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Samstag, 27.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

ku.spo: Eine Gaudi wird zur Lachnummer

Von Siegfried Zagler

Als das „Pilotprojekt ku.spo“ im Frühjahr dieses Jahres in den Ausschüssen (Kultur/Sport) vorgestellt wurde, gab es zwei Bemerkungen aus den Reihen der Stadträte, die das von Beginn an umstrittene Grab-Projekt zutreffend hinterfragten. Bernd Kränzle (CSU) wollte wissen, wie das Ganze in der Kürze der Zeit zu stemmen sei und Willi Leichtle (SPD) gab lakonisch zu Protokoll, dass man nicht mit diesem Projekt beweisen müsse, dass man das Kultur- und Sportreferat zusammenlegen könne. Bis zur ersten konkreten Verteidigung des Projektes durch Oberbürgermeister Kurt Gribl im DAZ-Gespräch gab es außer dem niedrigschwelligen „Konzeptpapier“, das seinerzeit von Iris Steiner vorgestellt wurde, weder eine politische noch eine plausible Erklärung dafür, was man mit ku.spo denn eigentlich erreichen wolle. Ende März 2009 wurde im Kulturausschuss vorgetragen, dass die Veranstaltungsreihe drei Eckpfeiler umfasse: Die Eröffnung des neuen Stadions, die Landesausstellung Bayern-Italien 2010 sowie die Frauenfußball-WM 2011. Die Eröffnung der neuen Fußballarena in Haunstetten ging Ende Juli über die Bühne. Das Pilotprojekt ku.spo hat dazu inhaltlich nichts beigetragen, außer einem Geldbetrag von 5.954,41 Euro. Für das Programm der Eröffnungsfeierlichkeiten mit Tenören und Feuerwerk zeichnete allein der FCA verantwortlich. Dies räumte Peter Grab auf eine Anfrage der Grünen Stadtratsfraktion ein, womit ein Eckpfeiler des „Konzeptes“ mit dem Begriff „6000-Euro-Sponsoring“ beschrieben ist. Kommt damit zum Ausdruck, was Karl Heinz Englet gemeint hat, als er die Kulturpolitik von Peter Grab als „visionslos“ bezeichnete?

Ohne DFB-Logo: ku.spo-Webseite

Ohne DFB-Logo: ku.spo-Webseite


Vom Freistaat Bayern bekomme die Stadt für ku.spo keine Unterstützung und „Mitte September entscheidet die DFB-Kulturstiftung über die Höhe des Zuschusses für die Veranstaltungen „Monolog“ und „Augsburg Calling“ im Rahmen des ku.spo Projektes“, so das Kulturreferat im Antwortscheiben an die Grünen. Zur Erinnerung: ku.spo ist mit 200.000 Euro pro Jahr kalkuliert worden. 100.000 Euro wurden dafür 2009 in den Haushalt gestellt, der Rest sollte über Zuschüsse und Sponsoring finanziert werden. Warum der DFB darauf bestand, dass die Stadt das DFB-Logo von der ku.spo-Homepage nehmen solle, ist zwar noch nicht durchgesickert, aber offensichtlich ist man in Frankfurt nicht gefragt worden, ob man das DFB-Logo überhaupt auf die Sponsorenleiste stellen dürfe. Natürlich könnte man ob dieser Kleinigkeit noch andere Spekulationen liefern, doch warten wir einfach mal ab. Vielleicht kommt ja noch eine erklärende Stellungnahme über die Pressestelle der Stadt. Es wäre nicht das erste Mal, dass über die Pressestelle zu den Kapriolen aus dem Kulturreferat Stellung bezogen wird. Ein ehemaliger Intendant des Augsburger Stadttheaters (Peter Baumgardt) stand als Person plötzlich im ku.spo-Rahmen. Er solle das Kulturprogramm während der Frauen-WM 2011 erstellen und organisieren. So war es der Augsburger Allgemeinen zu entnehmen. Wenig später wollte davon niemand gewusst haben, am wenigsten Baumgardt selbst. Das Herzstück des ku.spo-Programms, die feierliche Gala im Schwimmbad (damit es auch alle verstehen: Gala = Kultur, Schwimmbad = Sport) wurde von Herzchirurg, besser: Finanzreferent Hermann Weber entfernt. Im September soll eine Diskussionsrunde mit bekannten Persönlichkeiten aus den Bereichen Sport und Kultur veranstaltet werden. Von Oliver Kahn oder Mehmet Scholl war die Rede. Die niederschwellige Diskussionsrunde findet dieses Jahr nicht statt und sie wird vermutlich auch nächstes Jahr nicht stattfinden. Dafür darf der Popkulturbeauftragte Richard Goerlich zusammen mit FCA-Fans und lokalen Graffitisprayern eine Betonwand in Stadionnähe mit Fußballmotiven besprühen.

Hunderte von Augsburger Vereinen wurden von der Stadt angeschrieben, sie sollten sich eine Form überlegen, mit der sie sich in das Projekt einbringen können. Das Echo war so schwach, dass man nicht von Resonanz sprechen konnte. Zurzeit versucht Projektleiterin Karin Schubert zu retten, was zu retten ist. Ende des Monats finden im Rahmen der Kunstausstellung „Irdische Paradise“ kleine Schachturniere statt, Kinder sind mit von der Partie. Sportler lesen in der neuen Stadtbücherei Kindern aus Kinderbüchern vor. Dagegen ist nichts zu sagen, aber offensichtlich sind das die Highlights, oder besser gesagt, die wertvollen Elemente eines teuren und ambitionierten Projekts, dessen traurige Überbleibsel bis jetzt nicht im Geringsten die beabsichtigten Effekte zu generieren scheinen. Die Veranstaltungsreihe ku.spo trägt weder zur positiven Imagebildung der Kulturstadt Augsburg bei noch zur Profilbildung des Kulturreferenten Peter Grab. Das Gegenteil ist der Fall, man macht sich lächerlich.