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Freitag, 12.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Zahltag fürs Impfzentrum – eine teure Hypothek

Die Stadt Augsburg steht jetzt offiziell vor einer Millionen-Rück­­forderung im Zusammen­hang mit ihrem Corona-Impfzentrum. Im Kern geht es um gut 9,9 Milli­onen Euro, die der Freistaat für nicht ausreichend dokumen­tierte Leistungen des Betreibers Bäuerle zurück­verlangt. Die Fraktions­gemein­schaft SPD/ÖDP/Volt reagiert verärgert und wirft der früheren schwarz-grünen Stadt­regierung vor, die Aufar­beitung jahrelang aus wahl­taktischen Gründen verschleppt zu haben.

Von Bruno Stubenrauch

Symbolbild

Vor wenigen Tagen ging bei der Stadtverwaltung ein erstes formelles Anhörungs­schreiben der Regierung von Schwaben ein. In dieser ersten Tranche geht es um etwas mehr als eine Million Euro. Insgesamt sieht der Freistaat jedoch bei rund 9,9 Millionen Euro erhebliche Klärungs­bedarfe bei den Abrechnungen.

Die Stadt hatte das Impfzentrum auf dem Fujitsu-Gelände betrieben und den Dienst­leister Bäuerle mit der Durch­führung beauftragt. Dessen Leistungen – insbe­sondere beim Personal- und Fahrzeug­einsatz – waren jedoch nur lückenhaft doku­mentiert. Sowohl das städtische Rechnungs­prüfungsamt als auch der Oberste Rechnungs­hof hatten dies deutlich kritisiert. Ende April verklagte die Stadt den Dienst­leister auf Rück­zahlung der strittigen Summe – eine Maßnahme, die Gesund­­heits­­referent Reiner Erben als seine „quasi letzte Amts­handlung“ vollzog.

Versäumnisse und Verantwortung

Die drohende Rückzahlung trifft Augsburg in einer ohnehin ange­spannten Haus­halts­lage. Die Fraktions­vor­sitzenden Lara Hammer und Benjamin Adam (SPD/ÖDP/Volt) üben deshalb scharfe Kritik an der früheren Stadt­regierung. Nach ihrer Auffassung habe der damals zuständige Gesund­heits­referent Rainer Erben (Grüne) die Auf­arbeitung „aus wahl­taktischen Gründen jahrelang auf die lange Bank geschoben“ – offenbar in der Erwartung, „dass seine Nachfolger die Rechnung bekommen“.

Zudem wirft die Fraktions­gemeinschaft Erben vor, noch in der Stadtrats­sitzung im November 2025 der Ein­schätzung des Rechnungs­prüfungs­amts wider­sprochen zu haben. Dieses war bereits damals von einer Rück­forderung durch den Freistaat ausgegangen.

Corona-Arbeit in schlechtes Licht gerückt

„Diese drohende Rückzahlung ist eine Hypothek der früheren Stadt­regierung“, sagt Benjamin Adam. Lara Hammer bedauert zudem, dass durch die „peinlichen Fehler bei der Abrechnung“ die engagierte Arbeit vieler Beschäf­tigter während der Corona-Pandemie nun in ein schlechtes Licht gerückt werde.

Mit dem Schreiben der Regierung von Schwaben hat nun das formelle Anhörungs­verfahren begonnen. Ob sich Stadt und Freistaat auf eine geringere Rück­forderung ver­ständigen können oder der Streit letztlich vor dem Ver­waltungs­gericht landet, bleibt abzuwarten.