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Donnerstag, 11.07.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Krieg und Frieden

Streit ums Friedensfest: Bisheriges Rahmenprogramm steht auf der Kippe

Das Rahmenprogramm des Augsburger Friedensfests steht zur Debatte und wird wohl quantitativ wie inhaltlich verändert werden. Dies lässt sich aus den Vorgängen um den Antrag der Verwaltung ableiten, während der Antrag selbst eher im Ungefähren bleibt.

Von Siegfried Zagler

Friedensfest am 8. August auf dem Augsburger Rathausplatz © Stadt Augsburg

Am vergangenen Montag drückten die Stadträte der Augsburger Regierungskoalition (CSU/Grüne) im Kulturausschuss einen Antrag durch, der bereits im Vorfeld für heftige Diskussionen sorgte, die im Ausschuss fortgesetzt wurden. Es geht im Kern darum, dass die Stadt das Beiprogramm des Augsburger Friedensfestes kürzen und inhaltlich anders aufstellen möchte. Die Zielführung dabei: Der religiöse und kirchlichen Anlass des Augsburger Friedensfestes soll wieder stärker in den Fokus rücken. Das bisherige Programm leiste keine Trennschärfe und verwische die Tiefe des Religionsfrieden. Dieses Ansinnen aus dem OB-Referat, wo Eva Weber das Friedensfest politisch 2020 nach der Kommunalwahl verortet hat, kommt aber im Beschlussantrag nur verquast zur Sprache. Die Stadt spricht qua Antrag von einem “ergebnisoffenen, partizipativen Bewertungs-Prozess” , bei dem besondere Bürger (“Stakeholder”) eingebunden werden sollen. Es sei ein Antrag zum Nachdenken, sagte der CSU-Stadtrat Matthias Fink, der “überintellektuelle und überkulturelle Angebote” als Problem beim bisherigen Beiprogramm ausgemacht haben will – und damit den Geist des Verwaltungsantrags im Ausschuss zum Ausdruck brachte.

Der Kulturbeiratsvorsitzende Korbinian Grabmeier kritisierte gegenüber der DAZ das Papier scharf. Es sei handwerklich schlecht gemacht und lasse zu viele Fragen offen, wie zum Beispiel die Frage, wer den Prozess gestalten solle. Der Antrag hätte zunächst auf den Ausschuss im April verschoben werden sollen, was zu spät gewesen wäre, um in der Kürze der Zeit ein umfangreiches Rahmenprogramm gestalten zu können. Damit hätte die Stadt die normative Kraft des Faktischen wirken lassen. Der jetzige Antrag sei mit heißer Nadel gestrickt und widersprüchlich: einerseits ergebnisoffene Evaluation, andererseits deutlich Bewertungen in der Beschlussvorlage, so Grabmeier. Für ein vages Verfahren, wie es die Beschlussvorlage vorsehe, stehe der Kulturbeirat als Evaluationspartner jedenfalls nicht zur Verfügung”, so Grabmeiers Statement im Ausschuss.

Dort ließ Stadtdirektorin Melanie Haisch keinen Zweifel daran, dass es ein städtisches Streben nach Veränderung gebe: “Wir feiern das Friedensfest seit 2014 auf diese Weise, in dieser Zeit hat sich die Stadtgesellschaft stark weiterentwickelt”, so Haisch, deren Antrag eine klare Mehrheit fand. Nur die beiden Stadträte der Sozialfraktion stimmten dagegen.