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Donnerstag, 12.02.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Best of Tanztheater: Die Augsburger Ballettgala 2026

Die jährliche Ballettgala des Augsburger Staatstheaters ist für Ballett-Fans ein Höhepunkt im Jahreslauf. In bunter Folge reihte sich auch in diesem Jahr über drei Stunden ein Höhepunkt an den nächsten.

Von Halrun Reinholz

Alle Mitwirkenden beim Schlussapplaus

Bei kaum einer Vorstellung ist das Gedränge im Martinipark so groß wie in der Ballettgala, die jedes Jahr vor zweimal ausverkauftem Saal zelebriert wird. Nicht ohne Stolz wies Ballettdirektor Ricardo Fernando in seiner einleitenden Moderation darauf hin, dass man sich als Ballettfreund viele Wege auf die großen Bühnen dieser Welt sparen kann, denn die Stars von nah und fern kommen ja schließlich einfach nach Augsburg. „Einfach“ ist das natürlich nicht, auch das erwähnte Fernando. Seine Assistentin Carla Silva ist das ganze Jahr über damit beschäftigt, zu planen, zu koordinieren und für den logistischen Ablauf zu sorgen. Wie immer durfte sie gegen Ende der Show auf die Bühne kommen, um ihren wohlverdienten Applaus entgegenzunehmen.

Polina Semionowa als „sterbender Schwan“

Auch in diesem Jahr wurden die hohen Erwar­tungen des Publikums erfüllt. Das mehr als drei Stunden dauernde Pro­gramm verband in geschickt durch­dachter Abfolge klassi­sches Ballett und moder­nen Aus­drucks­tanz in den unter­schied­lich­sten Facetten. Die Tänze­rinnen und Tänzer kamen vom English National Ballet, dem Hessi­schen Staats­ballett, dem Staats­ballett Berlin, vom Spell­bound Con­tem­porary Ballet aus Italien oder gar noch weiter weg, nämlich von Hung Dance aus Taiwan oder gar ein brillantes Tango-Duo aus Kolum­bien. Als Stargast beson­ders begrüßt wurde Polina Semionova, die schon bei der letzten Ballett­gala als Gast vorge­sehen war, wegen einer Ver­letzung aber absagen musste. Die in Berlin lebende inter­national gefragte Ballerina kam in Begleitung ihres Bruders und Tanzpartners Dmitri Semionov. Die beiden zeigten ihre Viel­seitigkeit mit „La Bayadère“ aus dem klassischen Repertoire, aber auch mit „Face My Fears“ im Bereich des modernen Tanzes. Zur Freude des Publikums trat Polina Semionova auch noch mit „der“ klassischen Solonummer auf und gab den sterbenden Schwan von Camille Saint-Saens.

Wie immer traten die Gäste in der Regel jeweils zweimal auf – einmal im ersten Teil und dann noch einmal nach der Pause. Mit dabei war auch wieder das komplette Ensemble des Theaters Augsburg, das die Ballett­gala mit einem Gruppen­tanz aus der neuesten Produktion eröffnete: Mozarts Requiem, choreo­grafiert von Peter Chu. Auch aus dem Ballett „Frida“ des Ballett­direktors Ricardo Fernando, seit zwei Spiel­zeiten stets aus­verkaufter Publikums­liebling, gab es zwischen­durch einige effektvolle Ensembletänze.

Haruhi Otani und Gareth Haw (English National Ballet) – Fotos: Jan-Pieter Fuhr

Ein Feuerwerk an unter­schied­lich­sten tänze­rischen Dar­bie­tungen entlockte dem Publikum Begei­ste­rungs­rufe. Zwischen Prokofjews „Romeo und Julia“ mit Michelle Willems und Cohen Aitchinson-Dugas vom Staats­ballett Berlin (Choreo­grafie Christian Spuck), dem „Schwanen­see“ und dem Pas de deux aus „Don Quixote“ mit Haruhi Otani und Gareth Haw vom English National Ballet präsen­tierten die Taiwa­nesen Kuan-ling Lee und Ying-chieh Lu von Hung Dance mit „Push and Pull“ oder Alessio Damiani und Marcos Novalis vom Hessi­schen Staats­ballett mit „Burdens of Being“ oder auch die drei Damen Anita Bonavida, Miriam Raffone und Martina Stalteri vom Spell­bound Con­tem­porary Ballet hoch­karätige moderne Choreografien.

Zu den Höhepunkten gehörten zweifellos Asja Marabotti und Martina Piacentino mit DADAlove, einer großartigen Choreo­grafie zum sehr bekannten Csárdás von Vittorio Monti, und auch das Männer-Tango-Duo aus Kolumbien Cristian Cerezo und Valentin Arias Delgado mit einer atem­berau­ben­den Tango-Dar­bietung. Fernando hatte schon in seiner Modera­tion prophe­zeit, dass man nicht so schnell schauen kann, wie die beiden tanzen. Nach der Pause hatte das Publikum noch ein weiteres Mal Gelegenheit, sich davon zu überzeugen.

Fernando nutzt die Ballettgala immer auch als Gelegenheit, das eigene Ballett­ensemble vor dieser inter­natio­nalen Kulisse in Szene zu setzen. Und das nicht nur mit fertigen Produk­tionen. Diesmal hatten auch zwei „Talente aus der Zukunft“ die Möglichkeit, sich auf der Bühne mit je einem Solo zu präsen­tieren: Yuika Mamada und Akari Takahashi, beide in dieser Spielzeit Prakti­kan­tinnen beim Augsburger Ballett. Kino Luque, der eine eigene Choreo­grafie präsen­tierte, wurde dem Publikum danach eigens vorgestellt, denn er wird in der nächsten Spielzeit festes Mitglied des Augsburger Ensembles sein.

Wie im Flug verging die Zeit bei der drei­stündigen Ballettgala, man hätte gerne noch mehr gesehen. Dass eine solche Veran­staltung nur mit außer­gewöhn­lichem persön­lichen Einsatz und auch nur mit Hilfe großzügiger Sponsoren zu stemmen ist, wurde von Fernando zu Recht hervor­gekehrt. Die Darbietung entließ jedenfalls ein begeistertes und sehr zufriedenes Ballett­publikum in die Nacht, das sich – so viel wurde schon verraten – am 6. und 7. Februar 2027 auf die nächste Ballettgala freuen darf. Die Vor­be­reitungen laufen bereits, denn nach der Gala ist vor der Gala.