DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Sonntag, 05.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

„Technologie Zentrum Augsburg“ – die Stadt muss nicht der Unternehmer sein

Die Stadt Augsburg hat sich positioniert. Sie will mit einem Projektteam, das im Referat OB angesiedelt ist, den Innovationspark rund um Faserverbund, Mechatronik und Software vorantreiben. Im Lenkungsausschuss liefern IHK und HWK den regionalen wirtschaftspolitischen Beistand.

Im Vergleich zu einem ersten Entwurf aus dem Wirtschaftsreferat vom Januar ist nun der Kompetenzrat in seiner dynamisierenden Wirkung erkannt und in den Mittelpunkt gerückt worden. Prof. Hirt (Renk), Herr Holzamer (SGL Carbon) und Herr Wiedemann (Kuka) sind deshalb die wirklichen Garanten für das Generieren von Entwicklungsdynamik. Sie haben sich bereit erklärt, mit einem „letter of intent“ Verpflichtungen von Partnern und Unternehmungen einzusammeln, ihre Entwicklungsinteressen in Augsburg anzusiedeln. Dem Kompetenzrat muss in der Strukturentwicklung eine zentrale Rolle eingeräumt werden. Der Kompetenzrat sollte auch rechtzeitig internationalisiert werden. Andere Wirtschafträume wie Frankreich, USA, Südamerika sollen sich am Augsburger Projekt beteiligen, es ist keine regionale Angelegenheit. Die neue Basistechnologie verspricht vielmehr, im Bereich der grünen Technologie zu Einsparungen von Energie und CO2-Reduktion einen global wichtigen Beitrag zu leisten.

OB Gribl stellt sich als Beitrag der Stadt ein Technologiezentrum Augsburg mit einer Kostenschätzung der Gesamtkosten von 33,7 Mio. € vor. Er rechnet dabei mit einer staatlichen Förderung von 24,4 Mio €.

Die Aufgabe der Stadt ist die Sicherung der Nachhaltigkeit der Promotion der Projektidee „Augsburger Innovationspark“, die Darstellung der Glaubwürdigkeit gegenüber staatlichen Zuschussgebern sowie Investoren und die Bereitstellung der lokalen wie regionalen Infrastruktur. Die Stadt sollte nicht versuchen Unternehmer sein zu wollen, – das ging am Flughafen schon einmal gründlich schief -, sondern ihren jetzt eingeschlagenen Weg der professionellen Projektenwicklung fortsetzen.

So ist es natürlich und verständlich, dass sich die Stadt mit Stellung des Grundstücks, Planungs- und Infrastrukturaufwendungen am „Innovationspark Augsburg“ beteiligt. Die Initialzündung muss durch Zusammenarbeit der Stadt mit lokalen Wirtschaftsinstitutionen gelingen. Aber der Bau des Technologieparks ist letztlich ein Immobiliengeschäft, in das man besser kapitalstarke und erfahrene Immobilienentwickler einbindet um sich nicht zu überfordern. Es sollte möglich sein, mit den „letters of intent“ namhafter Mittelstands- und Industriebetriebe in der Hand, einen Infrastrukturinvestor zu finden, der hier ein überschaubares Immobilienrisiko und eine im Projekt engagierte Stadtverwaltung vorfindet.

OB Gribl hat recht, wenn er mit der Festlegung der Organisationsstrukturen zögert: „Organisationsstrukturen können auch behindern“. Es ist wichtig, im Prozess Entwicklungsdynamik zu behalten und den Beitrag der Stadt nicht in der Bewirtschaftung einer Immobilie „Technologie Zentrum Augsburg“ zu sehen. PRO AUGSBURG wird alle Schritte unterstützen, die diese Dynamik unterstützen. Die Stadt sollte auch bei der Entwicklung des „Technologie Zentrum Augsburg“ möglichst nahe an ihrer Rolle als Strukturlieferant, Projektgarant und Impulsgeber bleiben.

Dr. Werner Lorbeer

Fraktion Pro Augsburg