Premiere auf der Sommerbühne: Wie gut sieht man wirklich?
Endlich geht es los: Nach der Schließung der Freilichtbühne am Roten Tor feiert „Monty Python‘s Spamalot“ am 27. Juni 2026 Premiere auf der neuen Sommerbühne am Gaswerk – mit frecher Doppelbödigkeit und mitreißender Musik. Doch die Freude über die neue Spielstätte wird von einer Frage überschattet: Wie gut kann das Publikum auf der provisorischen Tribüne überhaupt sehen? Die DAZ hat nachgemessen und gerechnet.
Von Bruno Stubenrauch
Die frisch fertiggestellte Tribüne der Sommerbühne am Gaswerk
Die Handlung auf der Bühne: König Artus schart die schrägsten Ritter aller Zeiten um sich, um dem göttlichen Auftrag der Suche nach dem Heiligen Gral nachzukommen. Dabei schlägt sich die illustre Gemeinschaft mit den absurdesten Widrigkeiten herum – und das Musical macht sich ebenso über sich selbst wie über die ehrwürdige Artus-Sage lustig. Die musikalische Leitung hat Sebastiaan van Yperen, für die Inszenierung zeichnet Anna Weber verantwortlich. Bühne und Kostüme stammen von Sina Manthey bzw. Laura Kirst. Doch die eigentliche Geschichte spielt sich abseits der Bühne ab – auf der Zuschauertribüne.
Die Geometrie der Tribüne
Die Anfang Juni fertiggestellte Sommerbühne hat exakt 1200 Sitzplätze und ist in drei Blöcke aufgeteilt: Block A (links), Block B (Mitte) und Block C (rechts). Die äußeren Blöcke haben je 20 Sitze nebeneinander, der Mittelblock 40. Alle Blöcke umfassen 15 Reihen. Die ersten neun Reihen weisen eine Steigung von etwa 20 Prozent auf, die Reihen 10 bis 15 eine Steigung von etwa 40 Prozent. Die Reihen sind nicht versetzt – die Stühle stehen exakt hintereinander.
Blick auf das Spamalot-Bühnenbild: nicht auf Lücke versetzte Stuhlreihen
Der C-Wert – was steckt dahinter?
Zur Beurteilung der Sicht ist der sogenannte C-Wert maßgeblich. Er berechnet sich aus den Sichtlinien vom Augpunkt der Zuschauer zum Fokuspunkt auf der Bühne. Bei Musikveranstaltungen liegt der Fokuspunkt in der Regel 50 cm von der vorderen Bühnenkante entfernt und 60 cm über dem Bühnenboden. So kann der Zuschauer bei freier Sichtlinie die Akteure zumindest ab Hüfthöhe sehen.
Damit der Blick nicht vom Kopf des Vordermanns unterbrochen wird, muss dessen Augpunkt mindestens 12 Zentimeter unter der eigenen Sichtlinie liegen – der durchschnittliche Abstand zwischen Aug- und Scheitelpunkt beim Menschen. Ein C-Wert von 12 oder mehr bedeutet optimale Sicht, ein Wert unter 12 hingegen, dass der Blick zunehmend nicht mehr ungehindert über den Scheitel des Vordermanns gehen kann.
Die Messergebnisse der DAZ
Auf der Sommerbühne ergibt sich folgendes Bild: In Reihe 2 beträgt der C-Wert 9. Das bedeutet, dass die obere Körperhälfte der Schauspieler noch sichtbar bleibt, der Blick aber teilweise durch die Köpfe der Vorderleute beeinträchtigt wird. Bis Reihe 9 fällt der Wert kontinuierlich auf 5,5 ab. Der Wert von 5,5 bedeutet auf der Sommerbühne, dass ein 1,80 Meter großer Schauspieler an der Bühnenkante komplett vom Kopf des Vordermanns verdeckt wird – bei geradeaus nach vorn gerichtetem Blick.
Ab Reihe 10 ändert sich das Bild schlagartig: Dort liegt der C-Wert bei 22 und fällt bis Reihe 15 auf immer noch hervorragende 17 ab. Hier blickt man auf allen Plätzen frei über den Scheitelpunkt des Vordermanns.
Besonders betroffen ist das mittlere Drittel des 40 Stühle breiten Mittelblocks (Block B), etwa ab Reihe 4 oder 5 bis zur Reihe 9. Der Vordermann verdeckt zunehmend den Blick zur Mitte der Bühne. Anders verhält es sich in den äußeren Dritteln des Mittelblocks: Wer von dort zur Bühnenmitte blickt, sitzt quasi „auf Lücke“ und sieht schräg am Vordermann vorbei – hier ist die Sicht deutlich besser als im mittleren Drittel.
Der Block B von der Bühnenmitte gesehen: In den seitlichen Dritteln sitzt man „auf Lücke“ (Fotos und Grafik: DAZ)
Tipp: Reihen ab 11
Die DAZ empfiehlt Plätze ab Reihe 11. In Reihe 1 hat man zwar keine Vorderleute, aber je nach Körpergröße ist der Geländerholm im Weg. Ab Reihe 11 kommt zum hohen C-Wert ein weiterer Vorteil hinzu: Der Preis sinkt von 40 Euro (Preisgruppe 3) auf 32 Euro (Preisgruppe 4). Bessere Sicht zum günstigeren Preis – ein klarer Fall für alle, die auf Augsburgs neuer Ersatzspielstätte Wert auf ein ungetrübtes Bühnenerlebnis legen.



