung des Großen Hauses, Stadttheater Augsburg“ für ein Honorar weit über einer halben Million Euro. Bei der am 10.02.2015 (nach 16 Monaten) durch den Architekten Achatz vorgestellten Studie, die sich weniger mit Steckdosen und Bewegungsmeldern als mit Nutzungsabläufen und Plankonzeptionen befasst, wurde ganz offensichtlich nicht auf der PFP-Studie aufgebaut und deren Kostenanalyse aus dem Reich der Wunschträume etwas näher an die Realität gerückt.”

Darüber hinaus geißelt Schafitel die damit zusammenhängenden Kosten als Verschwendung: “Mit einer Steigerung der Schätzkosten von über 400% für das Große Haus und von über 260% für die Gesamtmaßnahme inklusive neuem Schauspielhaus, Werkstätten und Verwaltung kann man die PFP-Studie heute als Geldverschwendung bezeichnen. – Auf einem anderen Blatt steht, wie man den Neubau, und nach der Achatzstudie den baldigen Abriss (2017) der Brechtbühne rechtfertigen will, zudem dort 1,7 Millionen Fördermittel stecken, die in diesem Fall ganz sicher zurückgezahlt werden müssten. Hinzu kommt noch eine knifflige bautechnische Herausforderung im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen für die geplanten Werkstätten, die nach Achatz an der Stelle der Brechtbühne entstehen sollen.“

Dort seien Lagerkeller bis in das dritte Untergeschoss geplant, was deshalb problematisch sei, weil dort zum Schutz der vermuteten Archäologie Betonbohrpfähle angebracht seien, deren Rückbau viel Zeit in Anspruch nähme, würde man auf die dort vermutete Archäologie Rücksicht nehmen. „Mit der „ContBox“ und deren möglichen Abriss wurden bisher mindestens 7,5 Mio. Euro in den Sand gesetzt, ohne genau zu wissen, wohin die Reise geht – weder beim künstlerischen noch beim baulichen Konzept“, so Schafitel, der in seiner Kostenauflistung das Ausschreibungsdesaster bei der „ContBox“ mit zirka 200.000 Euro zusätzlichen Kosten vergaß.