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Donnerstag, 09.06.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

FCA vs. 1860 1:2

In einer kampfbetonten und von beiden Seiten offensiv geführten Zweitligapartie verlor der FC Augsburg am gestrigen Sonntag gegen den TSV 1860 München in der – nach offiziellen Angaben des FCA – ausverkauften impuls arena vor 30.660 Zuschauern mit 1:2 und konnte in der „Woche der Wahrheit“ seine Aufstiegsambitionen nicht untermauern.

Von Siegfried Zagler



Nach der indiskutablen Leistung in Duisburg stellte FCA-Trainer Jos Lukukay seine Mannschaft auf fünf Positionen um. Für Mohamed Amsif stand Stammkeeper Simon Jentzsch im Kasten und auf der rechten Verteidigerseite kehrte Paul Verhaegh für Marcel Ndjeng wieder in die Startelf zurück. Auf der rechten Außenbahn ersetzte Daniel Baier Sören Bertram und Torsten Oehrl sollte hinter den beiden Spitzen Michael Thurk und Stephan Hain für Torgefahr sorgen. – Beide Mannschaften spielten von Beginn an zielstrebig nach vorne, so dass sich aus Spielverlauf heraus ein munteres Rauf und Runter mit guten Einschussmöglichkeiten auf beiden Seiten entwickelte, wobei die Münchner optional einen Tick gefährlicher wirkten. Die größte Torchance in der ersten Halbzeit hatte jedoch Uwe Möhrle für den FCA. Möhrle wurde von der indisponierten 60er-Abwehr nach einem Freistoß von Baier der Ball aufgelegt, doch Möhrle drosch das Spielgerät völlig freistehend aus 8 Metern über das Tor von 60-Keeper Kiraly und vergab somit kläglich die erste 100prozentige Torchance der Augsburger (28). Zehn Minuten später klingelte es im Kasten von Simon Jentzsch. Nach einer Bierofka-Ecke kam Stefan Aigner aus spitzem Winkel zum Schuss und donnerte das Leder wuchtig in die Maschen. Daniel Baier muss sich bei dieser Aktion den Vorwurf gefallen lassen, nicht mutig genug in die Schussbahn gestellt zu haben. Im Gegenzug hatte Stephan Hain die große Ausgleichschance. Hain tunnelte einen Löwen-Verteidiger, schoss aber eins zu eins vor Kiraly, der gedankenschnell den Winkel verkürzte, den Löwen-Keeper an. Ein FCA-Klassiker in der unendlichen Reihe vergebener Großchancen (40). Die Führung für die Münchner ging allerdings in Ordnung, zumal Schiedsrichter Dingert kurz vor dem Halbzeitpfiff ein völlig korrektes Tor des Münchners Djordje Rakic nicht gab. Außer den Unparteiischen sah im Stadion niemand eine Abseitsstellung von Rakic. Ohne diesen Blackout des Schiedsrichtergespanns wären die bärenstarken Löwen kurz vor der Pause auf der Siegerstraße gewesen.

Die Münchner wirkten weiterhin zielstrebiger und effizienter im Spiel nach vorne

Glück für den FCA, der wenige Sekunden nach Wiederanpfiff aufgrund einer feinen Einzelleistung von „Ibo“ Traore zurück in der Partie war. Traore schnappte sich im Mittelfeld den Ball, nahm in unwiderstehlicher Art Tempo auf, umkurvte zwei Münchner und zog aus 20 Metern ab, Thurk fälschte das Leder ohne eigenes Zutun unhaltbar für Kiraly ab (46.). Die beste Tat des wirkungslosen Sturmführers der Augsburger, der abermals sehr fahrig spielte und viele leichte Ballverluste zu verantworten hatte. Trotz des schnellen Ausgleichs und einer zahlreicher guter Spielzüge seitens des FCA, wirkten die Münchner weiterhin zielstrebiger und effizienter im Spiel nach vorne, weshalb die erneute Führung der Löwen im Logiklehrbuch für typische Spielverläufe nachzulesen sein sollte. Ein Buch, das freilich erst noch geschrieben werden muss. Nach einer Lauth-Ecke kam Stefan Bell – sehr unzureichend von Torsten Oehrl gestört – zum Kopfball und wuchtete den Ball ins Netz, ohne Jentzsch eine Chance zu lassen. Wenig später musste Augsburgs Sechser Andrew Sinkala nach wiederholtem Foulspiel vorzeitig das Match verlassen: Gelb-Rot (75.). In der wenig druckvoll gestalteten Schlussoffensive kam der FCA – mehr oder weniger zufällig – durch Michael Thurk – zu der dritten Großchance, doch Thurk vergab überhastet.

Thurk gibt Inzaghi die Ehre

Michael Thurk: Schnittstelle aller Probleme

Michael Thurk: Schnittstelle aller Probleme


Fazit: In den vergangenen drei Spielen gab es beim FCA mehr Schatten als Licht, dennoch wären sechs Punkte bei einer besseren Auswertung der zahlreichen Torchancen im Bereich des Möglichen gewesen. Der Spielerkader des FCA gehört zu den Besten in der Zweiten Liga, aber Jos Luhukay ändert Aufstellung und taktische Ausrichtung von Spiel zu Spiel und hat aus dem hochkarätigen Kader noch keine nachhaltige Struktur herausgeschliffen. Traore und Bellinghausen zeigten gegen 1860 einen vielversprechenden Formanstieg. Auf der rechten Abwehrseite zeigte Verhaegh ebenfalls eine ordentliche Leistung, während die Innenverteidigung mit Möhrle und Kwakman insgesamt zu instabil wirkte. Torsten Oehrl kanns besser und Baiers zuverlässige Formschwankungen erinnern ein wenig an den jungen Schweinsteiger. FCA-Youngster Hain sollte lernen, beim Torschuss ein Auge auf den Keeper zu werfen, schließlich wäre der dribbelstarke Hain bei einer besseren Chancenauswertung eine außerordentliche Verstärkung. Die Schnittstelle aller Problemstellungen bleibt allerdings Michael Thurk, der vom Torminator und Sturmführer vergangener Tage zum blassen Mitläufer mutiert ist. Thurks fußballerische Qualität zeigt sich nur noch in Ansätzen und insgesamt gibt der ehemalige Augsburger Schlüsselspieler in dieser Saison mit seiner „theatralischen Fallsucht“ und seiner schwachen Laufarbeit „Pippo“ Inzaghi die Ehre, der bei Milan derzeit meist auf der Bank „glänzt“. Am kommenden Wochenende müssen die Augsburger in Aue antreten, und dort hängen die Trauben bekanntermaßen hoch.

FCA: S. Jentzsch, – P. Verhaegh, K. Kwakman, U. Möhrle, A. Bellinghausen, – D. Baier, A. Sinkala, T. Oehrl, I. Traoré, – M. Thurk, S. Hain

Eingewechselt: N. Rafael (76.); S. Bertram (76.).

Ausgewechselt: D. Baier (76.); S. Hain (76.).

Auswechselbank: T. Werner; M. De Jong; M. Ndjeng; D. Brinkmann; M. Amsif.

Tore: 0:1 Stefan Aigner (38.); 1:1 Ibrahima Traoré (46.); 1:2 Stefan Bell ( 71.).