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Mittwoch, 22.01.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Universität und Augsburg – ein apartes Nebeneinander



 

Es ist leider so: Die meisten Augsburger kennen ihre Universität nur dem Namen nach. Die gewaltigen Ausmaße der Lehr- und Forschungsgebäude erschließen sich – mit Start an der 3er-Straßenbahnhaltestelle – allenfalls durch einen ausgedehnten Spaziergang.

Der Kernbereich ist als „Campus-Universität“ der Anlage eines Zisterzienser-Klosters nachempfunden worden – man hat das in den 70er Jahren bewusst so geplant. Die letztlich nicht gewollte Konsequenz: Stadt und Universität leben in höchst unphysiologischer Abgeschiedenheit nebeneinander her. Adäquate Bemühungen vorausgesetzt würde man eine der Wurzeln für dieses gegenseitig wenig nützliche Nebeneinander im klerikalen fürstbischöflichen Erbe finden. Die Gründung der Universität Augsburg war nichts anderes als dessen Modernisierung und Zusammenfassung.

Was damals für richtig gehalten wurde, muss an Maßstäben der Gegenwart gemessen nicht zwangsläufig auch heute noch richtig sein. Inzwischen sind Industrie-Geschichte und –Gegenwart dieser Stadt zu ihrem Recht gekommen: Die Universität hat mit den Bereichen Festkörperphysik, Ressourcen-Management, Informatik und dem Institut für „Software and Systems engineering“ Standbeine erhalten, die sie in die Arbeits- und Industrielandschaft von Augsburg und „Greater Augsburg“ integrierbar bzw. genau genommen integrationspflichtig macht.

Die Stadt Augsburg trägt dem Rechnung und beteiligt sich am Uni-Campus erstmals in der Universitätsgeschichte nicht nur passiv, sondern auch investiv durch hohe Investitionen in den Bau eines Technologie- bzw. Innovations-Zentrums: Zusammen mit den Instituts-Neugründungen durch die DLR- und die Frauenhofer-Gesellschaft wird ein Industrie-Service-Cluster mit denkbar ehrgeizigen Zielen in der Carbon- und Composite-Technologie nach vorne gebracht.

Umgekehrt gilt das Gleiche: Es ist an der Zeit, die Universität auch in der Mitte der Stadt ankommen zu lassen. Was böte sich da besser an als die Geisteswissenschaften, die in all ihren Ausrichtungen entschieden besser und für beide Seiten nutzbringend in die Stadtgesellschaft eingebunden werden und dort auch präsent sein sollten. Glücklicherweise gibt es zahlreiche, höchst unterschiedliche Vernetzungs-Chancen.

Was diese angeht, steht als erster Silberstrahl am Horizont die StaBi (Staats- und Stadtbibilothek). Ein zweiter zeichnet sich bereits ab: Endlich werden Umzug und Neuaufbau des Stadtarchivs real. Beide Institutionen sind eine ideale Basis für die Kooperation zwischen Stadt und Universität. Als Arbeitsgebiete bieten sich förmlich an: Bei der Stadt angesiedelte Forschungsstellen könnten in die Universität integriert oder in sie übertragen werden. Die Einrichtung von Stiftungs-Professuren für kontinuierliche und wechselnde Projekte läge auf der Hand. So wäre als ständige Einrichtung eine BB-Forschungsstelle vorzusehen. Andere Themen wie die Bearbeitung der jüngeren Geschichte der Migration drängen sich geradezu auf. Sie könnten von der Stadt auf die Universität immer dann übertragen werden, wenn in der Stadtgesellschaft unter diesem Aspekt längerfristig oder aktuell wichtige neue Fragestellungen auftauchen.

Gez. Prof. Dr. Rolf Harzmann, Dr. Werner Lorbeer