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Mittwoch, 16.09.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Zweimal NEIN ist ein JA für einen besseren Umbau am KÖ

Erklärung zu den beiden Bürgerentscheiden am 21. November

Wir lehnen sowohl den Bau eines Tunnels als auch das Ratsbegehren ab. Beide Projekte kosten viel zu viel Geld und führen nicht zu entscheidenden Verbesserungen für den Öffentlichen Personennahverkehr, Fußgänger und Radfahrer. Man könnte viel bessere Ergebnisse erzielen bei geringerem Aufwand.


Der Tunnel ist ein rückwärtsgerichteter Ansatz, der den Autoverkehr in der Innenstadt mindestens erhalten wenn nicht sogar anziehen wird. Er würde das ohnehin viel zu teure Königsplatz-Umbau-Projekt um vielleicht bis zu 40 Mio. Euro verteuern (dem stehen mögliche Einsparungen durch die vermiedene Tramverlegung am Eserwall von ca. 7 Mio. Euro gegenüber). Weiter halten wir ein solches Bauwerk, mit dem Charakter einer Umgehungstrasse, an dieser zentralen Stelle der Stadt für völlig ungeeignet. Er würde den Königsplatz völlig verschandeln.


Das Ratsbegehren suggeriert, eine durchdachte Alternative zum Tunnel zu bieten (auf der Basis des Bebauungsplans 500). Es wird dafür aber das gesamte Haltestellendreieck abgerissen und einige Meter weiter wieder aufgebaut. Deshalb müssen 166 Bäume gefällt werden.

Es müssen 72 Straßenbahnen pro Stunde über die Kaiserhofkreuzung geschleust werden. Gleichzeitig kommt es während der Hauptverkehrszeiten zum Dauerstau an der Kaiserhofkreuzung, der natürlich auch die Straßenbahnen behindern wird. Die „vorsorgliche Entlastungsstraße“ soll dies zwar reduzieren. Aber dadurch wird die ohnehin übertriebene Rede vom „autofreien KÖ“ vollends relativiert – und dadurch wohl auch die Fördergelder aufs Spiel gesetzt. Wie die Entlastungsstraße aussehen und verkehrstechnisch geregelt werden soll, ist vollkommen ungeklärt.

Für einen kostengünstigeren und behutsamen Umbau am Königsplatz

Die Kosten des Projekts Mobilitätsdrehscheibe werden derzeit auf ca. 270 Millionen Euro geschätzt. Dafür soll es bis zu 160 Mio. Euro Fördergelder geben. Etwa 16 Mio. Euro trägt die Bahn AG. Die Stadt Augsburg und die Stadtwerke Augsburg werden mit mindestens 94 Mio. Euro belastet. Dies wird sich höchstwahrscheinlich negativ auf die Tarife und den Takt der Stadtwerke auswirken. Es wird durch den überdimensionierte Umbau des Königsplatzes und die Untertunnelung des Hauptbahnhofes, unnötig viel Geld ausgegeben. Wir halten dies für eine Verschwendung von öffentlichen Geldern, bei dem der Aufwand in keinem vertretbaren Verhältnis zu den erzielten Vorteilen steht.

Weniger ist hier mehr: Man könnte bei einem kleineren Umbau des KÖ das Haltestellendreieck am Standort umbauen, unter Abriss der Kioske, Einbeziehung der Kurzen Herrmannstraße und evtl. einer Spur der Konrad-Adenauer-Allee (wie dies auch die Sieger des Innenstadtwettbewerbs, Wunderle und Billinger, vorgesehen hatten). Dies wäre kostengünstiger, würde zu geringeren Behinderungen während der Bauphase führen und es müssten nur wenige Bäume gefällt werden.

Eine der drei Tramlinien, die heute über den Theodor-Heuss-Platz fahren, könnte über die Maximilianstraße geführt werden. Man könnte den Gleissalat vermeiden und die Trassenverlegung am Eserwall wäre unnötig. Mittelfristig muss eine Dezentralisierung des ÖPNV-Systems, mit etwa den Knotenpunkten Hauptbahnhof, Kennedyplatz, Rathaus, Rotes Tor und Königsplatz, realisiert werden. Dies war auch schon so im Gesamtverkehrsplan von 1978 vorgesehen und wurde 1998 mit der Fortschreibung bestätigt.

Deshalb rufen wir die Bürgerinnen und Bürger auf, am kommenden Sonntag beide Begehren abzulehnen, also Nein ankreuzen, und die Stichfrage frei zu lassen.



Stadtrat

Alexander Süßmair, MdB


Stadtrat

Benjamin Clamroth