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Mittwoch, 15.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kulturpolitik

Kulturcafé Neruda: Grüne fordern Klarheit über Zukunft des Begegnungsorts

Nur wenige Wochen nach dem Tod seines Gründers Fikret Yakaboylu hat das Kulturcafé Neruda geschlossen. Die Grüne Stadtrats­fraktion setzt sich nun für den Fortbestand des Kultur- und Begeg­nungsorts ein – und stellt der Stadt konkrete Fragen.

Von Bruno Stubenrauch

Das Neruda wenige Tage vor der Schließung (Foto: DAZ)

Am 22. Mai 2026 starb Fikret Yakaboylu – Gründer des Kulturcafés Neruda und Träger der Verdienst­medaille der Stadt Augsburg. Am Sonntag, 28. Juni, hatte das Neruda zum letzten Mal geöffnet. Seitdem ist das Café in der Alten Gasse 7 nahe des Hofgartens geschlossen. Die Konzession war auf Yakaboylu persönlich ausgestellt und ist mit seinem Tod erloschen.

Das Neruda war seit rund 15 Jahren weit mehr als eine Gast­stätte. Mit Konzerten, Lesungen, Aus­stellungen, Diskussionen und den assozi­ierten „Kültürtagen“ hat es das kulturelle Leben Augsburgs nach­haltig geprägt – als Ort gelebter Inter­kulturalität und gesell­schaftlicher Teilhabe, der Menschen unter­schiedlicher Herkünfte und Generationen zusammen­brachte.

Grüne stellen Antrag für den Kultur­ausschuss

Die Stadtrats­fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat nun einen Antrag gestellt, das Thema in der Sitzung des Kultur­ausschusses am 13. Juli 2026 auf die Tages­ordnung zu setzen. Die Fraktion stellt der Stadt­verwaltung dabei vier konkrete Fragen:

Wie stellt sich die aktuelle Situation des Neruda dar, und welche Gespräche wurden bereits mit der Familie sowie weiteren Beteiligten geführt? Welche kultur-, gesellschafts- und integrations­politische Bedeutung misst die Stadt dem Neruda bei? Welche Aus­wirkungen hätte eine dauerhafte Schließung auf das Theater­viertel? Und schließlich: Welche Möglichkeiten sieht die Stadt, den Fort­bestand des Kulturcafés dauerhaft zu unterstützen?

In ihrer Begründung betonen die Grünen, dass das Neruda ein Ort sei, „der weit über die Stadt­grenzen hinaus Anerkennung gefunden und das kulturelle Selbst­verständnis Augsburgs geprägt hat“. Angesichts der bekannt gewordenen Gefährdung bestehe ein berechtigtes öffentliches Interesse daran, über die aktuelle Situation und mögliche Hand­lungs­perspektiven informiert zu werden.

Offene Fragen rund um den Fortbestand

Die Lage ist komplex: Die Familie Yakaboylu sieht sich außer­stande, das Neruda fort­zuführen. Fikret Yakaboylu hatte sich zeit seines Lebens kein Gehalt bezahlt – das Café war sein persönliches Engage­ment, kein Geschäfts­modell. Konflikte mit Anwohnern hatte er stets durch persönliche Gespräche gelöst. Was der Vermieter mit den Räumlich­keiten vorhat, ist derzeit unklar. Wie es mit dem Neruda weitergeht, liegt nun auch in den Händen der Stadt Augsburg.

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