DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Freitag, 22.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Vorsicht Übergangsmanagement!

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie den Schulreferenten Hermann Köhler (CSU) oder seinen Projektleiter Dr. Uwe Schwab lieber nicht

Von W. Walter

Das bayerische Kultusministerium hat die Hauptschule zur Mittelschule aufgehübscht, doch unter der Schminke sind die gleichen Probleme geblieben: Der Augsburger Schulreferent Hermann Köhler (CSU) muss die Mittelschulabsolventen, die weder eine Lehrstelle gefunden haben noch weiter zur Schule gehen können, in das neue Projekt „Übergangsmanagement“ stecken.

Nur jeder fünfte, der die Augsburger Mittelschule verlässt, findet gleich eine Lehrstelle. Mehr als die Hälfte kommt in diverse „Übergangsmaßnahmen“, wo man keine vollwertige Berufsausbildung, sondern nur Kurse zur Berufsvorbereitung bekommt. Im Juni 2007 hat das 61,4% der jungen Augsburger getroffen, im Juni 2010 waren es 56%. Das ist schlimm. Noch schlimmer aber ist, wie diese Misere schön geredet wird.

Dr. Uwe Schwab, der Projektleiter der Fachstelle Übergangsmanagement beschönigt im Interview mit der AZ vom 14. April die Übergangsmaßnahmen als ein „qualitativ hochwertiges System. Es qualifiziert Jugendliche, bringt ihnen Grundtugenden wie Pünktlichkeit bei und macht sie reifer.“ Daran fehlt es angeblich den Jugendlichen, an der Ausbildungsreife, weshalb auch nur 20.05% eine Lehrstelle bekommen haben.

Aber daran können weder die gebeutelten Mittelschüler noch der Schulreferent und sein Projektleiter glauben. Alle wissen, dass die meisten Arbeitgeber lieber fertig Ausgebildete serviert bekommen und ungern selbst ausbilden wollen. Alle wissen, dass Übergangssysteme die Schnellstraße zum Niedriglohn und zur prekären Beschäftigung sind. Dr. Schwab macht sich und der Öffentlichkeit etwas vor, wenn er behauptet: „Wir wollen herausfinden: Woran liegt es, dass manche sich verweigern…?“ Er weiß selbst, dass es weniger die mangelnde Ausbildungsreife in der pubertären Phase ist, sondern die Perspektivlosigkeit: “Und es kann auch nicht sein, dass Jugendliche mal in der, mal in der Maßnahme untergebracht werden – Hauptsache sie sind aus der Statistik raus. Viele demotiviert das.“

Und trotz dieser Erkenntnis jubelt er das Übergangssystem hoch „zu einem dritten Standbein des dualen Systems Schule – Ausbildung“. Welch eine groteske Formulierung! Ein duales System, das ein drittes Standbein braucht, ist kein duales System mehr. Ein duales System, in das nur noch 20% der Absolventen kommen, befindet sich im Niedergang.




Wolfgang Walter ist Mitglied im Ortsverein

Lechhausen der Partei Die Linke und bei attac

und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft