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Donnerstag, 16.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

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Kahnfahrt: Wie viel Veränderung verträgt ein historischer Ort?

Rund 60 Interessierte disku­tierten am Montag­abend, 13. Juli, im Pfarrsaal von St. Max über die Zukunft der Kahnfahrt. Bei der Ver­an­staltung der alt­augsburg­gesell­schaft wurden die bis­herigen Planungen der Regio Augsburg Tourismus GmbH vorgestellt – und zahlreiche Fragen zur weiteren Ent­wicklung des tradi­tions­reichen Ortes aufgeworfen.

Von Bruno Stubenrauch

Gastro-Dampfer an der Kahnfahrt (Visuali­sierung: Architektur­büro Rumstadt, Bildnachweis: altaugsburggesellschaft)

Die Kahnfahrt am Oblatterwall gehört zu den besonderen histo­rischen Orten Augsburgs. Bei der Infor­mations­ver­anstaltung der alt­augsburg­gesell­schaft stand deshalb nicht nur die geplante bauliche Entwicklung im Mittel­punkt, sondern auch die Frage, wie der Charakter der Anlage erhalten werden kann.

Der Vorsitzende der alt­augsburg­gesell­schaft, Sebastian Berz, erinnerte zunächst an die histo­rische Bedeutung des Areals. Die Wallanlage mit Wasser­graben habe ihre heutige Struktur bereits im Kilianplan von 1626 erkennen lassen. Später diente die Kahnfahrt als Floßlände. Über den Wasserweg wurden unter anderem Bauholz und Schieß­pulver trans­portiert; regelmäßig gingen Flöße von Augsburg aus bis nach Wien – ein möglicher Auslöser für Karl Albert Gollwitzers Vision einer Hafenanlage aus dem Jahr 1900.

Die gastronomische Nutzung begann erst im 20. Jahr­hundert. In den 1940er Jahren entstand entlang der Stadtmauer eine überdachte Bewirtungs­möglich­keit. Berz stellte die Ent­wicklung der vergangenen Jahrzehnte gegenüber: Während der Oblatterwall noch nach dem Zweiten Weltkrieg von Industrie­gebäuden und Fabrikhallen geprägt war, sei heute ein Wohn­umfeld entstanden. Daraus ergebe sich die Frage, wie eine inten­sivere gastro­nomische Nutzung mit dem jetzt gewachsenen Umfeld vereinbar ist.

Zwei Konzepte – und eine dritte Idee

Im Mittelpunkt des Abends standen die bisher bekannten Planungen für die Weiter­ent­wicklung der Kahnfahrt. Die Regio Augsburg Tourismus GmbH als Auftrag­geber verfolgt gemeinsam mit Architekt Michael Rumstadt ein Konzept, das unter anderem eine neue Steg­anlage, einen Terrassen­bereich in zwei Ebenen und langfristig ein Gastro­nomie­schiff vorsieht.

Die altaugsburggesellschaft stellt diesen Über­legungen eine eigene Variante gegenüber. Ein wesent­licher Unterschied liegt bei der witterungs­geschützten Bewirtung: Während die Regio-Planung das Gastro-Schiff vorsieht, setzt die alt­augsburg­gesell­schaft auf eine Nutzung und behutsame Erweiterung des bestehenden Gebäudes und ein geschlossenes Schirmdach.

Auch bei der Gestaltung der Außen­bereiche gibt es Unterschiede. Nach Darstellung der alt­augsburg­gesell­schaft würde eine breitere, dreistufige Terrasse mit flacheren Treppen der Situation besser gerecht. Bei der geplanten Steganlage sieht der Verein zudem mögliche Probleme für den Boots­betrieb und schlägt einen Längs­anlegeplatz vor.

Aus dem Publikum kam ein weiterer Vorschlag: Eine Zuhörerin vermisste eine dritte Variante – die Rückkehr zu der früheren Lösung mit einer Über­dachung entlang der Stadtmauer.

Warnung vor unterschätztem Aufwand eines Schiffs

Einen besonderen Blick auf das Thema Gastronomie­schiff brachte der Architekt John Höpfner ein. Er berichtete aus seiner Arbeit an der Sanierung des ehemaligen Dampf­schiffs Andechs, das heute als schwimmendes Clubheim seines Vereins, der Baye­rischen Segler­ver­einigung genutzt wird.

Das 1907 gebaute, rund 30 Meter lange Schiff, vom Verein 1956 für 7.000 DM erworben, wird seitdem im 15- bis 20-jährigen Turnus aufwändig saniert. Zurzeit steht es im Trocken­dock in Stegen am Ammersee. Die aktuelle Sanierung wird nach Angaben Höpfners rund 750.000 Euro kosten. Der Verein investiert neben angesparten 300.000 Euro zudem erheb­liche Eigen­leistungen: allein 4.500 Arbeits­stunden seien bereits in die Aufbauten geflossen. Rund 30 Prozent des stählernen Schiffs­rumpfs mussten erneuert werden.

Fehlende Infrastruktur für die Wartung

Höpfner warnte davor, den Unterhalt eines Schiffes im Wasser zu unter­schätzen. „Sobald ein Schiff im Wasser liegt, ist das Wasser ein Gegner“, lautete seine zentrale Botschaft. Mit einem Augen­zwinkern schilderte er, dass zuletzt sogar Bewuchs und Schmutz­ab­lagerungen eine erhebliche Rolle für die Dichtig­keit der Andechs gespielt hätten. Seine Einschätzung: Ohne geeignete Infra­struktur für Wartung und Repara­turen, wie man sie am Ammersee u.a. mit einem Trockendock habe, sei ein dauerhaft an der Kahnfahrt im Wasser liegendes Schiff mit erheb­lichen Heraus­forderungen verbunden.

Er stellte drei realisierte Lösungen vor, bei denen Schiffe zur Weiter­nutzung trocken auf­gestellt wurden. Dann sei das Schiff aber ein Fremdkörper, gerade in einer von Wasser und histori­scher Struktur geprägten Anlage. Der besondere Reiz der Kahnfahrt liege gerade darin, auf das Wasser schauen zu können.

Bürger wünschen Klarheit über weitere Schritte

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Teilnehmer eine behutsame Weiter­ent­wicklung der Kahnfahrt wünschen. Gleichzeitig wurde die Forderung laut, die Planungen trans­parent zu erläutern und die Bürger stärker ein­zu­beziehen.

Sebastian Berz betonte, Ziel der Veran­staltung sei nicht eine Blockade der Entwicklung, sondern der Austausch mit den Ver­ant­wort­lichen. „Die Stadt soll kommuni­zieren, wie sie es will“, sagte er sinngemäß. Er zeigte sich überzeugt, dass Impulse aus der Bürger­schaft auch in politische Beratungen ein­fließen werden.

altaugsburggesellschaft sucht den Austausch

Berz sieht seinen Verein in einer mode­rierenden Rolle. Man wolle die Dis­kussion fort­setzen: „Wir werden einen Königsweg finden. Die Stadträte brauchen den Impuls von der Basis“, so Berz. In einem Schreiben an Ober­bürger­meister Dr. Florian Freund fasst der Verein die bei der Ver­an­staltung geäußerten Bedenken zusammen und bittet darum, die bis­herigen Planungen hin­sicht­lich ihrer Mach­bar­keit nochmals zu prüfen.

Wie die Kahnfahrt künftig aussehen wird, ist damit weiterhin offen. Fest steht: Der histori­sche Ort steht vor der Heraus­forderung, Tradition, neue Nutzung und die Interessen des gewach­senen Wohn­umfelds mit­einander zu verbinden.


Mehr Informationen: Gegen­über­stellung der Planungen Regio/Rumstadt und alt­augsburg­gesell­schaft (pdf, 4,39 MB)

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