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Donnerstag, 01.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Theater

Bovary am Staatstheater neu interpretiert: Kein Fall von Schwärmerei

Eine „Cover-Version“ des Romans von Gustave Flaubert „Madame Bovary verspricht die kroatische Autorin Ivana Sajko. Ihr Stück „Bovary, ein Fall von Schwärmerei“ hatte nun in der Übersetzung von Alida Bremer die deutschsprachige Erstaufführung am Augsburger Staatstheater.

Von Halrun Reinholz

„Diese Bovary ist kein Fall von Schwärmerei“ © Jan-Pieter Fuhr

Die großen Ehebruchsromane des 19. Jahrhunderts sind standardisierte Klassiker der Weltliteratur – auch Flauberts Madame Bovary gehört dazu. Ivana Sajko geht davon aus, dass dieser Klassiker den Lesern und Theaterzuschauern grundsätzlich und auch im Detail bekannt ist. Darauf baut sie ihre „Cover-Version“ auf, die ein Kommentar des Romans ist, eine Analyse der „Schwärmerei“, die die junge, naive und lebenshungrige Emma Bovary in den Ruin treibt. 

Ein literaturwissenschaftliches Projekt, als solches sicher spannend, aber für die Theaterbühne wenig geeignet. Was bringt einem Zuschauer der heutigen Zeit die Schwärmerei der jungen Emma Bovary? Welchen Stellenwert haben Ehebruch, Neuorientierung, Partnerwechsel für die Menschen von heute? Das wären Fragestellungen gewesen, die sich für die Neubearbeitung des Stoffes angeboten hätten. Dramaturgisches Potenzial haben Beziehungskisten damals wie heute, doch das ist nicht das Anliegen der Autorin. 

So sehen sich die Zuschauer in der Brechtbühne konfrontiert mit sechs weiß gekleideten Akteur(inn)en , drei Männer (Klaus Müller, Roman Pertl, Thomas Prazak) und drei Frauen (Jeanne Devos, Ute Fiedler, Karoline Stegemann), die ohne feste Rollenzuteilung über die Charaktere aus dem Roman reflektieren. Miriam Busch (Bühne und Kostüme) lässt sie unter einem Strauch von Blauregen agieren. Der schauspielerische Einsatz beschränkt sich auf Sprechchöre oder Einzel-Statements, keine Reflexion oder Identifikation mit der Rolle, die oft ohnehin nicht festgelegt ist. 

Dazwischen poppige Musik (Ellen Mayer), die laut Angabe des Theaters die Rolle des „Suchtstoffes“ einnimmt, der im Roman als Kaufsucht auftaucht. Doch dafür steht sie zu sehr im Hintergrund. Die Beweggründe von Emma Bovary, ihre Sehnsüchte und Zwänge, sind zweifellos auch in der Gegenwart ein Thema. Die Aufführung führt aber daran vorbei. Kommentar statt Empathie, dazu braucht es keine Bühne. Zumal auch die Verteilung der Rolle auf mehrere Personen, die teilweise gleichzeitig unterschiedlichen Text sprechen, selbst den Kommentar nicht zur Geltung kommen lassen. Diese Bovary ist kein Fall von Schwärmerei, entsprechend verhalten der Applaus des Publikums.

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