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Mittwoch, 05.08.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Rettet-die-Stabi.de: Nicht Tafelsilber sondern Familienschmuck



Wer je über den Klinkerberg in die Innenstadt gegangen oder gefahren ist, muss der ockerfarbenen Schönheit rechts – der Staats- und Stadtbibliothek (alias STABI) – dauerhaft verfallen sein. Von den inneren Werten wissen dennoch nur wenige, obwohl sie verblüffender Weise noch imposanter sind als der Außeneindruck (wann denn kommt so etwas im richtigen Leben jemals vor?). Hier lagert – von lokalen, nationalen und internationalen Kennern geschätzt, bewundert und verehrt – nicht etwa das Tafel-Silber, sondern der Familienschmuck der zweitältesten Stadt Deutschlands.

Damit er gepflegt und der Öffentlichkeit auch zukünftig zugänglich gemacht werden kann, muss baulich und funktionell so rasch wie möglich saniert werden. Die dafür notwendigen, im Stadt-Haushalt aber nicht aufzutreibenden 4,5 Millionen € sichern einen letztlich unschätzbaren Millionenwert.

Der Freistaat beharrt auf einem mehr als 100 Jahre alten Vertrag und „beteiligt“ sich an den jährlichen Unterhaltskosten (1 Million €) mit gerade einmal 19.000 €. Die Stadt selbst hat es jahrzehntelang verschlafen, die Vertragsinhalte zu normalisieren. Aktuell besteht keine Aussicht auf Besserung, da der Nachfolger zahlreicher CSU-Kultus-Minister, Herr Dr. Heubisch (FDP), unter dem Diktat rigoroser Sparzwänge steht und in allen seinen Zuständigkeitsbereichen massiv herunterfahren muss.

Da es um einen besonders wertvollen Teil des Augsburger Erbes geht, sollten wir nicht auf allenfalls zukünftig realisierbare Forderungen gegenüber dem Freistaat vertrauen, sondern selbst Hand bzw. Geld anlegen. Notwendig sind die umgehende Gründung eines/r STABI-Förderkreises / STABI-Allianz und eine unwiderstehliche Werbung dafür, dass sich geschichts- und wertebewusste Sponsoren für den Erhalt einer unserer imponierendsten Stadtschönheiten begeistern.

Die Augsburger Bildungselite, die sich im Moment so rührend um die Stabi sorgt, darf den Besen in die Hand nehmen, um die im Dachstuhl noch vorhandenen Brandreste aus dem 2. Weltkrieg zusammenzukehren. Oder eben sich via rettet-die-stabi.de als bürgerschaftlich engagierter Mäzen für eine zukünftige tatsächliche Rettung der Bestände und eine strukturelle Überarbeitung der Benutzbarkeit der Bibliothek zur Verfügung stellen.

Prof. Dr. Harzmann, Dr. Lorbeer