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Freitag, 08.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

FCA in Bremen: Ein Sieg muss her!

Für den FC Augsburg sollte es keine Rolle spielen, ob es sich am heutigen Sonntag (15.30 Uhr) um ein Endspiel für den angezählten Bremer Trainer Viktor Skripnik handelt oder nicht. In Bremen zählt für den FCA nur eins, nämlich ein Sieg.

Von Siegfried Zagler



In dieser Mission muss allerdings der Fluch der ersten beiden Spieltage überwunden werden, da die Augsburger seit ihrer Zugehörigkeit zur Bundesliga bisher jeden Start verschliefen und noch nie in den ersten beiden Spielen gewinnen konnten. Trotzdem fahren die Brechtstädter mit breiter Brust an die Weser und erstmalig mit einem kompletten Kader – nur Callsen-Bracker fehlt noch verletzungsbedingt.

Nach der bescheidenen Offensiv-Vorstellung in der Heimpremiere gegen Wolfsburg will FCA-Trainer Dirk Schuster in Bremen mehr Tempo in der Vorwärtsbewegung sehen und erwartet auch Präzision beim finalen Pass. Ginge es nach Schuster, würde der FCA über die gesamten 90 Minuten den Bremer Spielfluss so früh wie möglich unterbinden, um so selbst Zugriff auf das Geschehen zu gewinnen. „Wir müssen uns zerreißen. Ich erwarte, dass uns Werder Bremen einen heißen Tanz bietet“, so Dirk Schuster, der damit rechnen muss, dass sich die Augsburger auch in diesem Jahr von Beginn an gegen den Abstieg stemmen müssen.

Dass es für den FCA in dieser Saison so gefährlich wie in den ersten beiden Bundesligaspielzeiten der Augsburger werden könnte, hat damit zu tun, dass die beiden Aufsteiger Freiburg und Leipzig keine „echten Aufsteiger“ sind – und somit nicht stärker von Abstiegssorgen geplagt werden als andere Kandidaten. Und es hat damit zu tun, dass die beiden Aufsteiger der Vorsaison (Darmstadt und Ingolstadt) sich fest in die Liga verbissen haben, was man bereits nach den beiden ersten Spieltagen konstatieren kann.

Wer muss sich also zusammen mit den Augsburgern vor einem möglichen Abstieg fürchten? Frankfurt und Hoffenheim sind mögliche Kandidaten – und natürlich Bremen. Neben den üblichen Verdächtigen (dazu gehört selbstverständlich auch der HSV) könnte es auch einen Unverdächtigen treffen, wie zum Beispiel Mainz, Köln oder Berlin.

FCA-Trainer Dirk Schuster: "Wir müssen uns zerreißen." (Foto: B. Weichlein))

FCA-Trainer Dirk Schuster: "Wir müssen uns zerreißen." (Foto: B. Weichlein)


Im Gegensatz zur Meisterschaft ist die Abstiegssituation in der Bundesliga völlig offen. Es ist denkbar, dass bis kurz vor Schluss die halbe Liga gegen den Abstieg kämpfen muss. Keiner weiß das besser als FCA-Trainer Dirk Schuster, der „so schnell wie möglich positive Ergebnisse“ von seiner Mannschaft fordert. Das ist leichter gesagt als getan, da es nicht prognostizierbar ist, ob Neuzugang Martin Hinteregger Ragnar Klavan halbwegs adäquat ersetzen kann. Außerdem muss man davon ausgehen, dass der FCA auch seine sechste Bundesligasaison ohne einen bundesligatauglichen  Zentrumsstürmer zu überstehen hat: „Vorne harmlos und hinten anfällig“, so lautet die klassische Kennzeichnung der Abstiegskandidaten.

Der SV Werder Bremen hat nach dem vergangenen Katastrophenjahr seinen Kader im Gegensatz zu den Augsburgern deutlich verstärkt, doch Max Kruse ist noch nicht fit und der Bremer Ausnahmestürmer Claudio Pizzaro fehlt ebenfalls verletzungsbedingt, weshalb davon auszugehen ist, dass Olympiaentdeckung Serge Gnabry gegen den FCA zum Einsatz kommt. Die Bremer haben die Saison mit einer 0:6-Klatsche beim FC Bayern begonnen und sind dementsprechend verunsichert. Werder-Trainer Skripnik hat das heutige Spiel als „Endspiel“ bezeichnet. Damit hat sich der in Bremen umstrittene Skripnik wohl selbst gemeint: Sollte Bremen gegen Augsburg verlieren, dürfte es sich um das letzte Spiel von Viktor Skripnik gehandelt haben.

Dem FCA kann das „wurscht sein“. Von den zurückliegenden sechs Duellen gewannen die Augsburger die letzten drei. Zuletzt gestalteten die Norddeutschen ein Heimspiel gegen den FCA am 17. August 2013 siegreich – mit einem glücklichen 1:0-Sieg. Die letzten vier Auswärtssiege gewannen die Augsburger im Norden: 1:0 in Hamburg, 1:0 in Hannover, 2:1 in Bremen und 2:0 in Wolfsburg. Bremen scheint auch für FCA-Trainer Dirk Schuster ein gutes Pflaster zu sein: In der vergangenen Saison fuhr er mit Darmstadt vier Zähler gegen Werder ein. Die Vorzeichen stehen also günstig, weshalb für das heutige Spiel die Parole gilt, dass alles andere als ein Sieg eine Enttäuschung wäre.

Die voraussichtliche FCA-Aufstellung: Hitz – Verhaegh, Gouweleeuw, Hinteregger, Max – Kohr, Baier – Schmid, Koo, Caiuby – Bobadilla.