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Sonntag, 28.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Mehr Radioaktivität in Gundremmingen als in der Asse

Ende 2009 werden schon 25 Castoren im Zwischenlager Gundremmingen sein

Christine Kamm, MdL von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Damit lagert hier schon die zigfache radioaktive Müllfracht wie in Asse

Da die Atomkraftwerksbetreiber von Gundremmingen die Informationen über den Stand der Einlagerungen in das Zwischenlager nicht veröffentlichen, stellte die Abgeordnete Christine Kamm eine Anfrage an den Umweltminister Söder um den gegenwärtigen Sachstand zu klären. Kamm fragte: „Wie viele Castoren mit welchem Gesamtradioaktivitätsinventar werden bis Jahresende 2009 im Atommülllager Gundremmingen abgestellt sein und wie lange kann dieser Atommüll dort lagern, wenn weiterhin kein sicheres Endlager in Deutschland verwirklicht wird?“

Gundremmingen: Genehmigung für Lagerung der bestrahlten Brennelemente bis 25.8.2046 möglich

Das zuständige Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit führte aus, dass im Zwischenlager Gundremmingen bisher 23 beladene CASTOR-Behälter stehen. Bis zum Jahresende 2009 werden nach derzeitiger Planung des Betreibers voraussichtlich zwei weitere Behälter eingelagert werden. „In einem einzigen Castor von Gundremmigen lagert mehr radioaktive Fracht als im ganzen Skandallager Asse. Das heißt, wir haben Ende 2009 mehr als 25 Mal so viel radioaktiven Müll in Gundremmingen wie im Lager Asse. Dazu kommt, dass dieser Müll auch für die kommenden 37 Jahre in Gundremmingen lagern darf“, so Kamm. Denn in der Antwort des Staatsministers heißt es außerdem: die „atomrechtliche Genehmigung für die Aufbewahrung bestrahlter Brennelemente im Standortzwischenlager Gundremmingen ist auf 40 Jahre ab dem Zeitpunkt der Einlagerung des ersten Behälters befristet. Der erste Behälter wurde am 25.08.2006 in das Zwischenlager verbracht.“

Kritik: Bunderegierung prüft nur einen einzigen, noch dazu ungeeigneten Standort für das Endlager

Christine Kamm befürchtet jedoch, dass in den kommenden Jahren kein geeignetes Endlager zur notwendigen Räumung des Zwischenlagers zur Verfügung stehen werde. „Die neue Bundesregierung setzt ausschließlich auf die weitere Erkundung des Salzstockes Gorleben als Endlager, ohne parallel andere geologisch geeignete Standorte zu überprüfen“, so Kamm. Da aber bereits jetzt feststehe, dass der Salzstock Gorleben nicht über ein gegen Grundwassereintritt sicherndes Deckgebirge verfüge, und Auswaschungen des Salzstockes nicht ausgeschlossen werden können, werde die im Koalitionsvertrag vereinbarte unverzügliche Aufhebung des Moratoriums keineswegs dazu führen, dass auf diese Weise ein geeignetes Endlager gefunden werden könne. Vielmehr werde die Bundesregierung noch mehrere Jahre die Erkundungsarbeiten des Salzstockes Gorleben fortzusetzen, um dann am Ende dieser Legislaturperiode keinen Schritt weiter sein als heute.

Zwischenlager Gundremmingen verfügt nicht über erforderliche Sicherheit

Da die neue Bundesregierung sich bei ihrer Suche nach einem geeigneten Endlager ausschließlich auf einen (ungeeigneten) Standort festgelegt habe, werden viele Jahre nutzlos Zeit verstreichen, und es sei nach wie vor unklar, ab wann ein verantwortbares Endlager gefunden werden könne. Zudem könne auch der angedachte Verbleib der Castoren in den kommenden 37 Jahren in dem Zwischenlagergebäude von Gundremmingen nicht verantwortet werden, da diese Lager in keinster Weise über die erforderlichen Sicherheiten verfüge, so Kamm. Für äußert problematisch hält sie zudem die von verschiedenen CSU-, CDU- und FDP-Politikern angedachte Laufzeitverlängerung. Schon eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke um 15 Jahren würde die zu entsorgende Atommüllfracht mehr als verdoppeln. Kamm: „Die Risiken wachsen dramatisch. Der Ausstieg aus der Atomenergie muss jetzt eingeleitet werden. Niemand kann Giftmüll produzieren, wenn er nicht weiß, wohin dieser sicher verbracht werden kann“.