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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Filmkritik: Black Panther – Ein neuer Blick auf das Superheldengenre – mit einer Anti-Trump Message

Marvel schafft es auch mit seinem 18. Film „Black Panther“ die Qualität zu halten und auch wieder einen pointiert politischen Superheldenfilm zu machen – mit kleinen Stichen gegen Trump

Am 15. Februar kam mit „Black Panther“ Marvels 18. Film in die Kinos und hatte bereits großen kommerziellen und kritischen Erfolg. Ein groß erwarteter Aspekt des Films war der sozio-politische: Der Protagonist, gespielt von Chadwick Boseman, ist schwarz, zum ersten Mal in einem MCU-Film. Der Cast ist größtenteils schwarz, ebenso wie Regisseur Ryan Coogler und Drehbuchautor Joe Robert Cole. Der Film spielt größtenteils in Afrika und stellt dezidiert die Fragen, wie Schwarze mit der Vergangenheit der Kolonisierung und afrikanischen Diaspora umgehen sollen und der Diskriminierung in den anderen Teilen der Welt. Und doch ist es mehr als nur ein „Superheldenfilm für Schwarze“.

Wie bereits gesagt, behandelt der Film mehrere wichtige geopolitische Fragen unserer Zeit – und das aus der Sicht von Schwarzen und einer afrikanischen Nation. noch dazu einer fiktiven, die niemals selbst der Kolonisation unterworfen war und vielen (westlichen) Ländern technologisch voraus ist.

Der Plot

Zunächst entwirft der Film mit dem fiktiven Wakanda einen afrikanischen Staat, der anders als die üblichen Darstellungen afrikanischer Länder, selbstständig, technologisch fortgeschritten und fast am wichtigsten: niemals kolonialisiert worden ist. Dieser Ausgangspunkt (neben dem offensichtlichen, übermenschlichen schwarzen Superhelden) ist eine erfrischende Abwechslung zum Opfermythos Afrikas, den das ganze politische Spektrum stets bemüht hat und damit eine bestärkende Botschaft für Afro-Amerikaner und Schwarze anderswo. Es spiegelt panafrikanische Träume eines afrikanischen gelobten Landes wider und bringt Schwarze und eine afrikanische Nation (endlich) in die Position der Macht.

Diese Möglichkeiten der Entscheidung führen zu der großen Frage, die sich alle Nationen und Völker in dieser hyperglobalisierten Welt stellen müssen: Ist man eine offene Gesellschaft, mit offenen Grenzen und tolerant gegenüber Minderheiten, oder ist man eine geschlossene Gesellschaft, mit Mauern und überlässt den Rest der Welt sich selbst? Der zentrale Konflikt des Films nimmt jedoch zunächst eine Sonderform dieser Frage an: T’Challas Vater und seine Vorfahren schotteten Wakanda von der Außenwelt ab, hielten trotz ihrer fantastischen Technik sehr stark an Traditionen fest, sprechen abfällig über Flüchtlinge und äußern mehrfach patriotische Ausrufe, die nicht unbeabsichtigt beinahe wie „Wakanda first“ klingen. Diese Position wird von dem Antagonisten, Killmonger, gespielt von Michael B. Jordan, radikal abgelehnt: Dieser fordert der weißen Vorherrschaft in der Welt mit Gewalt und der „black supremacy“ zu antworten: Sich der Welt zu offenbaren und eine Gegen-Kolonialisierung zu starten, hier werden auch berechtigte Rache-Fantasien gemalt.

Der Protagonist ist nun zwischen diesen Positionen hin- und hergerissen, welches zu einem glaubhaften, und nicht schwarz/weißen (pun intended) Weltbild führt. T’Challa besiegt Killmonger zwar auf physischer Ebene, ist auf ideologischer jedoch gezwungen, die Fehler seines Vater und Vorfahren einzusehen und sich davon abzuwenden. Doch anstatt Killmongers Gegen-Kolonialisierung anzunehmen, entschließt er sich für den dritten, den Mittelweg: Für eine offene und tolerante Gesellschaft, die nicht die Fehler und Verbrechen der Weißen wiederholt.

Die Botschaft

Es ist eine Absage an Kolonialisierung, an Isolationismus, an „Wakanda First“, an Mauern („Lasst uns Brücken bauen, nicht Mauern“) und gleichzeitig an Gewalt und Unterdrückung. Und damit in doppelter Hinsicht gegen Ethno-Pluralismus, Abschottung und Rassismus und damit sehr Anti-Trump. Im Kern ist der zentrale Konflikt eine Neuauflage der intellektuellen Debatte Martin Luther Kings und Malcom X, in der der Weg Kings als der richtige aufgezeigt wird. Es ist gleichzeitig eine allgemeine Frage an eine angemessene Reaktion auf die Globalisierung und eine spezifische für Schwarze und Afrikanische Nationen zur afrikanischen Diaspora gleichermaßen und deshalb nicht nur, aber auch so interessant.

Der Konflikt ist natürlich, relevant und sehr gut durchgeführt, was zu einem facettenreichen Antagonisten und unterhaltsamen Film führt.

Kamera und Ästhetik

Die ohnehin schon riesige Welt des Marvel Cinematic Universe wird durch diesen Film kreativ bereichert. Und der Film nimmt sich die Zeit, um Landschaften und Szenen atmen zu lassen. Die afro-futuristische Ästhetik und die stellenweise clevere Kameraführung lassen einen immer wieder vergessen, dass man in einem Marvel-Superheldenfilm sitzt. CGI-Technik vor allem im dritten Akt lassen ein wenig zu wünschen übrig und werden fast zu viel verwendet, was den finalen Konflikt optisch etwas schwächeln lässt. Die Cinematographie ist schön, fantastisch aufgebaut und erinnert vielleicht nicht unabsichtlich an König der Löwen – was nicht einmal eine Kritik ist – und sich auch ein wenig im Plot widerspiegelt.

Nicht ohne Schwächen, aber bunt, und eine etwas gewöhnungsbedürfte synkretische mise-en-scène, aber es bleiben eindrucksvolle Bilder zurück, die den Film visuell hervorstechen lassen.

Obwohl der ideologische Konflikt sehr ausgearbeitet ist und exzellent funktioniert, so braucht der Film doch lange, bis er Fahrt aufnimmt. Das gibt ihm zwar Zeit zu atmen und die Charaktere auszugestalten, lässt einen aber bis zum Ende des zweiten Akts wundern, was denn der Konflikt des Films überhaupt ist und in welche Richtung er sich bewegt. Der Plot geht hierbei auf Kosten der Weltbildung und Charaktertiefe etwas verloren und fühlt sich mehr an wie eine lose Aneinanderreihung von letztlich bedeutungslosen Kampfszenen, unterbrochen von Exposition. Erst der dritte Akt hat die vermisste strenge und den klaren Konflikt, schwächelt aber auch stellenweise an der Umsetzung. Dennoch wird der Konflikt von der starken politischen Implikation getragen, was die Schwächen der ersten beiden Akte etwas wieder gut macht.

Die Schauspieler

Die Darstellung der Schauspieler ist hervorragend, auch von weniger bekannten wie Letitia Wright und Winston Duke, die es verzeihen, wenn der Fokus von den Hauptcharakteren abweicht. Aber auch die Leistung von Michael B. Jordan muss gesondert gelobt werden, der charismatisch und mit einigen guten Szenen glänzen konnte. Kostüme waren ein erfrischender neuer Look haben dezidiert zur Individualität der Charaktere und des Films als Ganzes beigetragen. Der im Vergleich zu anderen Filmen große Anteil schwarzer Schauspieler und vor allem Frauen wirkt ungewohnt, aber genau deshalb ist es ein großes Plus und trägt zu einem erfrischend anderen Kinoerlebnis bei.

Die Musik

Der Original Soundtrack von Kendrik Lamar trägt angemessen zur symbolischen Tiefe des Films bei und landete in den amerikanischen Billboardcharts auch auf Platz 1. Ludwig Göransson Score ist nicht schlecht, jedoch aber auch nicht so gut, dass er einem positiv auffallen würde. In den Momenten, in dem die Musik nicht nur unterstützend funktioniert bleibt sie immer noch zurückhaltend und ohne hörbare Höhepunkte. Auch ist es stellenweise schwer einzuschätzen, ob sich die Musik an einem wie auch immer gearteten afrikanischen Thema oder an Hip-Hop orientieren will. Der Score macht seine Aufgabe, ist aber letztlich leider nicht weiter beachtenswert.

Thomas Laschyk hat Master Internationale Literaturen in Augsburg studiert. Der gebürtige Augsburger bloggt über politische Themen auf “Der Volksverpetzer” und ist ehrenamtlicher Mitarbeiter der Faktenchecker von Mimikama. Foto: privat



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