Alle Jahre wieder gut: Kabarett 2026 in der Puppenkiste
„Verrückte Zeiten“ durchleben wir gerade. Zumindest sehen das die Macher des diesjährigen Kabarett-Programms der Augsburger Puppenkiste so. Akribisch beobachten sie das ganze Jahr über die Politik auf allen Ebenen und dazu die skurrilen und erstaunlichen Geschehnisse, die auf den Kuriositätenseiten der Presse verzeichnet werden. Unter Zugabe von Poesie, Musik und Puppenspieler-Kunst entstand daraus auch in diesem Jahr ein kurzweiliger, witziger und intelligenter Theaterabend.
Von Halrun Reinholz

Die Neuen (v.l.): Dorothee Bär, Heidi Reichinnek, Felix Banaszak und „Dr. Hobert Rabeck“
Die zentrale Szene gleich nach der einstimmenden Revue-Nummer (diesmal der Tanz der Salamander) ist traditionell der Deutschlandpolitik gewidmet. Dazu werden jedes Jahr neue Puppen geschnitzt – je nachdem, welcher Politiker oder welche Politikerin gerade wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Dorothee Bär und Heidi Reichinnek sowie Felix Banaszak sind diesmal neu. Merz, Habeck und Söder konnten wiederverwendet werden. Olaf Scholz auch, aber kaum erkennbar, denn er ist als Henker unter einer Kapuze versteckt. Habeck tritt inkognito (mit Schnauzbart getarnt) als „Dr. Hobert Rabeck“ auf und ist der Chefarzt in der Anstalt für Realitätsverlust, in der die anderen Politiker als Patienten unter Beobachtung stehen, weil sie glauben, das Land zu regieren. Söders Puppe wurde aufgehübscht, er kommt als „Kini“ daher und benimmt sich entsprechend. Die Texte arbeiten sich an ihm ab, aber nicht nur, denn zum Vergnügen des Publikums verschonen sie keinen der politischen Akteure.
Keine Puppe gibt es dagegen für die Größen der Lokalpolitik. Doch auch diese wird wie jedes Jahr aufs Korn genommen, allerdings tut das der Kasper persönlich in seinen Einlagen im Augschburger Dialekt. Dabei fällt ihm noch so manches ein, was weit über die Lokalpolitik hinausgeht.
Die Unwägbarkeiten des Alltags in der Steinzeit
Die Mischung aus witzigen Kabarett-Texten und kunstvollem Puppenspiel wird vom Augsburger Publikum jedes Jahr mit Spannung erwartet. Konstanten sind dabei der Neandertaler mit seinem Freund Mammut, die sich auch diesmal wieder mit den Unwägbarkeiten des Alltagslebens (nicht nur) in der Steinzeit auseinandersetzen. Die hohe Kunst des Puppenspiels tritt bei den Ballett- und Tanznummern in den Vordergrund, wenn eine Gruppe von Marionetten koordiniert zur Musik bewegt wird. Zuweilen hebt sich da der Vorhang und das Publikum darf den Puppenspielern bei ihrer anspruchsvollen Arbeit zuschauen.
Dazu gibt es auch in der Pause wieder Gelegenheit, wenn die Zuschauer in den Bühnenraum eingeladen werden, um die geschnitzten Stars des Abends aus der Nähe zu betrachten. So nebenbei erhascht man da auch einen Blick auf die Abfolge der Szenen und die verschiedenen Schienen, auf denen die Puppen bereitstehen für ihren Auftritt. Wohl dem, der da den Durchblick bewahren kann.
Donald Trump als Gorilla

Donald Trump –
Fotos: Halrun Reinholz
Dass die Puppenkiste nicht nur Marionettenspiel beherrscht, zeigte sie auch diesmal wieder. Die pantomimischen Nummern mit Handpuppen haben einen ganz anderen Charme und zeigen die Vielfalt des Metiers. Diesmal wird etwa die Interaktion eines übergriffigen Pianisten mit der Sängerin persifliert, zudem hat Donald Trump als Gorilla mit roter Baseball-Cap und roter Krawatte einen Auftritt mit der Freiheitsstatue, die sich gegen seine Vereinnahmungsversuche erfolgreich zur Wehr setzt.
Selbst die sehr kurzen „Füll-Szenen“ für einen Witz werden oft mit viel Liebe zum Detail dekoriert und präsentiert und Kalauer jeder Art füllen die Umbaupausen. Was den Zuschauern auf jeden Fall bleibt, ist gute Laune und ein zuversichtlicher Blick ins neue Jahr. Da das Programm immer an Silvester Premiere hat, ist es Usus, dass die Puppenspieler beim Applaus Luftschlangen ins Publikum werfen.