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Mittwoch, 17.04.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Anmerkungen zu Peter Hummel

Stadtrat Peter Grab, der während seiner Zeit als Sport- und Kulturreferent selbst mit Rücktrittsforderungen konfrontiert wurde, fordert heute, dass Stadtrat Peter Hummel sein Mandat niederlegt und aus dem Stadtrat ausscheidet. Eine korrektes Anliegen, ohne jede Realisierungschance.

Kommentar von Siegfried Zagler

Peter Hummel (FW) ist nicht der erste Politiker, der sich über die Sozialen Medien mit seinen Postings aus der Umlaufbahn der Wählbarkeit herausgeschossen hat. Seine über gewisse Zeiträume öffentlich einsehbare Beleidigungen sind zwar längst gelöscht, rückten aber aufgrund der Verfahren nachhaltig in die öffentliche Wahrnehmung. Als verurteilter Straftäter hätte Hummel als Politiker richtig gehandelt, hätte er alle Ämter niedergelegt – auch sein Stadtratsmandat. Doch offensichtlich kam diesbezüglich zu wenig Druck von der Partei, von der Fraktion und auch von seinem privaten Umfeld.

Offiziell legt Hummel nach wie vor Wert darauf, dass er nicht wegen seiner Verurteilung aus der Fraktion Bürgerliche Mitte ausgetreten ist. Er zeigt keine Reue und sieht sich selbst eher als Opfer denn als Täter. Von 22 Punkten, die ihm vorgehalten wurden, ist einer übrig geblieben. “Mein Mandant wurde an die Wand gestellt”, sagte Hummels Strafverteidiger Marco Müller während des Prozesses vor dem Landgericht Augsburg.

Festzuhalten ist auch, dass Peter Hummel mit fast 14.000 Stimmen in den Stadtrat gewählt wurde, obwohl vor der Stadtratswahl die Vorwürfe bekannt wurden und intensiv darüber berichtet wurde. Möglicherweise hatte die negative Berichterstattung Hummel bei der Wahl eher genutzt als geschadet. Dieses Paradoxon könnte sich im Fall Aiwanger am 8. Oktober wiederholen. Die Causa Hummel zeigte dennoch Tiefenwirkung.

Eva Webers Schnapsidee einer Schwarz-Grünen Rathausregierung war politisch durchsetzbar, da die CSU auf eine bürgerliche Koalition mit der SPD und den Freien Wählern deshalb nicht bauen wollte, weil man mit den FW Augsburg unsichere Kantonisten ins Boot geholt hätte.

Der Prozess gegen Peter Hummel ist vorbei. Er hat einer Frau und möglicherweise weiteren Personen sowie sich selbst schweren Schaden zugefügt. Hummels Fehlverhalten ist durch nichts zu rechtfertigen oder in irgend einer Form zu relativieren. Er ist zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt worden und seine politische Karriere gleicht einem Scherbenhaufen. Hummel hat sich durch sein Verhalten nach Prozessende eine zweite Chance in der Politik verbaut. Damit sollte die Akte Hummel geschlossen werden.