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Samstag, 25.01.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Verwaltungsmodernisierung via Doppik – ein Schritt ins 21. Jahrhundert

Dr. Werner Lorbeer

Dr. Werner Lorbeer


Im Moment sind Haushaltsberatungen. Das Ziel: Haushaltsausgleich und Abwägung von Zahlen und ihren politischen Bedeutungen. Die Grundlage dafür sind Drucksachen von über 1000 Seiten, die aus einem völlig veralteten Dateisystem erzeugt werden. Dessen Informationen lassen sich nie an einem Bildschirm darstellen, und können deshalb auch nicht elektronisch bearbeitet werden.

Die Unübersichtlichkeit der Darstellung produziert Frust auf Seiten der Politik und Frustration auf Seiten der Verwaltung und der Referenten. Änderungen führen zu Änderungslisten, die von den Beteiligten wieder mühsam „zusammengelesen“ werden müssen.

Das „Doppik“-Projekt von Pro Augsburg meint nicht nur den Übergang in ein anderes Buchungssystem, um endlich das System „von der Hand in den Mund“ der Einnahme-Überschussrechnung durch ein vorausschauendes und wahrheitsabbildendes Rechenwerk ersetzen zu können.

Es geht um die Einführung moderner datenbankbasierter Softwaremodule, die unter anderem Budgetiermodul, Kassenmodul, Personalmodul etc. enthalten. Es sollen die Arbeitsvorgänge in der Verwaltung verschlankt, übersichtlich, effizient – kurzum – zeitgemäß und ergonomisch gestaltet werden.

Was kann beim Einzug der Normalität in die Stadtverwaltung schief gehen? Laut der Fachzeitschrift „Kommune 21 11/2011“ ist der wesentliche Grund für Fehlschläge, „dass sich die Protagonisten zwar im doppischen System bewegen, aber kameralistisch verhalten“. Diese Gefahr ist real auch für Augsburg zu sehen.

Aus diesem Grund ist der jüngst im Personalausschuss vorgetragene Streit um „Stellen für die Doppik“ auch ein großes Missverständnis. Es geht nicht um eine Stelle, sondern um die Einführung eines neuen Systems mit großem Durchgriff, das richtig verstanden und gelebt werden will. Eine solche Umstellung kann nur von einer harmonisch und konsequent agierenden Projektgruppe gestemmt werden, hinter der die Macht des OB steht.

Der Vorschlag von PA: Hier und heute die Formulierung eines Einführungsprojekts angesiedelt beim OB im Stil der Projektgruppe Entwicklung des Technologie-Zentrums.

Es geht beim Projekt „Doppik“ um Beschaffung, Schulung, Umgang mit dem System, Führung durch Benchmarking, Aufbau eines Kontenrahmens und die Integration von Kostenrechnungen. Um alle diese Ideen mit Leben zu füllen erfolgte auch die Umbenennung der Stadtakademie zur „Stadt- und Führungsakademie“.

Noch einmal: Es geht nicht um eine Doppik-Stelle! Wer so denkt, hat schon verloren. Es geht um ein Team von besten und harmonisch interagierenden Köpfen! Möglich ist, mit den vorhandenen Erfahrungen der Stadtgesellschaft der Projektgruppe im Start zu helfen. Der IHK ist die Umstellung von Kameralistik auf Doppik gelungen und der IHK Consultingkreis könnte mit seiner Erfahrung den Start des Projekts befruchten.

Es ist klar: Reformen fordern Widerstand heraus. Dr. Kiefer (SPD) hat sich vor dem Stadtrat bereits als Gegner geoutet. Für ihn ist der Titel von Johann Matthias Puechberg, Wien 1764, zur „Cameral-Rechnung“ noch die Zukunft. Für Pro Augsburg ist das 21. Jahrhundert und die Verwaltungsdynamik einer modernen stolzen Stadt wichtiger als das Vortragen von Bedenken. Die Zukunft erreichen wir nur, wenn über das städtische Zahlenwerk auch die Wirklichkeit richtig dargestellt wird: Rücklagen, Abschreibungen, Kostenzuordnungen etc. Auch den städtischen Mitarbeitern kommt die Ergonomie moderner Software und Abläufe zugute. Das sollte eigentlich auch der Verwaltung Lust und Mut machen.

Pro Augsburg freut sich auf die erste bilanzielle Darstellung unserer Stadt Anfang 2015.



Dr. Werner Lorbeer