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Mittwoch, 01.07.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Bundesliga: Überragender Luthe ermöglicht FCA gegen SCP ein Unentschieden

Der FCA erarbeitet sich ein 0:0 gegen Paderborn. Eine Partie, die nicht viel an spielerischer Klasse zu bieten hatte, aber dafür ein korrektes Ergebnis, denn unterm Strich zeigten beide Mannschaften zu wenig nach vorne, um einen Sieg verdient zu haben.

Von Siegfried Zagler 

Nach dem 3:0-Sieg gegen Schalke veränderte FCA-Trainer Herrlich seine Startelf auf einer Position: Daniel Baier spielte von Beginn an; der gegen Schalke so überzeugende Carlos Gruezo fand sich auf der Bank wieder, wo sich auch Jeff Gouweleeuw wieder gedulden musste. Möglicherweise muss man einen Trainerschein besitzen, um diese beide Personalien bezüglich der Startelf zu verstehen.

Der FCA stand wie gegen Schalke hoch, störte früh, ohne dabei in einen kontrollierten Ballbesitz zu kommen. Bis auf einen Freistoß von Eduard Löwen, der knapp über die Querlatte zischte (7.), kamen die Augsburger in der ersten halben Stunde zu keiner Torsituation. Ganz anders die Paderborner, die ein Umschaltspiel im Gegensatz zum FCA auch mit Tempo vortragen konnten: Streli Mamba kommt, sehr schön freigespielt vor dem leeren Tor, nicht richtig an den scharfen Diagonalpass und vergibt so eine Superchance (12.). Paderborn bestimmte nach der Anfangsphase das Geschehen und Luthe musste einen gefährlichen Schuss von Gerrit Holtmann parieren (22.), auf der Gegenseite prüfte Baier SCP-Schlussmann Leopold Zingerle aus der Distanz (25.).

Beide Mannschaften zeigten Einsatz und Laufbereitschaft, waren aber insgesamt im Aufbau zu unpräzise, um weitere Torchancen zu generieren. Ein Kopfball von Ruben Vargas, der nach einem Freistoß knapp über das Gestänge flog, war noch ein vielversprechender Abschluss der Augsburger (34.). Danach folgten elf Minuten Leerlauf. Nach dem Pausentee sollten bessere 45 Minuten folgen.

Mit Abstand der beste Augsburger: Andreas Luthe © Siegfried Kerpf

Nachdem ein Kopfball von Rani Khedira knapp am langen Pfosten vorbeigesegelt war (53.), sorgte Ruben Vargas für Gefahr. Zunächst verpasste der Schweizer eine Hereingabe von Florian Niederlechner wegen falscher Schrittfolge grausam knapp (54.), dann hatte der FCA eine schwierige Situation zu überstehen, als Holtmann im Strafraum frei zum Abschluss kam, aber lediglich den Außenpfosten traf (61.). Hätte Holtmanns Schuss gepasst, hätte ihn wohl der überragende Andreas Luthe erreicht. Dann folgte Luthes stärkste Szene seit er beim FCA ist: Nach einem Luthe-Abstoß gewinnt Paderborns Kopfballungeheuer Gjasula das Luftduell, dann folgt ein blinder Heber zu Paderborns Sven Michel, der frei auf Luthe zulaufen kann, weil sich Raphael Framberger und Tin Jedvaj einem Sekundenschlaf hingeben, doch Luthe verkürzt zunächst mit klasse getimtem Herauslaufen den Winkel und pariert den Schuss aus kurzer Distanz mit einem fantastischen Reflex (70.). Weltklasse!

Da Paderborn in dieser Phase des Spiels die bessere Mannschaft war, hätte sich der Tabellenletzte nach einer Führung im Schlussabschnitt darauf kaprizieren können, worin sie richtig stark sind: Hinten dichtmachen und über die pfeilschnellen Offensivspieler nach vorne Konter fahren. Die wackeren Bundesliga-Outlaws müssen bekanntlich wegen ihrer Tabellensituation in jedem Spiel auf Sieg spielen.

In der Schlussphase zeigt der FCA wieder starken Siegeswillen und reißt das Geschehen an sich. Erst scheitert nach einem krassen Stellungsfehler von Paderborns Jamilu Collins Sarenren Bazee aus kurzer Distanz an einem Reflex von Zingerle. (88.). Sechzig Sekunden später zieht ein Distanzschuss von Gruezo knapp am Kasten vorbei (89.). In der Nachspielzeit hält Fußball-Augsburg den Atem an: Luthe eilt rechtzeitig aus dem Kasten, um sich einen weiten Ball zu schnappen und wird im Sprung von Mitspieler Uduokhai gerammt. Daraufhin dreht sich Luthe in der Luft und fällt senkrecht mit dem Kopf voran auf Schulter und Kopf. Glücklicherweise kann Augsburgs neue Nummer eins nach kurzer Behandlung unverletzt weitermachen.

Wie gesagt, stand am Ende mit dem torlosen Remis ein korrektes Ergebnis auf der Anzeigentafel der leeren WWK Arena. Ähnlich sahen es auch beide Trainer:

„Es war ein Spiel, das beide Mannschaften gewinnen wollten. Wir haben uns lange schwergetan, vor allem gegen Ende des Spiels hatten wir jedoch nochmals einige Chancen, um die Partie zu entscheiden. Das Spiel hätte auch 2:2 oder 3:3 ausgehen können. Es bleibt weiter harte Arbeit, die Klasse zu halten, aber den Punkt nehmen wir mit. An der Passsicherheit werden wir weiter arbeiten, da müssen wir noch präziser werden.“ So Heiko Herrlich, der weniger unter Siegzwang steht als Paderborns Übungsleiter Steffen Baumgart: „Es war ein sehr intensives Spiel von beiden Mannschaften, wir hatten Möglichkeiten, das Spiel zu entscheiden. Wir haben unsere richtig guten Chancen aber nicht genutzt. Es ist ärgerlich für uns, dass wir mit dem 0:0 nach Hause fahren, aber damit müssen wir leben. Es war mehr drin für uns, wir haben ein gutes Spiel gemacht. Wir haben uns am Ende aber nicht belohnt.“

Für die Ostwestfalen, die in jedem Spiel gegen jeden Gegner alles geben und dabei stets gut aussehen, ein Ergebnis, das weder zum Sterben noch zum Leben reicht. Und für die Augsburger seit einer gefühlten Ewigkeit die zweite Partie in Folge ohne Gegentor. Ein Umstand, der zuvorderst Andreas Luthe geschuldet ist, der mit seinen großartigen Leistungen in den beiden letzten Partien diejenigen beschämt, die dafür Verantwortung tragen, dass Augsburgs historischer Superfehleinkauf 23-mal den Vorzug bekam.

Am Samstag, 30. Mai, (15.30 Uhr) ist der FCA zum Abschluss der Englischen Woche bei Hertha BSC zu Gast.

FCA: Andreas Luthe; – Tin Jedvaj; Felix Uduokhai; Philipp Max; Raphael Framberger; – Rani Khedira; Daniel Baier; Ruben Vargas; Marco Richter; Eduard Löwen; – Florian Niederlechner;

Eingewechselt: Stephan Lichtsteiner (82.); Jeffrey Gouweleeuw (75.); Noah Sarenren Bazee (67.); Carlos Gruezo (67.); Sergio Córdova (75.); –

Ausgewechselt: Tin Jedvaj (75.); Philipp Max (82.); Daniel Baier (67.); Marco Richter (67.); Eduard Löwen (75.); –

Auswechselbank: Tomáš Koubek (TW); Reece Oxford; Georg Teigl; Marek Suchý.

#MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Bayern MünchenFC Bayern28204481:285364
2Borussia DortmundDortmund28176574:344057
3RB LeipzigRB Leipzig281510370:294155
4Bor. MönchengladbachM'gladbach28165753:341953
5Bayer LeverkusenLeverkusen28165753:361753
6VfL WolfsburgWolfsburg28119840:34642
71899 HoffenheimHoffenheim281161139:48-939
8SC FreiburgSC Freiburg281081038:40-238
9FC Schalke 04Schalke 0428910934:45-1137
10Hertha BSCHertha BSC28981141:50-935
111. FC Köln1.FC Köln281041444:52-834
12FC AugsburgAugsburg28871340:54-1431
131. FC Union BerlinUnion Berlin28941533:48-1531
14Eintracht FrankfurtFrankfurt27851444:52-829
151. FSV Mainz 05Mainz 0528841637:61-2428
16Fortuna DüsseldorfDüsseldorf28691331:53-2227
17Werder BremenSV Werder27571529:59-3022
18SC Paderborn 07Paderborn28471731:55-2419