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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

FCA: Gegen Hannover als Tiger abgesprungen, als Bettvorleger gelandet

Der FC Augsburg steht in der Quartalsbilanz in der Leistungsmitte der Fußballbundesliga: drei Siege, drei Unentschieden, drei Niederlagen – 12 Punkte nach neun Spielen. Ausgeglichener könnte eine Bilanz nicht ausfallen, doch das Bild ist trügerisch. Nach der dramatischen Heimniederlage gegen Hannover muss alles wieder auf Anfang.

Von Siegfried Zagler

Wann will der FCA mehr, als "nur" nicht absteigen?" FCA-Präsident Klaus Hofmann (c) DAZ

Wann will der FCA mehr, als "nur" nicht absteigen? FCA-Präsident Klaus Hofmann (c) DAZ


Vier Punkte trennen die Augsburger von einem Champions League-Platz, fünf Punkte vom Relegationsplatz. Nach dem Ende der Startphase definiert der FCA mit seinen 12 Punkten das Mittelfeld, das es im Grunde in der Bundesliga erst ab dem 30. Spieltag gibt. Auch in diesem Jahr darf man damit rechnen, dass es wieder Klubs mit Achterbahnfahrten von der Abstiegsangst hin zur Euphorie der Europa League-Qualifikation und wieder zurück gibt. Der FCA könnte in dieser Saison einer dieser Klubs sein. Eine seriöse Prognose lässt sich jedenfalls noch immer nicht geben. Zu Paradox fällt die Punkteverteilung aus: Gegen Hannover und Hamburg verlor der FCA als eindeutig bessere Mannschaft. Beide Niederlagen trugen die gleiche Signatur: vorne mangelnde Verwertungstechnik, hinten zu fehleranfällig. Finnbogason, Gregoritsch, Schmid und Koo sind schwache Chancenverwerter – und hinten sind Danso und Co. öfters am Patzen als es in der Bundesliga erlaubt ist.

Gegen Hannover verschenkte man zuletzt drei Punkte aus Nachlässigkeit und Dummheit. Das mag ein wenig hart klingen. Doch wie ließe es sich schmeichelhafter umschreiben, wenn es einer haushoch überlegenen Heimmannschaft gelingt, eine Gästemannschaft stark zu machen, die 60 Minuten kein Bein vor das andere bringt? Der FCA ist gegen Hannover als Tiger abgesprungen und als Bettvorleger gelandet – im Krankenzimmer eines Klubs, der um seine Identität ringt und dessen innere Zerrissenheit bis unters Tribünendach zu spüren war.

Wenn man in der Bundesliga spielt, sollte man eine Mannschaft haben, deren Spieler in der Lage sein sollten, einfache Bälle zu stoppen. Stammspieler Finnbogason verstolpert jeden dritten Ball und vergibt Großchance um Großchance. Mit Alfred Finnbogason setzt sich eine Reihe von Zentrumsstürmern fort, die sich beim FCA nicht weiterentwickelten. Eine Reihe, die mit Mölders begann und über Bance, Matavz weiterlief und bei Finnbogason endet. Seit Thurks Abgang musste sich der FCA mit Mittelstürmern herumplagen, deren Stärken bestenfalls im Pressing zu erkennen waren. Mittelstürmer, die Probleme mit einfacher Ballkontrolle haben, schmerzen das Publikum und bringen Mannschaften aus dem Tritt. Sie sind nicht selten dafür verantwortlich, dass es abwärts geht.

PlatzMannschaftSpieleS-U-NTorePkt.
1.FC Bayern München 34 27-03-04 92:28 (+64) 84
2.FC Schalke 04 34 18-09-07 53:37 (+16) 63
3.1899 Hoffenheim 34 15-10-09 66:48 (+18) 55
4.Borussia Dortmund 34 15-10-09 64:47 (+17) 55
5.Bayer 04 Leverkusen 34 15-10-09 58:44 (+14) 55
6.RB Leipzig 34 15-08-11 57:53 (+4) 53
7.VfB Stuttgart 34 15-06-13 36:36 (0) 51
8.Eintracht Frankfurt 34 14-07-13 45:45 (0) 49
9.Borussia Mönchengladbach 34 13-08-13 47:52 (-5) 47
10.Hertha BSC 34 10-13-11 43:46 (-3) 43
11.Werder Bremen 34 10-12-12 37:40 (-3) 42
12.FC Augsburg 34 10-11-13 43:46 (-3) 41
13.Hannover 96 34 10-09-15 44:54 (-10) 39
14.1. FSV Mainz 05 34 09-09-16 38:52 (-14) 36
15.SC Freiburg 34 08-12-14 32:56 (-24) 36
16.VfL Wolfsburg 34 06-15-13 36:48 (-12) 33
17.Hamburger SV 34 08-07-19 29:53 (-24) 31
18.1. FC Köln 34 05-07-22 35:70 (-35) 22
D
ie nächste leicht auszumachende Schwachstelle beim FCA heißt Daniel Baier. Das klingt zunächst merkwürdig, weil Baier auf dem Platz meistens zu den besten Akteuren gehört. Er lebt auf dem Platz aber nicht als Führungsspieler, sondern als Abbild der Stärken und Schwächen der Mannschaft. Fängt die Mannschaft an zu schwächeln, dann führt er nicht und arbeitet nicht dagegen, sondern fügt sich in die jeweilige Phase. Manchmal ist es sogar so, dass er bereits bei leichter Überlegenheit mit seinen Lässigkeiten und Überheblichkeiten schlechte Phasen heraufbeschwört. Dem FCA fehlt auf dem Platz ein starker Leader. Zu oft schleichen sich bei den Augsburgern Fahrigkeiten ein. Baier hätte genug Erfahrung und sportliche Qualität, um die Spannung bei der Mannschaft hochzuhalten, doch vermutlich fehlt ihm während des Spiels eine tiefere Lesart, um mehr zu sein als eben „nur“ ein guter Spieler.

Der Matchplan gegen Hannover hat nicht funktioniert. Das muss nicht immer am Trainer liegen. In diesem Fall muss man Manuel Baum jedoch den Vorwurf machen, dass er in der Matchphase drei, als der FCA sich tiefer stellte, um mit langen Bällen zu operieren, Finnbogoson viel zu spät vom Platz nahm. Finnbogasons Aufstellung lässt sich ohnehin nur mit der Taktik des intensiven Pressings rechtfertigen.

Beim FCA fehlt der Sinn für das maßgerechte Haushalten: Nach vorne viel investieren, ohne zu übersteuern und ohne die Abwehr zu weit zu öffen. Hinten kompromislos sichern, ohne einfach die Bälle nach vorne zu schlagen. Bis auf die Mittelstürmerposition ist der Kader wohl gut genug, um sich Abstiegssorgen vom Leib zu halten. Gegen Hoffenheim hätte der FCA gewinnen können, gegen Hannover gewinnen müssen. Dann hätte man sich aus Augsburger Sicht gegen Bremen (am Sonntag/ 15.30 Uhr) auf angenehme Weise unter Erfolgsdruck setzen können. Was allein schon deshalb wohltuend gewesen wäre, um den Abschied vom Augsburger Demuts- und Bescheidenheitsmuster einzuleiten. Der FC Augsburg muss sich nämlich neue Ziele setzen. Ein Verein, der nicht mehr will, als nicht absteigen, stirbt im Lauf der Jahre an Bescheidenheit und verliert zudem an Glaubwürdigkeit und Zuschauerinteresse.



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