Streit um Bundeswehr-Werbung auf Augsburgs Straßenbahnen
Die Forderung des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), Bundeswehr-Werbung von Augsburger Straßenbahnen zu verbannen, stößt auf scharfen Widerspruch von FDP und Pro Augsburg. Während das BSW die Kampagne als unvereinbar mit dem Selbstverständnis Augsburgs als Friedensstadt kritisiert, verteidigen die beiden Parteien die Werbung ausdrücklich.
Von Bruno Stubenrauch
Streitpunkt Bundeswehr-Werbung auf Straßenbahnen (Foto: BSW)
Das BSW argumentiert, die verwendeten Slogans verharmlosten militärische Gewalt und zeichneten ein verzerrtes Bild des Soldatenberufs. Öffentliche Verkehrsmittel seien kein geeigneter Ort für militärische Rekrutierungsbotschaften, insbesondere mit Blick auf junge Menschen. Zudem fordert die Partei eine Rückbesinnung der Bundeswehr auf einen engen Verteidigungsauftrag und lehnt Auslandseinsätze, Aufrüstung und eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht ab.
„Kein Frieden durch Wehrlosigkeit“
Die Reaktion von FDP und Pro Augsburg ließ nicht lange auf sich warten. Iris Steiner, die gemeinsame Oberbürgermeister-Kandidatin des Bündnisses für die Kommunalwahl 2026, bezeichnete den Vorstoß als „mehr als weltfremd“. Werbeverbote würden die Sicherheit Deutschlands nicht erhöhen.
„Frieden schafft man nicht, indem man skrupellosen Diktatoren wie Putin zeigt, wie wehrlos man ist“, so Steiner. Angesichts der weltpolitischen Lage – auch mit Blick auf die USA unter Donald Trump – benötige Deutschland eine starke Bundeswehr zur Abschreckung. Damit diese ihren Auftrag erfüllen könne, sei die Werbung um neues Personal als Arbeitgeber in öffentlichen Verkehrsmitteln ein „gutes Signal“.
Historischer Rückgriff auf den Religionsfrieden
Besonders scharf weist Steiner die Argumentation zurück, Militärpräsenz widerspreche der Tradition Augsburgs als Friedensstadt. Sie zieht eine historische Parallele zum Augsburger Religionsfrieden: Dieser habe bereits die Reichs-Exekutionsordnung beinhaltet, die militärisches Eingreifen vorsah, um den Frieden gegen kriegerische Fürsten wiederherzustellen.
Bundeswehr-Werbung stehe daher nicht im Widerspruch zur Friedensstadt Augsburg, sondern lasse sich historisch begründen. Eine einsatzbereite Bundeswehr sei die Voraussetzung für ein Leben in Sicherheit – und Werbung für sie gehöre somit auch in das Stadtbild einer Friedensstadt.
Der Konflikt zeigt, wie stark sicherheits- und friedenspolitische Fragen bereits jetzt den Ton im Vorfeld der Kommunalwahl 2026 prägen.
